Auf dem Streifen zwischen Autobahn (hinten) und Fasanenweg (vorne) sollen bis ins nächste Jahrzehnt hinein mehrgeschossige Wohngebäude und Gewerbenutzungen entstehen. Der leer stehende frühere Fressnapf im Vordergrund soll einem Gebäude mit Gastronomie und Wohnungen weichen.	FOTO: MÖ
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Auf dem Streifen zwischen Autobahn (hinten) und Fasanenweg (vorne) sollen bis ins nächste Jahrzehnt hinein mehrgeschossige Wohngebäude und Gewerbenutzungen entstehen. Der leer stehende frühere Fressnapf im Vordergrund soll einem Gebäude mit Gastronomie und Wohnungen weichen.

Neues Gesicht

Gießen: Paukenschlag an der Licher Straße – Areal soll sich komplett wandeln

  • Burkhard Möller
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Die Gerüchte gab es seit Jahren, nun ist ein weiteres Gießener Großprojekt öffentlich geworden. Auf der Nordseite der oberen Licher Straße ist zwischen Fasanenweg und Gießener Ring bis ins kommende Jahrzehnt hinein eine große bauliche Neuordnung geplant Beginnen soll sie mit einem Gastronomie-Objekt.

Gießen - Zehn mehrgeschossige Gebäude, ein Gastronomie-Pavillon, davor ein großzügiger Platz, breite Wege und Grünflächen. Auf der Computeranimation, die im vergangenen Jahr im Internetangebot eines Gießener Architekturbüros zu sehen war, war die obere Licher Straße zwischen Fasanenweg und der Autobahn kaum wiederzuerkennen.

Mittlerweile ist die Projektion mit der schicken großstädtischen Bebauung auf der Nordseite der Licher Straße im Instagram-Account des namhaften Planerbüros nicht mehr zu sehen. Gleichwohl ist die deutliche Gesichtsveränderung für den südöstlichen Gießener Stadteingang seit Dienstag kein Geheimnis mehr. Der Magistrat hat die Aufstellung eines Bebauungsplans für den einen Hektar großen Streifen an der Ausfallstraße beschlossen. »Wir wollen hier eine bessere Stadteingangssituation entwickeln. Die gegenwärtige Nutzung ist etwas unterwertig«, sagte Bau- und Planungsdezernent Peter Neidel in der Pressekonferenz des Magistrats am Dienstag.

Licher Straße in Gießen: Gastronomie geht schneller

Im Moment werden die Flächen, die eine heimische Investorenfamilie erworben hat, noch von einer Tankstelle, einer Autovermietung, einem Kfz-Zubehörbetrieb und einem Geschäft für E-Zigaretten genutzt. Diese Pächter werden wohl auch noch länger dort bleiben, denn laut Magistratsvorlage gibt es bestehende Mietverträge mit einer Restdauer von bis zu zehn Jahren. Das heißt, dass sich die eigentliche bauliche Neuordnung bis ins nächste Jahrzehnt hinziehen könnte. Anders sieht es für die Fläche an der Ecke Fasanenweg/Licher Straße aus, wo der frühere Fressnapf-Markt schon seit Jahren leersteht, unterbrochen von Zwischennutzungen durch einen Lagerverkauf. Hier planen die Investoren, die sich zu einem späteren Zeitpunkt zu ihrem Vorhaben äußern wollen, laut Bürgermeister eine »Systemgastronomie« mit Außenbewirtschaftung im Erdgeschoss und Wohnungen in den Geschossen darüber. Baurechtlich hält die Stadt für diesen Teilbereich ein einfaches Baugenehmigungsverfahren für möglich. Dieses Projekt wäre laut Planungsamt mithin »kurzfristig realisierbar«.

Der große Rest des Plangebiets soll mit dem Plan »Licher Straße/Fasanenweg« überzogen werden, der eine gemischte Nutzung aus Wohnungen und Gewerbe vorsieht. Zur Vorbereitung des Aufstellungsbeschlusses hatte der Magistrat eine Testplanung beauftragt, später soll alles in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Investoren fixiert werden.

Licher Straße in Gießen: Spielhallen sind nicht erlaubt

Stand jetzt hält die Stadt den Bau von insgesamt rund 100 Wohnungen, davon knapp ein Fünftel im sozialen Wohnungsbau, für denkbar. Etwa zwei Drittel der Bruttogeschossfläche soll der Nutzung Wohnen dienen, ein Drittel Gewerbe und Dienstleistern. Die Gebäudehöhen staffeln sich über drei bis fünf Geschosse plus Staffelgeschoss. Ladenflächen dürfen die Größe von 200 Quadratmeter nicht überschreiten, unzulässig sind Vergnügungsstätten wie Spielhallen.

Ein große Herausforderung ist der Autolärm, der auf das Gebiet vom Gießener Ring und der an dieser Stelle vierspurigen Licher Straße einwirkt. Daher werden die gewerblichen Nutzungen an der Licher Straße bzw. dem Fasanenweg untergebracht.

Über die Straße, die ins Anneröder Viertel führt, soll künftig auch die Hauptzufahrt in das neue Wohngebiet führen. Eine Erschließung von der Licher Straße aus - eine Zufahrt stadteinwärts zur Tankstelle und den anderen Unternehmen gibt es gegenwärtig - hat Hessen Mobil laut Stadt verworfen. Die Stellplätze für die Wohnungen sollen vorrangig in einer Tiefgarage untergebracht werden, für die Gastronomie und die Sozialwohnungen sind ebenerdige Parkplätze vorgesehen. (Burkhard Möller)

Auch im Westen der Innenstadt, genauer auf dem Samen-Hahn-Gelände, werfen große Neubau-Projekte ihre Schatten voraus.

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