100 Plakate mit einem Appell zum Tragen von Mundschutzmasken werden in der Fußgängerzone aufgehängt. Das erste Exemplar brachte Bürgermeister Peter Neidel an.
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100 Plakate mit einem Appell zum Tragen von Mundschutzmasken werden in der Fußgängerzone aufgehängt. Das erste Exemplar brachte Bürgermeister Peter Neidel an.

Corona-Pandemie

Gießen: „Maskenpflicht light“ im Seltersweg als „Gefahrenabwehr“

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Wenn die Geschäfte in der Fußgängerzone geöffnet haben, gilt für die Einkaufsmeile Seltersweg in Gießen jetzt eine Maskenpflicht. 100 Plakate weisen darauf hin.

Gießen – »Andere ermahnen, aber selbst nicht dranhalten«, schimpft die Frau, die am Freitag vor dem Schwälmer Café auf Einlass wartet. Da irrt die Dame. In der Gruppe, die sich am Marktplatz zum Pressetermin versammelt hat, wird zwar nicht zu jedem Zeitpunkt gegenseitig 1,5 Meter Abstand gehalten, aber alle tragen eine Mund- und Nasenbedeckung.

Damit ist die neue Verhaltensregel, die seit Wochenbeginn für die Fußgängerzone gilt, schon beschrieben. In den Einkaufsgassen zwischen Selterstor und Marktplatz müssen Besucher aus Gründen des Infektionsschutzes entweder einen Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten oder eine Maske tragen. Eine reine Maskenpflicht gibt es in Gießen also nicht. Dafür hätte der für den Infektionsschutz zuständige Landkreis die Verordnung der Landesregierung für Gießen verschärfen müssen. »Für das Ordnungsamt ist das nicht einfach zu handeln, aber wir müssen damit umgehen«, sagt Bürgermeister Peter Neidel zum Start der neuen Aufklärungskampagne.

Gießen: 100 Plakate weisen rund um Seltersweg auf Corona-Verordnung hin

Nach und nach sollen in der Fußgängerzone 100 Plakate mit Infos zur aktuell gültigen Verordnungslage aufgehängt werden. Die Empfehlung, eine Mundnasenbedeckung zu tragen, steht dabei im Vordergrund. Damit könnten die Plakate auch hängenbleiben, falls doch noch eine echte Maskenpflicht verfügt würde.

Die jetzt gültige Verordnung (siehe Kasten) legt die Stadt so aus, dass während der Öffnungszeit der Geschäfte in der Fußgängerzone zwischen neun und 20 Uhr die Maskenpflicht praktisch gilt. »Da ist die Fußgängerfrequenz in der Regel so hoch, dass der Abstand oft nicht eingehalten werden kann«, erläutert Dirk Drebes vom Ordnungsamt.

Um die Konfrontation mit hartnäckigen Maskenverweigerern geht es den Ordnungshütern nicht, sondern um Aufklärung, betonen die städtischen Vertreter. Wie zur Unterstützung der Aussage schallt die Lautsprecherdurchsage einer Pkw-Streife des Ordnungspolizei vom Kreuzplatz herüber. »Es geht um die Gefahrenabwehr und nicht darum, Verwarnungsgelder zu kassieren«, betont Ordnungsamtsleiter Alexander Steiß und Bürgermeister Neidel ergänzt: »Mit den Plakaten und Lautsprecherdurchsagen baut man natürlich in einer Gruppe auch sozialen Druck auf.«

Gießen: Mehr Masken im Seltersweg? „Hat sich Bewusstsein entwickelt“

Nach dem Eindruck der Ordnungshüter hat die Zahl der Träger von Mundschutzmasken in der Fußgängerzone seit Wochenbeginn bereits deutlich zugenommen. »Da hat sich bereits ein Bewusstsein entwickelt«, glaubt Drebes Dort, wo eine Maskenpflicht ganz klar besteht, wie an den Bushaltestallen, seien zwar schon »etliche Geldbußen« in Höhe von 50 Euro verhängt worden, wenn sich Passanten partout weigerten, eine Maske zu tragen, aber die Mehrheit sei einsichtig. Meistens werde die Maske aus Vergesslichkeit nicht getragen, Überzeugungstäter seien die Ausnahme.

Für die Stadt, das Stadtmarketing und den Einzelhandel ist das Thema Maskenpflicht ein Spagat. »Wir wollen weiterhin lebendige Innenstädte und nicht, dass die Leute wegbleiben«, sagt Marketing-Chef Frank Hölscheidt. Wer den Besuch der City im Moment aus verständlichen Gründen meide, könne auch online »lokal einkaufen«, wirbt Hölscheidt für die Nutzung der Gießener Plattform »Heimatschatz«.

Gießen: „Echte“ Maskenpflicht könnte Einzelhandel helfen

Nach Überzeugung von BID-Geschäftsführer Markus Pfeffer würde dem Einzelhandel eine echte Maskenpflicht, wie sie das Gesundheitsamt der Stadt Darmstadt für die dortige Fußgängerzone verhängt hat, eher helfen: »Wir brauchen klare Regeln, die Innenstadtbesucher müssen wissen, woran Sie sind und sollen sich sicher fühlen. Masken geben den Menschen ein Sicherheitsgefühl. Wir erwarten vom Landkreis eine prägnante nachvollziehbare Lösung.«

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