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Der kleine Lebensmittelladen am Wartweg ist Geschichte. Für viele Anwohner ist das eine traurige Entwicklung.

Laden ist Geschichte

Schließung in Gießen: Eine Ära endet nach über 20 Jahren

  • VonBarbara Czernek
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Nach 22 Jahren schließt ein beliebter Laden in Gießen. Im Viertel war er ein wichtiger Anlaufpunkt. Die Zukunft der Immobilie ist unklar.

Gießen - Der »Minimarkt« an der Ecke Wartweg/Aulweg gehört irgendwie zum Südviertel. Seit Beginn des Baus der Häuser in den 1950er Jahren gibt es dort ein kleines Lebensmittelgeschäft. Doch seit wenigen Tagen ist der Laden leer. Besitzer Tomas Agirman hat gerade die letzten Sachen ausgeräumt und das Geschäft zugesperrt. Eine großes selbstgemaltes Plakat sagte dem Besitzer Danke für mehr als 22 Jahre in dem Viertel.

Generationen von Schülern der Ludwig-Uhland-Schule haben sich in dem Laden früher eine Pausenverpflegung geholt, falls das Schulbrot vergessen wurde oder es nicht geschmeckt hat. »In der 1960er Jahren konnte man noch zwischen den beiden Barracken an der Schule zur Kreuzung kommen. Dann lief man schnell rüber und kaufte ein Brötchen bei Frau Wallbott«, erinnert sich eine Anwohnerin Heute ist dieser nie ganz legale Weg für die Schüler schon lange verschlossen, das hielt sie bis zuletzt jedoch nicht davon ab, sich vor oder nach der Schule im »Minimarkt« einzukaufen. Wenn man schnell noch ein Heft, einen Bleistift oder eine Grußkarte samt Briefmarkte brauchte - auch das gab es dort zu kaufen.

Gießen: »Minimarkt« an der Ecke Wartweg/Aulweg geschlossen

Auch die Angehörigen der umliegenden Institute haben sich gerne dort versorgt, vom Gemüse bis zu den unerlässlichen Süßigkeiten. Gerade für die vielen älteren Menschen in diesem Viertel war der Laden ein Anlaufpunkt: Das Geschäft war gut erreichbar, auch mit dem Rollator, und man konnte sich mit den Dinge des täglichen Bedarfs gut versorgen. Wem dies zu beschwerlich war, der konnte auf den Service der Agirmans zurückgreifen und sich die Einkäufe liefern lassen.

Dafür waren dem Betreiber gerade im vergangenen Corona-Jahr viele Menschen dankbar. Er war für die Bewohner im Viertel da, immer freundlich, hilfsbereit, aber stets zurückhaltend. Vor einigen Jahren hatte er etwas umgebaut und noch eine kleine Poststation betrieben, die einzige in der Gegend.

Gießen: Betrieb von »Minimarkt« lohnte sich nicht mehr

Dennoch habe sich jetzt der Betrieb des Ladens nicht mehr gelohnt. Die Umsatzeinbußen durch Corona seien einfach zu groß gewesen, sagt der Besitzer. Zwar hatte der Laden eine Stammkundschaft aus der umliegenden Nachbarschaft, doch es fehlten die Studierenden und Mitarbeiter der Universität. Denn das Lädchen, wie der kleine Markt von vielen liebevoll genannt wurde, war auf dieses Kunden angewiesen.

Der Laden ist nun verkauft. Noch sei unklar, welche Art von Geschäft dort demnächst einziehen wird, hieß es. Für viele Anwohner bleibt die Hoffnung, dass es wieder ein kleines Lädchen sein wird. Denn für viele ist der Weg zu den nächsten größeren Supermärkten in der Frankfurter Straße oder im Schiffenberger Weg sehr weit.

Derweil wurde nach fünf Jahren auch das Aus einer Einrichtung am Bahnhof in Gießen bekannt.

Transparenzhinweis: Dieser Text erschien zum ersten Mal am 3. Oktober 2021.

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