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Gießener Hüttenweg ist zum Hotspot für hippe Vintage-Ware geworden

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Von: Sebastian Schmidt

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Die Händler im Hüttenweg (v. l.) Wu Wenting, Philip Fust (beide Emporium), Jonas Kaletsch (»Hans & Hans«) und Ronnie Martin (Design.Total) haben sich auf Vintage-Ware spezialisiert. FOTOS: SEG
Die Händler im Hüttenweg (v. l.) Wu Wenting, Philip Fust (beide Emporium), Jonas Kaletsch (»Hans & Hans«) und Ronnie Martin (Design.Total) haben sich auf Vintage-Ware spezialisiert. FOTOS: SEG © Sebastian Schmidt

Im Hüttenweg in Gießen haben sich in den vergangenen Jahren gleich mehrere Händler angesiedelt. Sie alle verkaufen Vintage-Ware.

Gießen - Eigentlich sollte man meinen, dass es für einen Laden Harakiri ist, sich außerhalb der Innenstadt alleine in einem Industriegebiet niederzulassen. Wer verzichtet freiwillig auf Laufkundschaft? Im Hüttenweg in Gießen ist genau das passiert. Doch dann entstand in den alten Industriehallen vor Ort eine Sogwirkung und aus nur einem Laden wurden drei, die sich alle auf Gebrauchtes spezialisiert haben. So nennen die Händler das natürlich nicht, ihre Kunden auch nicht. Vintage gibt es im Hüttenweg zu kaufen. Alte Möbel, Design-Gegenstände und Kleidungsstücke werden wieder fit gemacht und verkauft. Die Händler legen dabei auf Nachhaltigkeit und schöne Formen wert.

Vintage in Gießen: »Es geht uns darum, Gutes zu erhalten.«

Ronnie Martin sagt: »Es geht uns darum, Gutes zu erhalten.« In dem Geschäft Design.Total, das er zusammen mit Oliver Goller betreibt, steht zum Beispiel ein Apothekerschrank mit seinen vielen Schubladen, neben steinernen Skulpturen, die immer wieder Kreisformen aufgreifen. Und an fast allem hängt ein kleiner Zettel, der über Erscheinungsjahr und den Namen des Designers Auskunft gibt.

Gießen: Leidenschaft für schöne Designs im Hüttenweg

Martin sagt: »Wir pflegen hier eine Leidenschaft zu schönen Designs und Entwürfen.« Das ist auch Jonas Kaletsch in der Halle nebenan wichtig. Kaletsch von »Hans & Hans« verkauft ebenfalls Designer-Möbel. Die bekommt er manchmal direkt von Kunden angeboten, er durchstöbert aber auch Ebay-Kleinanzeigen oder kauft Dinge aus Haushaltsauflösungen raus. Dabei müsse man ein gutes Gespür dafür haben, was sich wieder herrichten und dann auch verkaufen lasse. Martin pflichtet bei: »Denn früher wurde auch schon viel Mist produziert.«

Vintage in Gießen: Nachhaltigkeit ist wichtig

Was zum Beispiel gut weggehe, seien alle Möbel von Charles und Ray Eames. »Die stehen fast schon klischeehaft für gute Designs«, sagt Martin. Kaletsch zeigt dabei auf einen Stuhl des Paares: Vier Beine aus Metall, eine tiefe Rückenlehne und ein brauner Bezug. »Früher standen die in vielen Büros, dann wurden sie ausgemustert und heute sind sie wieder begehrt.« Der Aspekt der Nachhaltigkeit ist den Händlern beim Instandsetzen und Verkauf ihrer Vintage-Produkte wichtig. »Es muss nicht noch mehr Wald abgeholzt werden, wenn wir hier Möbel haben, die sich wieder herrichten lassen«, sagt Kaletsch. Außerdem spreche die Qualität vieler alter Designermöbel für sich. Martin sagt: »Wir verkaufen hier Erbstücke. Also keine Stücke die zwangsweise vererbt wurden, sondern welche, die Käufer einmal vererben können.«

Vintage in Gießen: Metallspinde und »Blaumänner«

Auf den ersten Blick ganz anders sehen die Dinge aus, die Wu Wenting und Philip Fust im Emporium verkaufen. Alte Metallspinde stehen neben noch älter aussehenden Werkbänken. Dahinter befinden sich reihenweise Ständer mit Arbeitskleidung - »Blaumänner«. »Wir sind auf Industrieprodukte spezialisiert«, sagt Fust.

Die Kunden, viele aus dem Do-It-Yourself-Milieu, seien immer auf der Suche nach etwas Einzigartigen. Die Menschen von heute schauen sich die Objekte von damals in einer ganz anderen Perspektive an und finden neue Möglichkeiten der Nutzung, erklärt Fust. »Es geht um einen nachhaltigen Umgang mit den alten Gegenständen.« Und was passiert mit den ganzen Gegenständen, die nicht verkauft werden? Fust lacht und sagt: »Das passiert nicht, wir werden immer alles irgendwie los.«

Und wie ist das jetzt mit der Laufkundschaft? Zum einen scheint sich der Hüttenweg rumgesprochen zu haben, denn die Kunden finden den Weg zu den Vintage-Läden. »Es kommen auch Menschen aus Frankfurt oder Marburg hierher nach Gießen«, sagt Kaletsch.

Vintage in Gießen: Verkauf auch im Internet

Das »Hans & Hans« verkaufe aber das meiste über das Internet und habe deswegen auch keine regulären Öffnungszeiten. Kunden kommen in der Regel nur nach Termin, wenn sie die Ware vorher einmal in echt anschauen und auch anfassen wollen. Design.Total hingegen hat samstags und das Emporium donnerstags und samstags geöffnet. Dann können die Kunden dort auch vor Ort stöbern und alte Schätze neu entdecken. (Sebastian Schmidt)

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