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Von der Bahnhof- zur Sieboldstraße führt der Fußweg durch die schmuddelige Bahnunterführung.

Kommunalpolitik

Gießen: LISA-Überwachungssystem soll Sicherheit im Schmuddeltunnel erhöhen

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Die Gleisunterführung zwischen Bahnhofstraße und Sieboldstraße ist für die Gießener Grünen ein „Schandfleck“. Sie wollen ein Sicherheitssystem installieren.

Gießen – Im ersten eigenständigen Parlamentsantrag der neuen Grünen-Fraktion im Stadtparlament geht es nicht um Klimaschutz oder einen neuen Radweg, sondern die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit in Gießen. Nach dem Vorbild des Marburger »Jägertunnels«, einer Gleisunterführung zwischen zwei Straßen, wollen die Grünen für die Gießener Gleisunterführung zwischen Bahnhofstraße und Sieboldstraße ein sogenanntes LISA-System einrichten und damit das Sicherheitsgefühl der Passanten verbessern.

LISA steht für Livebild- und Sprechverbindung auf Abruf und ist im Grunde eine Videoüberwachung auf Knopfdruck. Wer einen mit LISA ausgestatteten Bereich betritt, kann Kameras und ein akustisches Signal aktivieren. Die Live-Bilder gehen bei der Leitzentrale der Feuerwehr ein, die im Notfall Polizei und Rettungsdienst alarmieren kann. Auf das System wird mit einer auffälligen Beschilderung hingewiesen.

Gießen: „Unterführung ist seit Jahren ein Schandfleck“

»Die Unterführung ist schon seit vielen Jahren ein Schandfleck in Gießen. Sie ist eng, dreckig, schlecht ausgeleuchtet, nicht barrierefrei und stellt aufgrund der Gesamtsituation ein Sicherheitsproblem dar«, begründen die Grünen ihren Vorstoß. In der Vergangenheit sei die Unterführung immer wieder Tatort von Belästigungen bis hin zu sexuellen Übergriffen geworden. Bei der Polizei ist das Umfeld der Unterführung zudem als Drogenumschlagplatz bekannt. »Diese Situation kann nicht weiter hingenommen werden«, heißt es in dem von Fraktionschef Alexander Wright unterzeichneten Antrag. Daher solle der Magistrat vom Stadtparlament aufgefordert werden, dort ein LISA-System im Rahmen der datenschutzrechtlichen Vorgaben einzurichten und zu betreiben. Mittelfristig müsse es hier aber auch baulich zu einer Verbesserung der Situation kommen.

Die Stadt Marburg hatte sich 2018 zur Installierung der bundesweit ersten LISA-Anlage entschlossen, nachdem es in dem 80 Meter langen »Jägertunnel« wiederholt zu sexuellen Übergriffen auf Frauen gekommen war. Im vergangenen Jahr kam eine Evaluierung der Marburger Uni zum Ergebnis, dass sich zwei Drittel aller Passanten dank LISA sicherer fühlten, vor allem durch die Möglichkeit, eine Sprechverbindung direkt zur Feuerwehr herstellen zu können.

Gießener Grüne: „Thema brennt uns unter den Nägeln“

Diese Sprechverbindung sieht der Antrag der Grünen bislang nicht vor, weil die datenschutzrechtliche Hürde dafür womöglich doch zu hoch sei, erklärte Fraktionschef Wright am Freitag gegenüber der GAZ. Er verwies auf einen erneuten Übergriff auf eine 21-Jährige vor wenigen Tagen: »Das Thema brennt uns unter den Nägeln.« (mö)

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