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"Köhler" in der Gießener Innenstadt bricht mit einer Tradition. 

Seltersweg

Gießen: Bei "Köhler" stehen deutliche Veränderungen auch - Auch "Herrengut" betroffen

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Seit 95 Jahren vertreibt Köhler in Gießen Mode ausschließlich für Männer. Das wird sich ändern. Und das ist nicht die einzige Neuerung.

Ludwig Vordemfelde wirkt tiefenentspannt. Das liegt nicht nur an einem längeren Urlaub, den der Geschäftsführer und Inhaber von "Köhler Männermode" im Seltersweg gerade erlebt hat. "Ich bin sehr zufrieden, wie sich jetzt alles fügt", sagt Vordemfelde und blickt dabei zu seiner Tochter Paula. Die 23-Jährige wird als Geschäftsführerin in das Unternehmen einsteigen - und gleich für eine einschneidende Veränderung zuständig sein.

Seit 95 Jahren steht Köhler in Gießen ausschließlich für Männermode. Ab September aber wird das Traditionshaus auf 600 Quadratmetern im Erd- sowie im Untergeschoss eine große Damenabteilung eröffnen. "Wir fanden, es war an der Zeit", sagt Ludwig Vordemfelde - und nennt den ausschlaggebenden Punkt: "Mit der Schließung von Peek & Cloppenburg im vergangenen Jahr ist unser Mitspieler in Sachen Damenmode weggefallen. Wir wurden seither immer wieder darauf angesprochen, ob wir diese Lücke nicht schließen wollen. Das machen wir jetzt."

"Köhler" in Gießen: Bald auch Damenmode

Ludwig Vordemfelde gibt zu, dass Köhler von der Schließung von P&C härter getroffen wurde, als er zunächst vermutet hatte. "Ich dachte, es wird schon gutgehen, ist es aber nicht", sagt er. Bereits im Herbstgeschäft habe Köhler gespürt, dass die Kundenfrequenz rückläufig sei. Unter der Schließung von P&C leide die ganze Stadt - vor allem samstags. "Wir haben am Samstag seitdem etwa 10 bis 15 Prozent Umsatzeinbußen", sagt Ludwig Vordemfelde. "Viele Frauen fahren zum Einkaufen jetzt in eine andere Stadt, und sie nehmen ihre Männer mit. Dann sind sie für uns weg", gibt er zu bedenken. Die Zukunft der weiterhin leerstehenden P&C-Immobilie im Seltersweg ist offen.

Die Sortimentserweiterung geht bei Köhler mit einem umfangreichen Umbau einher. Der Eingangsbereich am Seltersweg wird sich genauso verändern wie die einzelnen Geschosse. Das Untergeschoss, in dem momentan noch das "Herrengut" (siehe Kasten) untergebracht ist, soll in Zukunft zudem durch einen Glasaufzug erreichbar sein.

Obwohl das Erdgeschoss nach dem Umbau den Damen vorbehalten bleibt, verspricht Ludwig Vordemfelde seinen männlichen Kunden: "Für Sie ändert sich nichts!". Die Auswahl an Business- und Freizeitoutfits sowie festlicher Kleidung bleibe in vollem Umfang erhalten. "Man benötigt für Kleidung heute nicht mehr die großen Flächen." Für den Damen-Standort im Erdgeschoss habe Köhler sich bewusst entschieden. "Dass wir Herrenbekleidung können, wissen die Gießener. Jetzt wollen wir zeigen, dass wir auch Damen können."

Seine Tochter Paula, die bei "Köhler" sozusagen aufgewachsen ist und schon als junges Mädchen hinter der Kasse beim Verpacken geholfen hat, hat dazu ein breites Sortiment ausgewählt. Es solle die gleiche Leidenschaft für guten Geschmack und Qualität widerspiegeln, die uns in Sachen Männermode auszeichnet, heißt es.

"Herrengut" zieht um und vergrößert sich

Vom Business-Anzug bis zum Abendkleid und auch Mode für jeden Tag sollen die Frauen der bisherigen Kunden finden. "Das Sortiment wird sehr dynamisch sein und individuell. Es wird einige Marken geben, die man noch nicht kennt", sagt Paula Vordemfelde, die sich nach einem dualen Studium bei "Peek & Cloppenburg" zuletzt bei Stella in Kassel mit außergewöhnlicher Mode für Frauen gearbeitet hat. "Ich freue mich, nach Gießen zurückzukehren. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht. Für mich geht ein Traum in Erfüllung", sagt sie. Das gilt sicher auch für einige anderen Gießenerinnen.

"Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt", sagt Michael Riehl, der Betreiber des "Herrengut", das seit Sommer 2017 im Untergeschoss von "Köhler" beheimatet ist. Nun sei die Zeit gekommen, den nächsten Schritt zu machen. "Wir wollen uns vergrößern, denn wir treten hier auf der Stelle", sagt Riehl. Im Juni steht der Umzug an. Das "Männerkaufhaus" zieht in die Johannette-Lein-Gasse. Dort steht direkt am Parkhaus seit Jahren ein Ladenlokal mit rund 380 Quadratmetern leer. "Dort haben wir die Möglichkeit, unser Sortiment zu erweitern", sagt Riehl. Er meint: mehr Grills, mehr Siebträgermaschinen, Outdoorküchen, Feuerstellen, urbane Wohnaccessoires und mehr Events. Auch eine Außenfläche könne man vielseitig nutzen, sagt Riehl. "Das Herrengut hat erhebliches Potenzial. Das wollen wir jetzt heben".

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