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Die Tage des Kinocenters Gießen in der unteren Bahnhofstraße sind gezählt.

Bahnhofstraße

Aus für Kinocenter Gießen: Neue Pläne für Gelände stehen fest

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Das Kinocenter in der Bahnhofstraße wird abgerissen. 2022 soll eine Neubebauung mit Gewerbeeinheiten und Wohnungen entstehen. Die Stadt erhofft sich dadurch eine Aufwertung der Schmuddelecke.

  • Das Ende des Kinocenters in Gießen ist besiegelt,wie am Dienstag (02.02.2021) bekannt wurde.
  • Der Eigentümer hat große Pläne, die Stadt hofft auf eine „enorme Aufwertung“ in der Bahnhofsstraße.
  • Dennoch: Ein Stück Kinokultur geht Gießen verloren. Kann das Kinopolis dies ausgleichen?

Gießen – »Alles was Gießen bewegt.« Dieser Satz steht über dem Eingang zum Kinocenter in der Bahnhofstraße. Die Mitteilung, die der Magistrat am Dienstag (02.02.2021) in seiner turnusgemäßen Pressekonferenz machte, wird viele Gießener in der Tat bewegen. Das Lichtspielhaus mit seinen verschachtelten vier Sälen, von den Besuchern liebevoll auch »Hasenkisten« genannt, wird abgerissen und soll ab 2022 einer Neubebauung weichen. Wie Bürgermeister und Planungsdezernent Peter Neidel erklärte, liegt der Stadt ein Neubaukonzept der Adam Henrich Lichtspiel GmbH aus Frankfurt vor, der das Grundstück gehört.* Dieses Konzept sehe eine Neubebauung mit Gewerbeeinheiten und Wohnungen ab dem ersten Geschoss vor.

Gießener Kinocenter wird abgerissen: Filmkunst künftig im Kinopolis

Laut der Magistratvorlage, mit der in der Sitzung am Montag eine Änderung des Bebauungsplans »Mühlstraße/Schanzenstraße« eingeleitet wurde, hatte Kinounternehmer Dr. Gregory Theile, der auch das Kinopolis am Berliner Platz betreibt, Mitte Januar Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in einem Schreiben über die Pläne für das Grundstück in der Bahnhofstraße informiert, auf dem er mit dem Kinocenter Mieter ist. Darin habe Theile die wirtschaftlichen Folgen der »pandemiebedingten Kino-Schließungen«, die nicht durch Staatshilfen kompensiert würden, geschildert und angekündigt, dass auf Filmkunst ausgerichtete Programm des Kinocenters »bestmöglich in den Spielplan des Kinopolis am Berliner Platz zu integrieren«. Das Kinocenter habe schon vor der Corona-Pandemie vom Gesamtunternehmen »quersubventioniert« werden müssen, gab Neidel das Unternehmen wieder.

Das Unternehmen Kinopolis, das zu den Marktführern in Deutschland gehört, habe im vergangenen Jahr coronabedingt eine Umsatzeinbuße von 70 Prozent hinnehmen müssen, berichtete OB Grabe-Bolz aus einem Gespräch mit Gregory Theile. Sie hofft, dass die Ankündigung, am Berliner Platz anspruchsvolle Filme und nicht nur Blockbuster-Produktionen zu zeigen, dauerhaft umgesetzt wird. »Eine Universitätsstadt wie Gießen mit 90 000 Einwohnern braucht ein solches Angebot unbedingt«, meinte die OB, verwies auf Marburg und fügte hinzu: »Ich habe viel Sympathie für die Leute vom Kino Traumstern, aber es kann ja nicht sein, dass man aus Gießen nach Lich fahren muss, um anspruchsvolle Filme zu sehen«, sagte Grabe-Bolz.

Stadt Gießen erhofft sich von Kinocenter-Abriss „enorme Aufwertung“

Die Stadtregierung hat schnell die ersten Weichen für die bauliche Neuordnung der Ecke Bahnhofstraße/Schanzenstraße gestellt. Völlig überraschend kommt die Entscheidung, das Kinocenter aufzugeben, nämlich nicht. Der im Zuge der Stadtsanierung aufgelegte Rahmenplan sah bereits als Alternative an der Stelle eine »Neubaulösung in Form von drei- bis viergeschossigen Stadtvillen« und als Ergänzung entlang der Bahnhofstraße eine geschlossene viergeschossige Bebauung vor. Vor dem Hintergrund der Umsatzentwicklung des Kinocenters und dann der coronabedingten Zwangsschließung sei ab dem vergangenen Frühjahr ein Neubau-Konzept abgestimmt worden.

Bei aller Kino-Nostalgie ist der städtebauliche Handlungsbedarf an der Stelle unbestritten. Das Kinocenter lässt sich als Spezialimmobilie kaum anders nutzen, angrenzende Bereiche wie eine frühere Sexbar sind Schandflecken. »Wir versprechen uns von der Neubebauung eine enorme Aufwertung«, sagte Planungsdezernent Neidel auch mit Blick auf die bevorstehende Neubebauung des Samen-Hahn-Areals. Laut dem Bürgermeister soll der kleine Parkplatz auf der Ecke Schanzenstraße/Bahnhofstraße nicht überbaut, sondern als Platz attraktiv gestaltet werden. Unter dem Komplex soll eine Tiefgarage entstehen. Da das Grundstück im Stadtsanierungsgebiet »Schanzenstraße/Mühlstraße« liege, könne der Bauherr Fördermittel beantragen.

Kinocenter-Ende zeichnete sich ab

Hinter dem Bestand des Kinocenter stand eigentlich seit der Eröffnung des Kinopolis Ende 2013 immer ein mehr oder weniger großes Fragezeichen. Als das Großkino am Berliner Platz an den Start ging, gab es in Gießen 15 Leinwände und 2000 Plätze. Das Roxy in der Grünberger Straße und das Heli in der Frankfurter Straße wurden bald geschlossen. Ins Kinocenter indes wurde noch vor der Eröffnung des Kinopolis investiert, um es als Programmkino-Standort zu etablieren.

*Redaktioneller Hinweis: Das Unternehmen Kinopolis, das am Berliner Platz das Großkino betreibt, ist nicht an der baulichen Neuordnung des Kinocenter-Grundstücks in der Bahnhofstraße beteiligt, wie eine vorherige Version des Artikels fälschlicherweise nahelegte. »Wir sind nur Mieter und kein Investor«, korrigierte Kinopolis-Chef Dr. Gregory Theile. Eigentümerin des Grundstücks sei die Adam Henrich Lichtspiel GmbH aus Frankfurt, die nicht zu Kinopolis gehöre, betonte Theile. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen, und haben ihn korrigiert.

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