Die Impfstelle ist schon mit einem Pflaster versehen. Die Ärztin zeigt noch einmal die extradünne Nadel, die für Patienten geeignet ist, die Blutverdünner nehmen. 	FOTO: CG
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Die Impfstelle ist schon mit einem Pflaster versehen. Die Ärztin zeigt noch einmal die extradünne Nadel, die für Patienten geeignet ist, die Blutverdünner nehmen.

Landkreis Gießen

Impfzentrum im Kreis Gießen: So erlebte eine 82-Jährige den Impf-Parcours in Heuchelheim

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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495 Menschen über 80 Jahre wurden am Dienstag geimpft. Einer davon ist Rosi Schäfer. Der Piks in den Oberarm war kein Problem, dennoch war die Prozedur im Impfzentrum aufregend. Denn im umgewandelten Möbelhaus ist vom Empfang bis zum Checkout ein ungewohnter Parcours zu durchlaufen.

  • Rosi Schäfer (82) war eine der ersten Impflinge, die am Dienstag im Heuchelheim geimpft wurden.
  • Das Impfzentrum des Landkreises Gießen war am Dienstag (19.01.2021) eröffnet worden.
  • Aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen ist Schäfer eine Risikopatientin.

Heuchelheim – Anmeldung, Versichertenkärtchen, Bescheinigung vom Hausarzt, alles da. Aus Rosi Schäfer wird nun für eineinhalb Stunden ein Impfling. Das Schild klebt sie auf ihren Mantel, auch die Begleitperson bekommt einen Aufkleber. Dann geht’s los Richtung Impfstraße. Ein Aufzug bringt die Seniorin samt Rollator in den ersten Stock, dort bekommt sie bei der Aufnahme ein weiteres Formular zu den bereits vorhandenen. »Wegen des Datenschutzes«, sagt die Helferin hinter ihrer Trennwand. Sie prüft die Dokumente, macht auf eine fehlende Unterschrift aufmerksam und leitet den Impfling samt Begleitung weiter Richtung Aufklärung. Die Wartezeit wird genutzt, um den Bogen auszufüllen.

Das Arztgespräch dauert nicht lang, der junge Mediziner fragt, ob Rosi Schäfer sich wirklich impfen lassen wolle. Ja, sie will. Sie verbindet damit die Hoffnung auf ein normales Leben - später, wenn alle in der Familie dran waren.

Impfzentrum Heuchelheim: Kommunikation mit älteren Impflingen schwierig

Da sie Rechtshänderin ist, soll auf der linken Seite geimpft werden, das vermerkt der Arzt mit einem Kreuz. »Falls der Arm doch ein bisschen wehtut, ist das besser«, sagt er. Zur Sicherheit fragt die Seniorin, ob er auch notiert habe, dass sie Blutverdünner nehme und daher auf eine dünne Spritze geachtet werden müsse. Der Arzt beruhigt. »Natürlich. Das wird gar kein Problem sein.«

Er spricht sehr laut und artikuliert deutlich - das fällt auch bei den anderen Helfern auf, sie kalkulieren eine Schwerhörigkeit bei ihrer über 80-jährigen Klientel offenbar mit ein. Das nützt aber nicht immer etwas. Insbesondere dort, wo schützende Kunststofftrennwände aufgebaut wurden, ist die Kommunikation schwierig. »Ich verstehe kein Wort«, sagt Rosi Schäfer mehrmals - es ist trotz des Hörgeräts kaum möglich, alles mitzubekommen. Durch die Masken wird dieses Problem noch verschärft.

Impfzentrum Heuchelheim: Dünne Nadel für Senioren die Blutverdünner nehmen

Beim Impfen selbst klappt die Verständigung gut. Die Ärztin zeigt die dünne Spritze, die sie in Rosi Schäfers Oberarm sticht. Ein Piks, fest drücken, fertig. Viele der Senioren nehmen blutverdünnende Medikamente, die Impfteams sind darauf vorbereitet. Die dünnen Spritzen verhindern, dass es zu Einblutungen kommt. »Man muss gar nicht lang drücken, aber es schadet auch nicht«, sagt die Medizinerin. Wenn überhaupt, dann hat die 82-Jährige sich darüber Sorgen gemacht. Doch schon ihre Hausärztin hatte sie beruhigt. Vor dem Impftermin hatte sie ihre Patientin noch einmal untersucht und schließlich grünes Licht gegeben.

Die Seniorin ist froh darüber, dass die Impfungen nun begonnen haben, denn sie gehört nicht nur wegen ihres Alters, sondern auch aufgrund ihrer Vorerkrankung zu den Risikopatienten. Rosi Schäfer leidet seit zwölf Jahren unter Lungenhochdruck, dank eines neuen Medikamentes geht es ihr jedoch recht gut. Alle sechs Monate wird sie in der Uniklinik gründlich untersucht. Sie hat sich mit ihrer Erkrankung und auch mit ihren Herzrhythmusstörungen arrangiert, aber sie weiß auch, dass sie auf sich aufpassen muss.

Impfzentrum Heuchelheim: Nicht so voll wie erwartet

»Wir sind sehr vorsichtig, wir halten uns streng an alle Regeln«, sagt sie. Ihr Mann Karl-Heinz ist vier Jahre älter als sie, er war im letzten Sommer sehr krank, auch vor diesem Hintergrund schränken sie die Kontakte zu den Söhnen und Enkeln ein, auch wenn es wehtut. Familienfeiern so wie früher kommen derzeit nicht infrage. Und weil das schon schwer genug ist, hat das Ehepaar sich versprochen, einander nicht mehr allein zu lassen. Sie waren im vergangenen Jahr wegen des Klinikaufenthaltes mehrere Wochen getrennt. »Das war eine schwere Zeit«, sagt Rosi Schäfer. Auch zum Impfen wollten sie gemeinsam fahren, aber daraus wurde nichts, Karl-Heinz Schäfer hat seinen ersten Termin erst Ende Januar.

Nach der Impfung folgen 15 bis 30 Minuten Beobachtungszeit. In dem Raum sind in großen Abständen paarweise Stühle aufgestellt. Zum wiederholten Mal stellen Impfling und Begleitperson fest: wie angenehm, dass es in dem zweckentfremdeten Möbelhaus noch nicht so voll ist. Beim zweiten Impftermin am 17. Februar wird es hier vermutlich anders aussehen. Rosi geht es gut, nichts brennt oder schmerzt, der Kreislauf ist stabil. Höchste Zeit, dem besorgten Ehemann zu Hause eine Nachricht zu senden. Er wartet schon darauf.

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