Bewusst nimmt Joybrato Mukherjee seinen Mundnasenschutz beim offiziellen Foto nach der Wiederwahl nicht ab.
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Bewusst nimmt Joybrato Mukherjee seinen Mundnasenschutz beim offiziellen Foto nach der Wiederwahl nicht ab.

Präsidentenwahl

JLU Gießen: Mukherjee bekommt Denkzettel, bleibt aber Uni-Präsident

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Joybrato Mukherjee geht in seine dritte Amtszeit als Präsident der Universität Gießen. Doch es waren zwei Wahlgänge nötig - Mukherjee hat einen kleinen Denkzettel erhalten.

Joybrato Mukherjee huscht in die Aula des Uni-Hauptgebäudes. Akkurat stellt er sein Namensschildchen, das auf dem etwas abseits stehenden Stuhl nahe des Eingangs drapiert ist, auf den Boden, und nimmt Platz. Genauso leise, wie er gekommen ist, wird der seit 2009 amtierende Präsident der Justus-Liebig-Universität (JLU) Gießen nach zwei Wahlgängen sagen: »Ich nehme die Wahl an.« Am Ende sind es 20 Ja- und acht Nein-Stimmen sowie fünf Enthaltungen, die auf den einzigen Kandidaten entfallen; nötig waren 18 Stimmen. Die hatte Mukherjee im ersten Wahlgang verpasst.

Präsidentschaftswahl an der Uni Gießen: Herausforderer hatte zurückgezogen

Von den 34 Mitgliedern des Erweiterten Senats waren am gestrigen Mittwochnachmittag 33 anwesend. Aus diesem Kreis hatte Mukherjee im ersten Wahlgang 16 Ja-, sieben Neinstimmen sowie zehn Enthaltungen erhalten. Hätte der 47 Jahre alte Anglist im zweiten Wahlgang ebenfalls keine absolute Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen können, hätte die Präsidentenwahl neu ausgeschrieben werden müssen.

Mukherjee war seit Montag der einziger Bewerber um das Präsidentenamt an der JLU. Sein Herausforderer Hans-Uwe Simon von der Universität Bern hatte seine Kandidatur schriftlich zurückgezogen. Nach Informationen dieser Zeitung will der 63 Jahre alte Mediziner und Pharmakologe das Präsidentenamt einer anderen Hochschule antreten. Gemeinsam mit Mukherjee hatte sich Simon Anfang November dem Erweiterten Senat in einer öffentlichen Anhörung gestellt und seine Zukunftsvision für die JLU Gießen dargelegt.

Vielleicht lassen sich aus den beiden Vorträgen Hinweise ableiten, warum der Amtsinhaber erst im zweiten von zwei mögliche Wahlgängen die Mehrheit der Stimmen erhielt. Simon hatte in seiner freundlichen, aber ansonsten wenig inspirierenden Rede vor allem seinen Führungsstil hervorgehoben. Er präsentierte sich als Brückenbauer und Zuhörer und versprach den Fachbereichen eine weitestgehende Autonomie. Mukherjee hatte seinen Amtsbonus voll ausgespielt und umrissen, wie die Hochschule widerstandsfähig und relevant bleiben kann. Auffällig war, dass er sich selbstkritisch bei Fragen rund um seinen Führungsstil zeigte. Zuerst sei dieser »sozial-integrativ« wahrgenommen worden. Zwischen 2017 und 2019 habe es jedoch eine »Phase des stärkeren Führens« gegeben. Diese sei dem verschärften Wettbewerb mit anderen Hochschulen geschuldet gewesen. In bestimmten Fragen, sagte er im November in der Anhörung, hätte er früher informieren und seine Wertschätzung besser ausdrücken müssen: »Man ist kein Roboter«, sagte er damals.

Gießen: JLU-Präsident ruft zu Geschlossenheit auf

Dementsprechend rief er in seiner Dankesrede zu Geschlossenheit auf. Nicht nur in den großen Krisen wie der Corona-Pandemie oder dem Cyberangriff auf die Hochschule. »Wir haben diese gigantischen Herausforderungen angenommen und gemeinsam bestanden.« Wie stark eine Uni jedoch sei, zeige sich, wie sie mit kleinen Krisen umgehe: Mukherjee nannte als Beispiele einen Erstsemester, dem es schwer falle, ins Studium hineinzufinden sowie eine Mitarbeiterin, die neue Herausforderungen suche - oder eines Wissenschaftlers, dessen Drittmittelantrag abgelehnt wurde. Es liege ihm am Herzen, zu betonen, dass jedes JLU-Mitglied gleich wichtig sei - und er nannte namentlich Beispiele: von der Putzkraft und die Personaler über Studierende bis zu den Professoren.

Am Ende setzte Mukherjee unter den über 20 schweren Ölgemälden, auf denen seine Vorgänger auf die Besucher der Aula blicken, ein Zeichen: Für das offizielle Foto nahm er ganz bewusst seinen Mundnasenschutz nicht ab. Und die Erste Vizepräsidentin Prof. Verena Dolle betonte: »Gerade in den Zeiten der Krise zeigt es sich, wie wichtig Kontinuität ist.« Die dritte Amtszeit von Mukherjee beginnt am 16. Dezember 2021 und wird am 15. Dezember 2027 enden.

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