In der S-Kurve der Rheinfelser Straße schneiden viele Fahrzeuge die enge Kurve.	FOTO: SCHEPP
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In der S-Kurve der Rheinfelser Straße schneiden viele Fahrzeuge die enge Kurve. FOTO: SCHEPP

Tempo 30

Gießen: Schon wieder Ärger um fehlenden Blitzer an gefährlicher S-Kurve in Lützellinden

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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In der Rheinfelser Straße in Gießen gilt Tempo 30. Doch nur wenige halten sich daran. Abhilfe könnte ein Blitzer schaffen, glaubt eine Anwohnerin. Der ist auch vor einigen Jahren genehmigt worden – aber bis heute nicht aufgestellt worden.

Gießen – Der Lastwagen nimmt die S-Kurve in der Rheinfelser Straße mit viel Tempo und gerät so ganz bewusst auf die Gegenfahrbahn. Plötzlich kommt ihm auf der Geraden ein großes landwirtschaftliches Fahrzeug entgegen. Dem Fahrer bleibt nichts anderes übrig, als auszuweichen - und zwar mit Karacho auf den ohnehin schon schmalen Bürgersteig. Elke Koch-Michel hält kurz die Hand vor den Mund, atmet tief ein und aus. Dann schüttelt sie mit dem Kopf. Die Anwohnerin ist Situationen wie diese gewohnt. Nicht zum ersten Mal fordert die langjährige Stadtverordnete der Bürgerliste und zwischenzeitliche Ortsvorsteherin von Lützellinden, dass an dieser Stelle etwas passieren muss.

Gießen: Viele Lastwagen machen die Kurve in Lützellinden gefährlich

Die Situation mit dem Lastwagen und der landwirtschaftlichen Maschine ist kein Einzelfall. Bei zwei Ortsterminen fällt auf, dass viele Fahrzeuge in der Kurve nicht das Tempo drosseln, sondern gezielt in den Gegenverkehr steuern und so zum Teil die komplette Fahrbahn nutzen. In einer zum Teil schwer einsehbaren Kurve nicht unbedingt die beste Idee. Dass hier Unfälle wegen nicht angepasster Geschwindigkeit nicht an der Tagesordnung sind, verwundert.

Vor allem der Schwerlastverkehr sei eine »Riesenbelastung«, sagt Koch-Michel. Dieser rolle zum oder vom Gewerbegebiet Rechtenbacher Hohl durch den Stadtteil oder fahre von der Autobahnabfahrt Lützellinden ab. Auch nachts. Deswegen wünscht sich die Lützellindenerin zum Beispiel ein Nachtfahrverbot durch den Ort für Lastwagen.

Gießen-Lützellinden: Tempolimit wird ignoriert – Ein Blitzer könnte helfen

Und: Nur wenige würden sich an das Tempolimit halten: Hier darf eigentlich nur 30 gefahren werden. Doch Lastwagen- und Autofahrer würden dies bewusst oder unbewusst immer wieder ignorieren. Ausnahme seien die Busfahrer; die hielten sich in der Regel an die Geschwindigkeitsbegrenzung, sagt Koch-Michel. Eine Lösung wäre ein Blitzer, glaubt sie. Der ist auch von der Polizei befürwortet und von der Stadt vor vier Jahren genehmigt worden.

Nur: Koch-Michel erzählt, dass danach eine Diskussion im Ortsbeirat entbrannt sei, wo das stationäre Messgerät aufgestellt werden soll: Am Ortseingang Richtung Gewerbegebiet, Richtung Allendorf oder mitten in der Rheinfelser Straße? Eine Entscheidung gab es nicht, das Geld wurde anderweitig verwendet. Erst im vergangenen Jahr hätten Anwohner bei einer Begehung durch die Stadt erneut auf den Blitzer hingewiesen. Die Antwort: »Das habt Ihr doch abgelehnt«, erinnert sie sich.

Die Stadt verweist bei der Frage des Blitzers auf den Ortsbeirat. Wenn das Gremium sich nicht mehr gegen die Ortsmitte ausspreche, könne dieser auch umgesetzt werden. Im Gegensatz zu den Ortsausgängen sei dieser Standort schließlich von der Hessischen Polizeiakademie genehmigt worden. »Mit aktuellen Verkehrsdaten wird im nächsten Jahr erneut die Zustimmung für diese weiteren Standorte beantragt werden.«

Raser in Gießen: Kreativer Protest der Anwohner in Lützellinden

Dass große Fahrzeuge die Gegenspur nutzen, sei nicht verboten, heißt es weiter vonseiten der Stadt - »soweit niemand gefährdet oder übermäßig behindert wird«. Wenn der Gehweg regelmäßig von Lkw überfahren würde, würde sich dies im baulichen Zustand widerspiegeln. Der Behörde ist bekannt, dass sich »dort Fahrzeuge auf der engen Fahrbahn und Fußgänger auf dem schmalen Gehweg recht nahe« kämen.. Die Engstelle als solche könne wegen der Häuser aber nicht beseitigt werden. Genau deshalb gelte auch hier eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Koch-Michel zeigt auf eine Mauer am Rande eines Grundstücks, das direkt an der S-Kurve liegt. »Die wurde gebaut, weil dort immer wieder Fahrzeuge reingerauscht sind.« Mitte der 90er Jahre hätten die Anwohner außerdem auf eine ungewöhnliche Art und Weise auf die Verkehrssituation aufmerksam gemacht: Sie fuhren ihre Autos aus den Höfen und stellten sie versetzt auf der Fahrbahn am Straßenrand ab. Koch-Michel muss schmunzeln, als sie daran denkt. »Der Aufschrei war groß, die Polizei wurde sogar gerufen, weil die Lastwagen nicht durchkamen.« Aber alles sei ordnungsgemäß gewesen.

Gießen: Wenig Alternativen zum Blitzer in Lützellinden

Fragt man Koch-Michel nach Alternativen zum Blitzer, kann sie keine nennen. Die Straße sei zu eng, um eine Verkehrsberuhigung wie mit Blumenkübeln zu erreichen. Und das aufgestellte Display, das Fahrern mit einem lächelnden oder grimmigen Smiley zeigt, wie schnell sie fahren, bringe im Endeffekt auch keine Besserung. Eine Ortsumfahrung wie im Staufenberger Stadtteil Mainzlar - das wäre es natürlich. In den 60ern diskutiert, sei sie irgendwann vom Tisch gewesen. Und das wird auch so bleiben.

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