Dr. Rolf-Helmut Odenthal (l.) und Prof. Eduard Alter präsentieren die Liebig-Büste
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Dr. Rolf-Helmut Odenthal (l.) und Prof. Eduard Alter präsentieren die Liebig-Büste

Justus Liebig

Liebig-Büste kommt zurück in die Heimat

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Diese Büste von Justus Liebig ist weit gereist. Nach Stationen in Frankreich, den USA und Belgien kehrt sie nun nach Gießen zurück.

Gießen – Es war an einem Abend wohl im Jahr 1970, als der damalige Chemie-Student Rolf-Helmut Odenthal auf dem Dachboden seines ehemaligen Landgraf-Ludwig-Gymnasiums in der Südanlage eine Entdeckung machte. Das Gebäude wurde seinerzeit von der Universität als Institut für Anorganische und Analytische Chemie genutzt und Odenthal musste in Vorbereitung auf seine Doktorarbeit dort während der Laborarbeiten einige Wartezeit überbrücken. Bei einem Rundgang durch das Haus erblickte er eines Abends auf dem Speicher eine Büste des berühmten Chemikers Justus Liebig. Und weil das gute Stück aus Gips seiner Einschätzung nach wohl eher ideellen denn monetären Wert hatte und zudem mit etlichen Spinnweben überzogen war, beschloss der junge Mann, dass niemand mehr daran Interesse habe - ganz im Gegensatz zu ihm, dem jungen Naturwissenschaftler und Liebig-Bewunderer. Er nahm die Büste an sich.

Liebig-Büste in Gießen: Von Frankreich über die USA bis nach Belgien

Liebigs Kopf mit Oberkörperanschnitt hielt Dr. Rolf-Helmut Odenthal in den folgenden Jahrzehnten stets in Ehren. Die Büste hatte der gebürtige Gießener im Gepäck, als er als Jungvermählter nach der Promotion mit seiner Frau zunächst sein Fernweh stillte und eineinhalb Jahre in Bordeaux lebte. Sie war im Umzugscontainer, als es die Familie nach einem kurzen Zwischenstopp in Gießen in die USA zog, wo Odenthal die ersten rund zehn Jahre seines Arbeitslebens für das Unternehmen Bayer im Einsatz war, und sie begleitete ihn nach dem viel zu frühen Tod seiner Frau in das belgische Brügge, wo seine Tochter aufwuchs und wo er noch heute ein Appartement hat. »Dort, neben meinem Schreibtisch, stand die Büste bisher«, berichtet der Mittsiebziger beim Ortstermin im Gießener Liebigmuseum, dem er die Büste nun eigenhändig übergeben hat.

Prof. Eduard Alter, der Vorsitzende der Liebig-Gesellschaft ist, hatte seinen ehemaligen Studienkollegen vor einigen Jahren bei einem Wiedersehen auf die Idee gebracht und ist nun überglücklich, dass das schöne Stück ab sofort im Museum ein treffliches Abbild des Chemikers darstellt - wesentlich kunstvoller gearbeitet als jene Kopie, die dort seit vielen Jahren im Nebenraum aufgestellt ist.

Odenthal hat nicht nur vor vielen Jahren in einem ehemaligen Gießener Geschäft für Kunsthandwerk in der Plockstraße den tönernen Sockel für die Büste erstanden und eigens farblich anpassen lassen, sondern auch zur Geschichte seines Liebig-Kopfes recherchiert. Die Büste besteht aus Gips, der mit bronzefarbenem Lack überzogen ist. Hellere Partien an den vorstehenden Elementen verstärken den plastischen Eindruck und lassen die Büste wie eine echte Bronzearbeit wirken.

Liebig-Büste in Gießen: Signatur von Michael Wagmüller

An der Seite findet man den Schriftzug »Wagmüller« als Hinweis auf den Namen des Künstlers, der den Gipsabguss angefertigt hat. Es muss sich um den Bildhauer Michael Wagmüller (1839 bis 1881) handeln, der in den letzten Jahren seines Lebens vor allem mit Arbeiten für König Ludwigs II. Schlösser Linderhof und Herrenchiemsee bekannt geworden ist. Er hat aber auch das 1883 eingeweihte marmorne Liebig-Denkmal am Münchener Maximiliansplatz entworfen (vollendet wurde es von seinem Schüler Wilhelm von Rümann) und auch die Liebig-Büste auf dem Grab des Chemikers auf dem Münchener Südfriedhof gestaltet.

Letztere scheint die Vorlage jener Gipsfigur zu sein, die künftig im Liebig-Museum zu sehen sein wird - und das wohl nur, weil vor Jahrzehnten ein junger Student seine Neugierde nicht zügeln konnte und in den folgenden Jahren seinen »Schatz« mit Behutsamkeit und Wertschätzung behandelt hat.

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