An der Uni Marburg sind bereits Toiletten für alle Geschlechter eingerichtet. In Gießen werden sie gefordert. 
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An der Uni Marburg sind bereits Toiletten für alle Geschlechter eingerichtet. In Gießen werden sie gefordert. 

Unangenehme Folgen?

Uni Gießen: Toiletten-Revolution gefordert - JLU reagiert

Die Toilettensituation an der Uni Gießen sorgt für Diskussionen. Die Hochschule reagiert. 

  • Forderung an Uni Gießen: Öffentliche Toilette für alle Geschlechter
  • Intersexuelle müssen in WCs mit Entrüstung rechnen
  • JLU-Student: Situation verändern

Gießen - Schon von Kindesbeinen auf lernen Menschen, auf welche Toilette sie gehen müssen. Entweder auf die Toilette für Frauen oder auf die für Männer. Was für viele eine Selbstverständlichkeit ist, ist für intersexuelle Menschen jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung: Denn Betroffene können nicht eindeutig den beiden gängigen Geschlechtern zugeordnet werden, sondern besitzen sowohl weibliche als auch männliche Körpermerkmale.

Im Alltag hat der Gang zur Toilette deshalb für diese Menschen oft unangenehme Folgen, erzählt Pavlo Hrosul. Der 26-jährige Masterstudent sitzt für die Hochschulgruppe Uni Grün im Studierendenparlament und möchte die Situation verbessern. In einem Antrag fordert er "Toiletten für alle" auf dem Gelände der Justus-Liebig-Universität.

Uni Gießen: Schiefe Blicke für Intersexuelle auf Toiletten

Eine intersexuelle Frau werde beispielsweise nicht als solche erkannt und ernte auf Toiletten meist schiefe Blicke oder empörte Nachfragen, ob sie sich verlaufen habe. Nicht selten würden intersexuelle Menschen gar aus der Toilette "geschmissen". Viele würden aus Angst öffentliche WCs ganz meiden.

Zusammen mit dem Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) hat Hrosul deswegen eine konkrete Forderung an die Uni und an das Studentenwerk gestellt. Darin fordern die Studierenden eine "inklusivere und diskriminierungsfreiere" Universität.

Auf die Frage, wie die Maßnahme baulich umgesetzt werden soll, hat Hrosul konkrete Antworten. "Die billigste Variante wären Trennwände in den bereits existierenden Toiletten. Oder die Behinderten-WCs als all-gender-Toiletten umzubenennen." Im besten Fall könnten in den geplanten Neubauten, neben den üblichen WCs, neue Unisex-Toiletten entstehen. Ein gutes Beispiel dafür sei die Uni in Marburg. Nach einer studentischen Initiative wurden dort bereits im November 2019 mehrere Toiletten für beide Geschlechter eingeführt.

Uni Gießen: Positives Telefonat über Toiletten-Situation mit JLU-Präsident

Für Hrosul hinkt Gießen beim Thema "Toiletten für alle" hinterher. Dabei seien sie an anderen Stellen längst üblich. "Im Flugzeug oder im Zug machen wir uns keine Gedanken darüber, dass die Toilette von beiden Geschlechtern genutzt werden." Er erhofft sich mit dem Antrag vor allem Aufmerksamkeit zu schaffen. "Viele intersexuelle Menschen haben sich nicht eindeutig für ein Geschlecht entschieden. Die Uni sollte sie nicht dazu zwingen."

Auf Anfrage der GAZ äußert sich die Uni zurückhaltend. Die Forderung sei zwar bekannt, man werde sich aber erst "zu gegebener Zeit" damit beschäftigen. Derzeit habe der Cyber-Angriff Priorität. Vergangene Woche fand dennoch ein Telefonat zwischen AStA und Uni-Präsident Joybrato Mukherjee statt. Hrosul zufolge verlief das Gespräch positiv. Er wolle jetzt den nächsten Schritt gehen und im Senat einen Antrag stellen.

bf

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