Nach einer Geburtstagsfeier in Gießen gibt es zahlreiche Corona-Fälle. (Symbolbild)
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Nach einer Geburtstagsfeier in Gießen gibt es zahlreiche Corona-Fälle. (Symbolbild)

Ausbruch in Restaurant

Geburtstagsfeier in Gießen wird Superspreader-Event: Umarmungen für den Jubilar

Ein Corona-Ausbruch nach einer privaten Geburtstagsfeier in Gießen hat deutliche Auswirkungen. Die Hintergründe.

Gießen - Nach einer Geburtstagsfeier in einem Gießener Restaurant am vergangenen Samstag vor einer Woche sind mittlerweile 29 Corona-Infektionen bestätigt. Das gab der Landkreis Gießen am Montag bekannt. »Inzwischen sind von der Veranstaltung fünf Personen aus dem Landkreis Gießen und 21 Personen aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf positiv getestet«, erklärte Sprecherin Nadine Jung auf Anfrage dieser Zeitung. Drei weitere positiv getestete Personen aus dem Landkreis Gießen stünden im Zusammenhang mit der Veranstaltung. Da die Ermittlung der Kontaktpersonen andauert, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Infektionen im Kontext der Geburtstagsfeier weiter steigen wird.

Schon am Sonntagabend lag die Inzidenz im Landkreis bei 19 und in der Stadt Gießen bei 19,2 und damit nur knapp unter dem Wert, der die Warnstufe »Gelb« nach sich zieht. Dies ist der Fall, wenn innerhalb von sieben Tagen ein Wert von mehr als 20 Infizierten pro 100 000 Einwohner erreicht wird. Das war in der Stadt bislang erst einmal und zwar Ende August vorgekommen. Am Montag bestätigte der Landkreis insgesamt 516 Corona-Fälle, darunter sind 53 aktive Fälle.

Superspreading-Event in Gießen: Unternehmen schließt nach Corona-Fällen Werke

Besonders hart getroffen hat es den Landkreis Marburg-Biedenkopf. Dort leben die meisten der infizierten Gäste, die anlässlich eines Geburtstags einer Führungskraft des Unternehmens Seidel aus Marburg zusammengekommen waren. Nach bisherigem Stand der Ermittlungen des Gesundheitsamtes Marburg-Biedenkopf habe eine infizierte Person während der ansteckungsfähigen Phase an dieser Feier teilgenommen und sei zuvor im Betrieb tätig gewesen.

Da bei Seidel unterdessen auch Corona-Fälle aufgetreten sind, die nicht im Zusammenhang mit der Feier stehen können, hat sich das Unternehmen entschlossen, das Werk zunächst bis einschließlich Mittwoch zu schließen. »Das Risiko ist zu groß, dass sich die ganze Firma ansteckt«, sagte Seidel-Geschäftsführer Dr. Andreas Ritzenhoff der »Oberhessischen Presse«.

Nachdem die ersten Fälle am Freitagmorgen bekannt wurden, habe man die Entscheidung zur Schließungen getroffen. Zumal einzelne positiv getestete Mitarbeiter auch noch zwischen beiden Standorten pendeln. Mittlerweile sei die Zahl der Positiv-Fälle unter den 700 Seidel-Mitarbeitern auf 15 gestiegen - allerdings sei der Ursprung nicht einzig auf die Gießener Feier zurückzuführen.

Corona Gießen: Gäste umarmen Jubilar - Zahlreiche Infizierte

Der Erste Kreisbeigeordnete des Landkreis Marburg-Biedenkopf, Marian Zachow, bezeichnete das Infektionsgeschehen rund um die Firmen- und Familienfeier als »hochkomplex«. »Dieses Beispiel macht auf eindrucksvolle Weise deutlich, dass Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen derzeit sehr kritisch zu bewerten sind«, betonte Zachow. Jeder, der etwas zu feiern habe, solle sich überlegen, ob die Feier verschoben werden kann. »Der runde Geburtstag, das Ehejubiläum oder ein anderes Familienfest sind zwar wichtige Ereignisse, auf die sich alle Beteiligten freuen, man sollte es aber hinterher nicht bereuen. Daher der dringende Appell, Feiern zu verschieben!«

Bei der Feier in Gießen lag ein Hygienekonzept vor, der Landkreis Gießen sah keine Indizien dafür, dass dabei gegen geltende Bestimmungen verstoßen worden ist. Um Mitternacht hatte die Geburtstagsgesellschaft gemeinsam Happy Birthday gesungen und den Jubilar danach einzeln umarmt.

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