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Auf dem Hamsterrad in großer Höhe: Siegfried Sperlich. Kleines Bild: Leopold Kufstein hat Kraft in der Zunge.

Gießen: Manchmal stockt beim "Zirkus des Horrors"der Atem

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Sadismus im "Irrenhaus", ein Kannibale und eine Zunge als Zuginstrument: Der "Zirkus des Horrors" trägt seinen Namen zu Recht. Die Gruselei umrahmt eine Vorstellung, die akrobatische Höchstleistungen zu bieten hat.

Zirkus des Horrors": Nichts für schwache Nerven oder Feingeister. Das liegt aber weniger an der Rahmenhandlung, in der Professore Salvatore dei Morti (italienisch für "Erlöser der Toten") allerhand Experimente an den Patienten in seinem "Irrenhaus Asylum" vornimmt. Der dabei verbreitete Schrecken hält sich in Grenzen, so dass in dieser Hinsicht die Vorstellung auch für Kinder durchaus geeignet ist. Was allerdings die Akrobaten und Artisten - viele schaurig geschminkt - zu bieten haben, lässt manchmal den Atem stocken.

Das gilt vor allem für den Auftritt von Maik und Siegfried Sperlich, die sich auf dem "Rad des Todes" ein Verfolgungsrennen liefern. Dabei versucht "Zentrifugalexperimentwächter" Ludwig Hoffmann (alias Siegfried S.) vergeblich, den Hochrisikopatienten (Spezialgebiet: Kannibalismus) Eugen Schneider (alias Maik S.) einzuholen. Zwei gegenüberliegende Hamsterräder wirbeln durch die Luft, wobei die Zelthöhe von 13,50 Metern fast vollständig genutzt wird. Die Rotationgeschwindigkeit und die Höhe halten die Artisten nicht davon ab, sich mit verbundenen Augen oder mit Springseil hüpfend fortzubewegen. Eine starke Nummer.

Apropos Springseil: Drei junge Frauen, die wie weitere Kollegen der Puje-Artistengruppe angehören, werden von Professore dei Morti mittels einer entsprechenden Infusion von ihrer Versteinerung befreit und können sich anschließend so verbiegen, dass es fast schon die Vorstellungskraft der Besucher übersteigt. Eines der Mädchen wird am Ende sogar als Springseil verwendet.

Auch ihre männlichen Puje-Kollegen laufen zu großer Form auf. Sie bauen menschliche Türme und erreichen damit schwindelnde Höhen. Atemberaubend die Flug- und Springeinlagen. Ihre Vielseitigkeit beweisen die Männer dadurch, dass sie als Jongleure eine Vielzahl von Kegeln oder ähnliches scheinbar ohne System mit hoher Geschwindigkeit durch die Manege werfen und auffangen. Erstaunlicherweise macht keines dieser Sportgeräte auch nur einmal unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Boden.

Zurück zu "Asylum - Das Irrenhaus": Ganz ohne Horror geht es dann doch nicht ab. Nachdem Professore dei Morti dem unter Wahnvorstellungen leidenden Jesus Barbone ein künstliches Herz verpasst hat, ist dieser nicht mehr zu halten und misst mit einem übergroßen Reif die Manege aus, zum Teil mit verbundenen Augen. Eine tolle Darbietung des Artisten Johnny Cognetti.

"Zirkus des Horrors" in Gießen: Rasante Jonglage

Nicht minder bemerkenswert die Vorstellung von Leopold Kufstein, der seine (angeblich) angeborene Unempfindlichkeit gegen Schmerzen dazu nutzt, sich die Zunge und andere Körperteile mit Haken zu durchbohren und schließlich einen kleinen, mit Besuchern besetzten Wagen durch die Landschaft zu ziehen.

Was ist ein Zirkus ohne Clown? Milano Kaiser übernimmt als Brian Ernest diese Rolle und hat immer wieder die Lacher auf seiner Seite. Begleitet von in diesem Metier nicht unüblichen Unhöflichkeiten, begeistert er die Besucher. Ernest/Kaiser profitiert aber auch davon, dass er in dem jungen Dennis aus dem Publikum einen nachsichtigen Mitspieler hat, der die Faxen mit Engelsgeduld über sich ergehen lässt. Die Scherze sind frei von Tiefgang, manchmal eben ein wenig plump, aber alles in allem ein herrliches Vergnügen.

Giovanni Blasini verkörpert einen "Irrenhaus"-Professor, der sich mit medizinischen Experimenten schnell als Sadist entpuppt. Ihm zur Seite stehen drei attraktive Krankenschwestern. Am Ende der rund zweieinhalbstündigen Vorstellung (20 Minuten Pause) bilden die Künstler im Foyer ein Spalier, verabschieden sich von den Gästen und stehen für Bilder zur Verfügung.

Der "Zirkus des Horrors" gastiert noch bis zum kommenden Sonntag auf dem Gelände der Hessenhallen in der Weststadt. Die Vorstellungen beginnen den von heute bis zum Freitag jeweils um 19.30 Uhr, am Samstag um 15.30 und 19.30 und am Sonntag um 18 Uhr. Eintrittskarten sind bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie täglich ab 14 Uhr direkt an den Zirkuskassen an den Hessenhallen erhältlich. Ticket-Hotline: Tel. 0170/1153937.

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