Der Mann muss sich vor dem Landgericht in der Ostanlage verantworten.
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Der Mann muss sich vor dem Landgericht in der Ostanlage verantworten.

Strafprozess

Gießen: Mutmaßlicher Dealer nach Todesfall aufgeflogen

  • VonConstantin Hoppe
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Am Gießener Landgericht muss sich ein 57-Jähriger Mann verantworten. Die Vorwürfe lauten: Drogenhandel und Waffenbesitz.

Gießen - Der Mann führt ein eher zurückgezogenes Leben auf einem Gartengrundstück in Gießen: »Ich bin eher ein Einzelgänger und habe nicht viele Freunde.« Seit Montag wird ihm am Landgericht Gießen der Prozess gemacht. »Ich bin schon seit rund 40 Jahren Cannabisabhängig - deshalb fand man die Drogen in meinem Haus«, lässt er sich zu den Vorwürfen ein.

Mutmaßlicher Dealer aufgeflogen: Polizei durchsucht Gartengrundstück

In Berlin geboren, kam der heute 57-Jährige mit vier Jahren in ein Heim für schwererziehbare Kinder. Seine Eltern kennt er nicht. In den folgenden Jahren wechselte er mehrfach seine Pflegeeltern, machte keinen Schulabschluss und fing mit 16 Jahren an zu arbeiten. Kurz darauf begann auch sein Drogen- und Alkoholkonsum. 1987 kam er über Freunde nach Gießen, arbeitete unter anderem bei diversen Firmen und kaufte sich schließlich das Grundstück, auf dem er noch heute lebt. Derzeit arbeitet er als Hausmeister.

Auf die Spur kam ihm die Polizei aufgrund des Fundes eines Drogentoten in Lollar im Juni 2019: »Im Zuge dieser Ermittlungen wurden auch die Chatverläufe des Toten untersucht und dabei gab es relativ klare Drogenbestellungen bei einem ›Bert‹« (Anm. der Red: Name geändert), berichtete ein Kriminaloberkommissar der Gießener Polizei, der die Ermittlungen führte. »Bei der Kontaktnachverfolgung ergab sich, dass es sich bei ›Bert‹ um den Angeklagten handelte.«

Kurz darauf, am 21. August 2019, durchsuchte die Polizei das Gartengrundstück, auf dem der 57-Jährige lebt. In dem Wohngebäude fand die Polizei neben 245 Gramm Marihuana auch 222 Gramm eines Amphetamin-Koffein-Gemisches, 120 Gramm Haschisch und zwei Ecstasytabletten, dazu rund 2100 Euro Bargeld.

Mutmaßlicher Dealer aus Gießen vor Gericht: Mehrere Waffen sichergestellt

Weiterhin wurden neben mehreren Luftdruckwaffen auch zwei Armbrüste und zwei griffbereit liegende Macheten in dem Gebäude gefunden. »Die hatte ich nur, falls mal ein Arsch vorbeikommt«, erklärt der Angeklagte zu der Frage nach den Waffen. Auch für die Menge an Drogen - immerhin eine nicht geringe Menge -, hatte er eine Erklärung parat: »Das ist alles für den Eigenbedarf. Ich kaufe mir jedes halbe Jahr eine größere Menge, um nicht für jedes Gramm loslaufen zu müssen.« Gehandelt haben will er nicht mit den Drogen. Und auch die zwei Feinwaagen, die in seiner Wohnung gefunden wurden, erklärt er mit seinem Eigenbedarf: »Damit habe ich mich immer selbst kontrolliert, damit ich weiß, wie viel ich konsumiere.«

Auch von den Chatverläufen des Verstorbenen Mannes will er nichts gewusst haben: »Ich habe keine Ahnung, warum die da über mich geschrieben haben«, gab er vor Gericht an. Zwar gab er zu den Verstorbenen gekannt zu haben - aber nur flüchtig: »Er war auch ein paar mal bei mir - aber ich habe ihm nie Drogen verkauft«, betont er.

Prozess gegen mutmaßlichen Drogendealer: Keine Chatverläufe gefunden

Auf dem Handy des Angeklagten waren bei der Durchsuchung seines Grundstückes keiner der entsprechenden Chatverläufe zu finden. »Aber es waren da ohnehin keine anderen Gespräche, außer aus den letzten beiden Wochen, zu finden. Das darf auch nicht überraschen, denn der Angeklagte hatte auch jede Menge Zeit, um sich vorzubereiten«, gab am Montag ein Polizeibeamter im Zeugenstand an. Den Eindruck erweckte der Angeklagte auch bei der Vernehmung: »Es wirkte auf mich so, als hätte er sich schon auf die Vernehmung vorbereitet.« Diese Einschätzung teilte auch der Vorsitzende Richter Dr. Klaus Bergmann: »Ihre Einlassungen wirken nicht allzu überzeugend«, meinte er in Richtung des Angeklagten. »Wollen sie sich das noch einmal überlegen?« Darauf gab der 57 Jahre alte Angeklagte jedoch keine Antwort .

Der Prozess wird fortgesetzt. (con)

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