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Das Häuschen für den Info-Punkt an der Kongresshalle soll abgerissen werden.

Bürgerversammlung

Kongresshalle in Gießen wird umgebaut

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Wer gedacht hat, die Gießener Kongresshalle werde demnächst komplett auf links gedreht, irrt: Eher das Gegenteil ist der Fall..

Gießen - Gießener zu sein bedeutet manchmal, gleichmütig städtebauliche Hässlichkeit hinzunehmen. Gießener zu sein bedeutet aber auch, mitunter im Kleinen und Unscheinbaren etwas Besonderes sehen zu können - und dafür notfalls auch stur zu streiten. Bei der Bürgerversammlung zur Sanierung der Kongresshalle an eben jenem Ort am Dienstagabend fanden die rund 40 Besucher den behutsamen Umbau des denkmalgeschützten Ensembles durchaus begrüßenswert. Aber was einigen von ihnen wirklich unter den Nägeln brannte, war die Frage, was aus dem Kiosk an der Bushaltestelle am Berliner Platz wird. Denn der muss weichen.

Dabei macht dieser erste Abschnitt bei der Sanierung der Kongresshalle nur einen geringen Teil des Umbaus aus: Die Kosten für diese erste Phase belaufen sich auf eine Million Euro - von insgesamt grob geschätzt 13 Millionen Euro. Nach den Plänen soll im Mai 2020 der Vorbau der seit sechs Jahren leerstehenden Gastronomie abgerissen werden. An den Kragen geht es auch der Sichtschutzwand mit dem integrierten Kiosk. Hintergrund sei die "untragbare Situation" des Anlieferverkehrs bei den etwa 20 Großveranstaltungen im Jahr, sagte der Stadthallen-Chef Sadullah Güleç. Denn dann parken die Fahrzeuge frontal vor der Halle und versperren den Bürgersteig. In Zukunft sollen Tourbusse und Lastwagen frühzeitig parallel zur Kongresshalle auf den Platz geleitet werden, um dann hinter einem neuen Sichtschutz ausladen zu können, erklärte Kristina Meurer. Ihr Planungsbüro mit Sitz in Frankfurt hatte den Architektenwettbewerb im vergangenen Jahr gewonnen.

Kongresshalle Gießen: Großes Aufräumen in den kommenden drei bis fünf Jahren

Wenn man gekonnt hätte, wie man wollte, würde der Kiosk auch noch nach den ersten Umbauarbeiten an seinem jetzigen Standort zu finden sein, machten alle Beteiligten deutlich. Denn der kleine Verkaufsstand gehört irgendwie zum Berliner Platz dazu. Betrieben wird er seit 20 Jahren von ein und derselben Familie. Im ersten Entwurf sei der Kiosk auch noch vorgesehen gewesen, sagte Güleç. Doch die Belange von Fußgängern, Busfahrern und der barrierefreie Umbau der Bushaltestelle machten einen Verbleib des Häuschens unmöglich. Vorsichtig verbreitete Güleç Optimismus. "Wir haben uns von dem Gedanken, den Kiosk zu erhalten, nicht verabschiedet." Vielleicht könne er an anderer Stelle an der Halle neu gebaut werden.

In der Kongresshalle wird es in den folgenden drei bis fünf Jahren ein großes Aufräumen geben. "Das Gebäude ist in Schuss, die Bausubstanz gut", sagte Meurer. So soll das Foyer erweitert und mit einer großen Fensterfassade aufgewertet werden. Entstehen sollen im hinteren Bereich neue Besprechungsräume, der Innenhof soll wiederbelebt werden, um mehr Veranstaltungen unter freiem Himmel anbieten zu können. Denn eines kann man der Kongresshalle nicht vorwerfen: nicht ausgelastet zu sein. 2018 kamen zu 1048 Veranstaltungen aller Art fast 120 000 Besucher.

Kongresshalle Gießen: Eine Halle, viele Nutzer

Auf Vordermann gebracht werden soll auch der Vorplatz der Kongresshalle. Der Infopunkt wird den Plänen nach abgerissen, der Platz neu gestaltet - von einem Landschaftsbauer, dessen Vater vor über 50 Jahren bei der "Geburt" der Halle an gleicher Stelle tätig war. Im Keller soll es einen behindertengerechter Zugang geben; außerdem ist die Instandsetzung der Künstlergarderobe sowie die Umnutzung der Kegelbahn vorgesehen.

Verbessert werden soll die Wegeführung der Kongresshalle, sagte Güleç. Es sei mitunter schwer, hatte ein Besucher der Bürgerversammlung betont, den Weg in bestimmte Bereiche des Gebäudeensembles zu finden. Dass die Kongresshalle so vielteilig ist, ergibt nach Aussage von Stadträtin Astrid Eibelshäuser durchaus Sinn: Im größten Bürgerhaus Hessens fänden nahezu alle Gießener Traditionsveranstaltungen statt. Es sei ein Versammlungsort für Bürger, ein Ort für kommerzielle und nicht kommerzielle, überregional kulturelle, soziale und politische Veranstaltungen sowie für Tagungen. Hinzu kommen "Kultur im Zentrum", Räume der Volkshochschule und das Literarische Zentrum. Für diese Rolle soll die Kongresshalle auch in Zukunft gewappnet sein.

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