An dieser Stelle könnte eine stehende Welle Surfer an die Lahn locken.
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An dieser Stelle könnte eine stehende Welle Surfer an die Lahn locken.

Lahn

Surfen auf der Lahn in Gießen? Chancen für stehende Welle steigen

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Dass in ein paar Jahren auf der Lahn in Gießen gesurft wird, ist keine abwegige Fantasie. Eine Machbarkeitsstudie sieht Chancen für eine stehende Welle am Wehr bei den Stadtwerken.

Gießen – Paul Janne Schmidt fragt immer wieder nach dieser einen Sache. Ob das, was Prof. Markus Aufleger von der Universität Innsbruck gerade in seiner Machbarkeitsstudie im Rathaus vorgestellt hat, bedeute, dass Gießen bei einem erfolgreichen Abschluss des Projekts ein Alleinstellungsmerkmal hätte. Der in der Pressekonferenz zugeschaltete Wasserbauexperte nickt. Ja, eine stehende Welle sei am Stadtwerke-Wehr möglich - und damit das Surfen auf der Lahn. Außerdem könnte mittels Wasserkraft Energie erzeugt werden. Das, betont Aufleger am Montagmittag, sei seines Wissens einmalig. Am Ende sagt Schmidt, halb ungläubig, halb euphorisiert: »Das könnte ein weltweites Referenzprojekt werden.«

Stehende Welle in Gießen: Herausforderungen und Optionen

Im Dezember war Schmidt zusammen mit seinen Mitstreitern Holger Klass, Daniel Sticher und Jan Ole Eilers auf Bürgermeister Peter Neidel zugekommen. Warum sollte eine stehende Welle, wie es sie zum Beispiel am Eisbach in München gibt, nicht auch auf der Lahn in Gießen möglich sein? Neidel, der auch Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Gießen Marketing GmbH ist, war nach eigenen Angaben von dieser Idee begeistert. »In Vorgesprächen mit Behörden haben wir dann erfahren: Abwegig ist diese Idee nicht«, sagt er. Im März gab er grünes Licht für eine Machbarkeitsstudie.

Der Wasserbau-Fachmann Aufleger hat nun das Zwischenergebnis dieser Studie präsentiert; im Oktober soll das Endergebnis vorliegen. Demnach sei die Lahn in Gießen »gut geeignet für eine stehende Welle« ohne Turbinenantrieb. Die Grundvoraussetzungen seien mit dem Betonwehr sowie mit einem guten Wasserabfluss gegeben. Möglich sei eine elf Meter breite Welle, die je nach Schwierigkeitsgrad angepasst werden könnte. Aufleger nennt aber auch drei Herausforderungen: Zum einen gebe es in dem Wehr einen Hohlraum mit Leitungen. Damit sei das Wehr nicht veränderbar. Hinzu komme, dass die Fallhöhe zwischen Ober- und Unterwasserspiegel am Wehr mit rund zwei Metern zu hoch sei. Weil die Lahn an dieser Stelle etwa 13 Meter breit sei, müsse außerdem der Wasserabfluss »sinnvoll« konzipiert werden.

Stehende Welle in Gießen: Investition für mehrere Jahrzehnte

Aufleger schlägt ein »robustes, einfaches Konzept« für die Lahnwelle am Stadtwerke-Wehr vor. Möglich sei der Einbau einer mechanischen Wellenanlage auf Höhe des Bootsausstiegs - mit oder ohne zusätzlichen Wasserkraftturbinen. Die Surfanlage, sagt er, könne während der Betriebszeit von acht Stunden hochgefahren werden. Werde sie wieder heruntergefahren, könnte in den übrigen 16 Stunden Energie erzeugt werden. Sollte sich die Stadt für die Variante entscheiden, die ganzjährig Wassersport und Energiegewinnung kombiniert, müsste ein Hauptaugenmerk auf den Fischschutz gelegt werden.

Info: Gießen statt Porto

Ein Grund, warum das Team der Lahnwelle für eine stehende Welle auf der Lahn kämpft, ist ein ökologischer: Mit dem Flugzeug verbrauche ein Surftrip von Frankfurt nach Porto über eine halbe Tonne CO2. Zum Surfen auf der Lahn, könne man mit Zug oder Rad fahren.

Und sie müsste die Kosten kennen. Denn die werden erst im Oktober in der Endversion der Machbarkeitsstudie genannt. Auf Nachfrage von Neidel versucht Aufleger immerhin einen Rahmen zu nennen: Es handele sich um eine »signifikante Investition«, die sicherlich höher sei als 200 000 Euro. Zum Vergleich: Die in Nürnberg gerade fertiggestellte stehende Welle hat 2 Millionen Euro, die im Bau befindliche Welle in Hannover etwa 1 Millionen Euro gekostet. Und eine Kombi-Lösung mit Energiegewinnung würde doppelt so teuer werden wie eine reine Wellenanlage. Aufleger betont aber: Dies sei eine Investition für mehrere Jahrzehnte - was Neidel zu der augenzwinkernden Bemerkung hinreißen lässt, dass sich die Größenordnung auf dem Niveau des einjährigen Verkehrsversuch auf dem Anlagenring bewege.

Sobald die Kosten bekannt sind, kann das Projekt in den städtischen Gremien diskutiert werden. Für den Wassersportler Schmidt ist das Zwischenergebnis bereits ein Erfolg. »Das klingt ermutigend«, sagt er. »Ich hatte ausgeschlossen, dass wir jemals auf der Lahn surfen können.«

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