Auch am EV herrscht Pflegekräftemangel.
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Auch am EV herrscht Pflegekräftemangel.

UKGM-Personal wechselt Arbeitgeber

Nach Pflege-Eklat: Gießener Klinik wehrt sich gegen Vorwürfe

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Das Evangelische Krankenhaus (EV) in Gießen freut sich über 15 neue Pflegekräfte. Dass diese geschlossen von einer Station am Uniklinikum Marburg herüberwechseln, sorgt für Kritik.

Gießen – 15 Pflegekräfte einer chirurgischen Abteilung des UKGM Marburg haben kollektiv gekündigt und sich einen neuen Arbeitgeber gesucht: das evangelische Krankenhaus Agaplesion Gießen. Das EV, das wie alle Krankenhäuser unter dem bundesweiten Pflegenotstand leidet, freut sich über die ungewöhnliche Verstärkung in Truppengröße ab April 2022, sieht sich gleichzeitig aber auch Kritik ausgesetzt.

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Eklat am Standort Marburg hieß es, die Abwerbe-Praxis mit Prämienzahlungen verschärfe die Situation weiter. Das weist der neue Geschäftsführer Markus Schäfer zurück: Abwerbe-Aktionen und in Aussicht gestellte Prämien habe es ebenso wenig gegeben wie die Beauftragung eines Headhunters.

Gießener Krankenhaus profitiert von Eklat am Uniklinikum Marburg

Richtig sei aber, dass seit 2018 offiziell mit einer Einstellungsprämie in Höhe von 1000 Euro um neue Mitarbeiter geworben werde; dies habe jedoch mit dem aktuellen Weggang der Marburger Pflegekräfte nichts zu tun. Die Pflegekräfte hätten sich offiziell am EV beworben und würden gemäß ihren Wünschen auf den chirurgischen Stationen der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Endokrine- und Gefäßchirurgie eingesetzt. Auch das EV habe eine schmerzliche Fluktuation im Pflegebereich zu beklagen. Gerade die Kliniken in Gießen, Wetzlar und Marburg stünden im stetigen Wettbewerb um Pflegekräfte, was auch für das Haus auf der Hardt eine große Belastung darstelle.

Schäfer: »Die von diversen Medien gestreute Mitteilung, dass wöchentlich Pflegekräfte vom UKGM an das EV wechseln, können wir nicht bestätigen. Auch wenn uns dies natürlich sehr freuen würde«. Der Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich bestehe bereits seit Jahren. Umso bedeutender sei es, in die Mitarbeiterbindung zu investieren. Im UKGM Marburg war die Situation eskaliert, nachdem sich die Pflegekräfte beklagt und im Sommer mit der Geschäftsleitung zu klärenden Gesprächen getroffen, die Missstände danach aber weiter angehalten hatten. Die verabredeten Lösungen seien, so schilderten es die Pflegekräfte, nicht umgesetzt worden.

Evangelisches Krankenhaus Gießen: „Niemand vor Worst-Case-Szenario geschützt“

Zur Mitarbeiterbindung und »gelebtem Standard« am EV gehören nach Schäfers Worten ein familienorientierter und individuell nach den Wünschen der Mitarbeiter gestalteter Dienstplan, mehr Flexibilität durch einen festen Springerpool sowie regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

»Uns ist bewusst, dass der Weggang einer beinahe ganzen Station unsere Mitbewerber in eine schwierige Lage bringt. Keine Einrichtung ist vor einem solchen Worst-Case-Szenario in Zeiten des Pflegekräftemangels geschützt. Gleichzeitig freuen wir uns natürlich, dass sich die 15 Pflegekräfte für unser Haus entschieden haben«, erklärt der Geschäftsführer. (cg)

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