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In der Kongresshalle hat im August 2018 die Ärztliche Prüfung stattgefunden. FOTO: EP

Klage vor Gericht

Gießen: Medizin-Student klagt - Zu kalt für Prüfung?

Ein Gießener Medizinstudent ist durch eine Prüfung gefallen. Nun klagt er vor dem Verwaltungsgericht: Die Kongresshalle, in der die Prüfung stattfand, sei zu kalt gewesen.

  • Medizinstudent aus Gießen klagt, nachdem er durch Prüfung gefallen ist
  • Grund: Ort der Prüfung sei zu halt gewesen
  • Situation in der Kongresshalle Gießen während Prüfung unzumutbar?

Gießen - In vielen Büros oder Haushalten ist die Frage nach der richtigen Raumtemperatur ein beliebtes Smalltalkthema, bei dem es auch mal hitzig werden kann. Für einen Gießener Medizinstudenten ist sie ein Grund, vor Gericht zu ziehen. Er hatte Ende August 2018 den ersten Abschnitt seiner Ärztlichen Prüfung nicht bestanden. Dafür macht er die Raumtemperatur am Prüfungsort verantwortlich. Wegen der Kälte in der Kongresshalle hätte seine Leistungsfähigkeit gelitten.

Für den Mann geht es vor dem Verwaltungsgericht Gießen um seine berufliche Zukunft: "Ich will als Arzt arbeiten, wenn ich darf", sagte er immer wieder während der Verhandlung am Donnerstag. Denn der Mann mit den grau melierten Haaren war bei der Ärztlichen Prüfung zuvor bereits zweimal durchgefallen. Der dritte Versuch Ende August 2018 war sein letzter; einen neuen Anlauf darf er laut Prüfungsordnung nicht mehr unternehmen.

Klage von Student in Gießen: Aufsicht informiert

An jenen zwei Augusttagen im Jahr 2018 kletterten die Temperaturen in Gießen auf Werte von 28,2 und 36,6 Grad. In der Kongresshalle lief eine Klimaanlage und kühlte die Temperaturen laut Landesprüfungsamt an beiden Tagen auf 20 beziehungsweise 22 Grad herunter. Der Kläger sagt, es sei im Prüfungssaal kälter gewesen. Viel kälter.

Bereits um 8 Uhr habe er vor der Kongresshalle auf den Einlass zur Prüfung gewartet. Vor der Eingangstür und selbst im Vorraum sei es nicht so kalt gewesen wie im Saal selbst. Wegen der zu erwartenden hohen Außentemperaturen habe er keinen Pullover dabei gehabt und nicht auf die Kälte im Saal reagieren können. Zwei Mal habe er Aufsichtspersonen vor Beginn der Prüfung um 9 Uhr darauf angesprochen; und auch andere Studierenden hätten die niedrigen Temperaturen beklagt.

Hinzu kam laut Aussage des Klägers: Wegen der Kälte seien viel mehr Leute als üblich auf die Toilette gegangen; er habe drei Mal das Klo aufsuchen müssen. Weil immer nur eine bestimmte Anzahl an Prüflingen das Örtchen besuchen dürfen, habe er lange Wartezeiten hinnehmen müssen. Der Mann beziffert diese auf etwa 25 Minuten. Zeit, die ihm am Ende der Prüfung gefehlt hätte, um die 160 Fragen in den vorgegebenen vier Stunden zu beantworten.

Klage von Student in Gießen: Standard 21 Grad

Das Landesprüfungsamt sieht die Sache anders. In den Protokollen sei nicht festgehalten worden, dass es überhaupt zu einer Beschwerde wegen der Temperaturen gekommen sei. Dies sorgte für einen spöttischen Kommentar des Rechtsanwalts des Klägers; der sagte, er habe noch nie erlebt, dass eine Prüfungsaufsicht gute Protokolle geschrieben habe. Die Vertreterin des Prüfungsamtes verwehrte sich gegen diesen Vorwurf und betonte, außer dem Kläger hätte niemand der knapp 100 Prüflinge Rechtsmittel eingelegt. Außerdem verwies sie auf ein Statement der Stadthallen GmbH als Betreiberin. Die hatte mitgeteilt, die Klimaanlage sei wie üblich auf 21 Grad eingestellt gewesen.

Für die Kammer am Verwaltungsgericht war die Frage zentral, ob die Situation in der Kongresshalle im August 2018 unzumutbar für den Medizinstudenten gewesen war. Das Gericht lehnte die Klage ab; der Student hätte seinen Rücktritt von der Prüfung unverzüglich mitteilen müssen - und nicht erst nach Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses. Außerdem sei eine Temperatur von 21 Grad für Prüflinge zumutbar.

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