Laubbläser und die umweltfreundliche Besen-Alternative im Zusammenspiel.
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Laubbläser und die umweltfreundliche Besen-Alternative im Zusammenspiel.

Laut und dreckig

Laubbläser in Gießen sorgen für Diskussionen - Kommen sie nun auf die Streichliste?

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Wenn der Magistrat im Herbst darlegen wird, wie die Stadt Gießen ihr neues Klimaziel erreichen will, könnten die Laubbläser auf einer Streichliste landen. Denn die laufen meist mit Benzin.

Gießen - Wenn Wind und erste Fröste die Bäume im Herbst entlauben, sind die Männer und Frauen vom Garten- und Stadtreinigungsamt sowie die Hausmeister in den Schulen im Dauereinsatz. Jeden Tag bergen sie rund 100 Kubikmeter Laub in den Straßen und Gießener Grünanlagen. Zum scheinbar unverzichtbaren Hilfsmittel bei dieser Arbeit gehören seit vielen Jahren die Laubbläser. Die Pusterohre, vor allem, wenn sie mit Benzin als Kraftstoff betrieben werden, geraten aber zunehmend ins Visier von Umweltverbänden wie dem Nabu und Bund sowie Umweltbehörden. In Bayern haben sich die Grünen unlängst bei der Staatsregierung sogar für ein bundesweites Verbot der Geräte eingesetzt.

Laubbläser in Gießen: Von 88 geräten nur 14 mit Akku

So gesehen müssen die Zahlen in einem Bericht, den der Gießener Magistrat noch vor der Sommerpause auf Anfrage der AfD-Fraktionsvorsitzenden Sandra Weegels veröffentlicht hat, kritisch gesehen werden. Von den insgesamt 91 Geräten, davon 88 Laubbläser und drei -sammler, werden 77 mit Benzin und 14 mit Akku betrieben. Die umweltfreundlicheren Elektrogeräte würden »im Rahmen der laufenden Ersatzbeschaffungen« angeschafft, führte die für Garten-, Reinigungs- und Umweltamt zuständige Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) aus.

Geht es nach dem Umweltbundesamt, würden die benzingetriebenen Geräte schneller ausgemustert. »Einige Eigenbetriebe zur Stadtreinigung, beispielsweise in Hamburg, München oder Stuttgart haben bereits viele benzinbetriebene Laubbläser durch akkubetriebene Geräte ersetzt. Die Erfahrung zeigt, dass diese nicht nur erheblich leichter, leiser und emissionsärmer sind als Varianten mit Benzinmotor, sondern im Laufe der Nutzung auch niedrigere laufende Kosten verursachen«, heißt es auf der Homepage der Behörde.

Laubbläser in Gießen: Benziner mit rund 100 Dezibel

Auch klimapolitisch macht das Sinn, denn der Ausstoß an Kohlendioxid ist nicht unerheblich. Je nach Leistungsstärke und Alter stoßen die Geräte zwischen 700 und 1000 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde aus, erklärte Weigel-Greilich. Hinzu kommt neben der schädigenden Wirkung auf Kleinstlebewesen der enorme Lärm, den die Laubbläser verursachen. Mit durchschnittlich 100 Dezibel wird er in dem Bericht angegeben, bei Akkubläsern seien es zehn DB weniger. Zur Feinstaubbelastung gibt es laut Magistrat bislang keine gesicherten Erkenntnisse, aber Luftkeimmessungen, die das Umweltbundesamt bereits vor 20 Jahren durchgeführt habe, legten den präventiven Schluss nahe, dass zumindest das Bedienungspersonal Mundschutz tragen sollte. Die Verwendung von benzol-, aromaten- und schwefelarmen »Sonderkraftstoffen« sollen das Personal zusätzlich schützen.

Laubbläser in Gießen: Besen und Rechen als Alternative

Auf die Frage von Weegels, welche umweltfreundlichen Alternativen es zu den Laubsaugern gäbe, antwortete Weigel-Greilich: »Die Reinigung mit dem Besen bzw. die Laubsammlung mit Rechen.«

In Gießen werden die Geräte vom Gartenamt, dem Schulverwaltungsamt und dem Reinigungsamt eingesetzt, die meisten (44) vom Gartenamt. 32 kommen in den städtischen Schulen zum Einsatz, um die Schulhöfe im Herbst von den Laubmassen zu befreien. Hilfreich sind die Geräte vor allem, um Laub aus unzugänglichen Ecken, zum Beispiel unter geparkten Autos, zu pusten. Ob der Magistrat zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2035 den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Arbeit mit dem Besen zumutet, bleibt abzuwarten. Unentbehrlich ist er immerhin dann geblieben, wenn das Laub nass ist und die Motorkraft der Pusterohre nicht ausreicht.

Was umweltfreundlichere technische Standards für die Laubbläser betrifft, wird so schnell nichts passieren. Mit einer entsprechenden EU-Verordnung rechnet das Umweltbundesamt nicht vor dem Jahr 2025.

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