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Junge Gießener Gründer wollen Kinder fürs Lesen begeistern

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Von: Katrin Hanitsch

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Hinter »Maple Tales« stecken die Gründer Timur Zorlu (v. l.), Marlene Damm und Josh Fett. Gemeinsam wollen sie dafür sporgen, dass Kinder mehr Spaß am Lesen haben. © Red

Buch oder Bildschirm? Die aktive Lesezeit von Kindern sinkt seit Jahren, die Nutzung mobiler Endgeräte dagegen nimmt zu. Ein junges Start-up aus Gießen möchte Kindern wieder Lust aufs Lesen machen.

Gießen - Marlene Damm fürchtet um die Lesekompetenz von Kindern. Statistiken zeigten, dass 20 Prozent der Grundschüler nur ein unteres Lesekompetenzniveau erreichten, sagt sie. Gerade in Deutschland werde den Kindern »kein gutes Zeugnis ausgestellt«. Dagegen möchte sie gemeinsam mit ihren beiden Mitstreitern Timur Zorlu und Josh Fett etwas tun. Deswegen hat das Trio die App »Maple Tales« entwickelt.

Die App bietet interaktive Geschichten für Grundschulkinder, die die Lesekompetenz verbessern sollen. Geschrieben werden die Texte von einem Autorenpool eigens für das Programm, dabei gelten bestimmte Kriterien. Aktuell kann man zwischen fünf Geschichten wählen, es kommen aber laufend neue dazu, sagt Damm. Der Unterschied zur gedruckten Geschichte liegt im interaktiven Ansatz. Alle drei bis fünf Leseminuten können die Kinder zwischen drei Möglichkeiten wählen, wie es weitergehen soll, und sich so ihre eigene Geschichte aufbauen. Dieser spielerische Ansatz soll zum Lesen motivieren.

Lese-App von Gießener Gründern: Spielerischer Ansatz motiviert zum Lesen

Außerdem biete die App einen hohen Personalisierungsgrad, sagt Damm. Das ermögliche es den Kindern, ihre eigene Lebenswelt in das Leseerlebnis einfließen zu lassen. Konkret sieht das in der Testversion so aus, dass das Kind seinen Namen eingeben und wählen kann, ob es ein Mädchen oder Junge ist. Auch die Möglichkeit, das Geschlecht offen zu lassen, gibt es. Und schon tauchen die jungen Leser selbst in der Geschichte auf. Sie machen einen Besuch im Zoo, reisen nach Schweden, lernen die Feuerwehr kennen, machen einen Ausflug in den Wald oder suchen einen Piratenschatz. In allen Abenteuern steckt ganz viel Allgemeinwissen, das die Kinder beim Lesen aufnehmen.

Geplant sind für die Zukunft noch Werkzeuge wie ein Leselineal oder die Möglichkeit zur Silbentrennung, um Kindern, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, eine Hilfestellung zu bieten. Außerdem soll es die Geschichten auch auf Englisch geben. Auch Lesestatistiken sind vorgesehen, die den Eltern einen Überblick über die Fortschritte des Kindes bezüglich der Lesedauer und -geschwindigkeit bieten.

Lese-App aus Gießen befindet sich derzeit in der Testphase

Aber ersetzt eine App wirklich ein Buch, wenn es um die Lesekompetenz geht? Damm zufolge zeigten Studien, dass es irrelevant sei, ob am Bildschirm oder auf Papier gelesen werde - entscheidend sei der Leseprozess an sich.

Aktuell befindet sich die App in der Testphase. Dafür suchen die Unternehmer noch Kinder und Eltern, die die Grundfunktionen von »Maple Tales« auf Herz und Nieren testen und den Entwicklern ein Feedback geben. Sie wollen wissen, ob die Kinder Spaß haben und die Funktionen für die Eltern praktikabel sind, erläutert Damm. Läuft alles nach Plan, geht die App im März 2023 offiziell an den Start.

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Die jungen Leser können bestimmen, wie die Geschichte weitergehen soll. © Red

Lese-App aus Gießen: Unterstützung von der Justus-Liebig-Universität

Die Voraussetzungen dafür sind gut. »Maple Tales« wurde mit dem Social Impact Award Germany als eines der erfolgreichsten Social-Start-ups 2021 ausgezeichnet und erhielt das Hessen Ideen Stipendium des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie das EXIST-Gründungstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft. Unterstützt wird das Team außerdem vom Start-up-Programm Unibator der Frankfurter Goethe-Universität und vom Gründungszentrum Entrepreneurship Cluster Mittelhessen (ECM) der Justus-Liebig-Universität.

Mit der JLU arbeitet das Start-up eng zusammen. Das Team hat nicht nur ein Büro im Gründungszentrum ECM, sondern wird von den Professuren für Erziehungswissenschaften sowie Marketing und Verkaufsmanagement mit den Professoren Dr. Norbert Neuss und Dr. Alexander Haas unterstützt. »Wir sind das erste Start-up der JLU seit acht Jahren, das das EXIST-Gründerstipendium erhalten hat«, sagt Damm stolz. (Katrin Hanitsch)

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