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»Mammutaufgabe«: Stadt kündigt Kreuzungsumbau an Marburger Straße an

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Von: Burkhard Möller

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Die Sudetenlandstraße in Gießen. © Burkhard Moeller

In Gießen soll eine Kreuzung umgebaut und fahrradgerecht gemacht werden, erst kürzlich kam es dort zu einem tödlichen Unfall. Doch die Planung ist schwierig.

Gießen – Nach dem tödlichen Unfall in der Marburger Straße kündigt die Stadt einen Umbau der Kreuzung mit der Sudetenlandstraße an. Damit bestätigt die Stadt den vom ADFC schon lange beschriebenen Handlungsbedarf für die Unfallkreuzung und plant weitere Maßnahmen. Sie sollen die Sicherheit für Radfahrer im Stadtverkehr erhöhen.

Wie genau es am Samstagnachmittag (3. Dezember) zu dem tödlichen Unfall an der Kreuzung Marburger Straße/Sudetenlandstraße kam, ist noch unklar. Einiges deutet aber darauf hin, dass die Problematik des sogenannten toten Winkels einmal mehr ein Menschenleben gekostet hat. Ein 80-jähriger Radfahrer, der auf dem Schutzstreifen stadteinwärts auf der Marburger Straße wohl geradeaus weiterfahren wollte, war von einem Lkw, der rechts in die Sudetenlandstraße abbog, erfasst und überrollt worden, nachdem die Ampel für beide Richtungen Grün gezeigt hatte.

Hinweise auf ein Fehlverhalten der Unfallbeteiligten hat die Polizei bislang nicht. Alkohol sei weder bei dem Fahrer der in Polen zugelassenen Zugmaschine noch dem Radfahrer im Spiel gewesen, erklärte Polizeisprecher Jörg Reinemer.

Stadt Gießen bezeichnet Umbau des Verkehrsnetzes als »Mammutaufgabe«

Nach Überzeugung des Allgemeinen Deutschen FahrradClubs (ADFC) in Gießen könnte die Gefahr von Abbiegeunfällen an dieser Kreuzung längst gebannt sein. Seit Jahren drängt der ADFC nach eigener Darstellung darauf, dass an der Unfallkreuzung die Haltelinie für Radfahrer vor die für den Autoverkehr gezogen wird, damit die Fahrer von Lkw, die rechts abbiegen wollen, die Radfahrer im Blickfeld haben. Seit sieben Jahren habe er die Gefahrstelle am Runden Tisch Radverkehr oder im städtischen Mängelmelder »immer wieder angesprochen«, erklärt ADFC-Sprecher Dr. Jan Fleischhauer.

Die Stadt weist die am Montag per Pressemitteilung geäußerte und als Schuldzuweisung empfundene Kritik angesichts der »einzigartigen Tragödie eines tödlichen Verkehrsunfalls« als unpassend zurück. In der Sache indes gibt Bürgermeister und Verkehrsdezernent Alexander Wright (Grüne) dem Fahrrad-Club recht. »Die bauliche Situation an der Marburger Straße ist für uns an dieser Stelle nicht zufriedenstellend.« Es werde deutlich, dass der Umbau des Verkehrsnetzes, um die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern zu erhöhen, eine »Mammutaufgabe« sei, die die Stadt sehr ernst nehme und auch zeitnah umsetzen wolle.

Gießen: Behindertenfreundliche Fußgängerüberwege geplant

Für die Unfallkreuzung seien neben der – mit einer Verschiebung der Haltelinien verbundenen – Markierung von Radaufstellstreifen (ARAS) behindertenfreundliche Fußgängerübergänge mit Grün-Anforderung, eine dritte und direktere Querung zwischen dem Lidl- und dem Rewe-Markt, eine Versetzung der Ampeln sowie eine Änderung des Radfahrstreifens, der aus dem Wiesecker Weg kommt, vorgesehen. Die Summe der Maßnahmen führt laut dem Grünen-Politiker »de facto zu einer Neuplanung der Marburger Straße vom Wiesecker Weg bis zur Bückingstraße«. Umgesetzt werde dieses Projekt nach dem Verkehrsversuch, da die Marburger Straße ein wichtiger Zubringer für den Anlagenring sei und für die mindestens einjährige Dauer des Versuchs, der im Frühjahr starten soll, frei von Baustellen bleiben soll.

15 Kreuzungen wurden in Gießen bereits umgebaut

Wright verweist darauf, dass allein in diesem Jahr an 15 Kreuzungen die Sicherheit für den Radverkehr durch Markierung von ARAS-Flächen, die Installierung von Spezialampeln fürs »Fahrradgrün« sowie das indirekte Linksabbiegen oder die Aufhebung der Benutzungspflicht von Radwegen, die auf Bürgersteigen verlaufen, verbessert worden sei. Wright zählt auf: Schiffenberger Weg/Am Unteren Rain, Grünberger Straße/Curtmannstraße, Grünberger Straße/Wolfstraße, Rodheimer Straße/Krofdorfer Straße, Rodheimer Straße/Schlachthofstraße, Eichgärtenallee/Rudolf-Diesel-Straße, Liebigstraße/Ludwigstraße, Wilhelmstraße/Ludwigstraße, Oswaldsgarten, Roonstraße/Moltkestraße, Nordanlage/Steinstraße, Marburger Straße/Schwarzlachweg, Frankfurter Straße/Lahnstraße, Alten-Busecker Straße/Steinerne Brücke sowie Marburger Straße/ Wiesecker Weg.

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Die Sudetenlandstraße in Gießen. © Burkhard Moeller

Im kommenden Jahr stünden weitere Knotenpunkte an, als da wären: Ludwigsplatz/Ludwigstraße, Aulweg/Wartweg, Ludwigstraße/Bismarckstraße, Robert-Sommer-Straße/Max-Reger Straße, Grünberger Straße/Heyerweg sowie Frankfurter Straße/Alicenstraße.

Den Angehörigen des Unfallopfers vom Samstag drückt Wright im Namen des Magistrats sein Beileid aus. Ungeachtet der geplanten Veränderungen an der Kreuzung werde die Stadt – gemeinsam mit der Polizei – den Unfall »genau analysieren und beraten«. (Burkhard Möller)

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