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Dank einer App können die Planer im Rathaus wichtige Erkenntnisse aus dem Stadtradeln ziehen.

Fahrrad-App

Radfahren in Gießen: So will die Stadt mehr Informationen über Probleme und Chancen sammeln

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Welche Radwege werden in Gießen gemieden? Wo stehen die Fahrer häufig an der Ampel? Dank einer App kann die Stadt Gießen aus der Stadtradel-Aktion wichtige Erkenntnisse ziehen.

Was bietet die Stadtradel-App den Nutzern?

Wer die App auf seinem Smartphone installiert, kann seine Strecken per GPS tracken lassen. Die App schreibt die Kilometer dann automatisch dem jeweiligen Team und der Kommune gut. Ein Chat mit den anderen Teammitgliedern ist ebenfalls möglich, zum Beispiel zur Verabredung gemeinsamer Touren. Die Nutzung ist kostenlos.

Gibt es dieses Angebot zum ersten Mal in Gießen?

Nein, die App gibt es schon einige Jahre. Allerdings wurde sie bisher kaum genutzt, im vergangenen Jahr lediglich von fünf Prozent der Stadtradel-Teilnehmer. Zudem ist im vergangenen Jahr eine Neuerung hinzugekommen, die nicht nur für die Nutzer, sondern auch die jeweiligen Kommunen interessant ist. Sie bietet den Verantwortlichen im Rathaus eine bessere Grundlage für eine optimierte Planung von Radverkehrsanlagen.

Welchen Nutzen hat die App für die Planer im Rathaus?

Die Informationen, die die App während des Radelns sammelt, werden den Kommunen zur Verfügung gestellt. So erfahren sie zum Beispiel, wo regelmäßig viele Radfahrer unterwegs sind, welche Routen gemieden werden und an welchen Stellen die Bodenbeschaffenheit der Radwege zu wünschen übrig lässt. Letzteres geschieht durch Smartphone-Sensoren. Die Teilnehmer, die die App runtergeladen haben, sind somit quasi als radelnde Seismographen unterwegs.

Wie und von wem werden die Daten ausgewertet?

Dafür haben die Technische Universität Dresden und das Start-Up Cyface das Forschungsprojekt Movebis gegründet. Auf Basis der seit 2018 getrackten Strecken werden unter anderem Verkehrsmengenkarten erstellt. Die Universität will zudem bis 2020 eine Alltagsradler-App entwickeln, die systematisch den Zustand des Radverkehrsnetzes erfasst. Daraus werden verkehrliche Kenngrößen abgeleitet und den Kommunen zur Planung bereitgestellt. Gießen ist Pilotkommune beim Forschungsprojekt Movebis.

Wie sieht es mit den Datenschutzrichtlinien aus?

Laut den Initiatoren erfolgt die Datenerhebung und -verarbeitung unter Einhaltung der EU-Standards. Die Daten werden demnach bereits vor der wissenschaftlichen Auswertung anonymisiert und fließen ausschließlich als personenunabhängige Sachdaten in die Ergebnisse ein. Ziel und Quelle einer Fahrt sind also nicht zuordenbar.

Welche konkreten Erkenntnisse hofft sich die Stadt Gießen?

"Wir wollen orientiert an den Bedürfnissen einer Großzahl der Radler gezielt Radinfrastruktur verbessern. So könnte sich z.B. die Priorität von Lückenschlüssen verändern", sagt Katja Bürckstümmer, die im Rathaus für das Stadtradeln verantwortlich ist. Besonders gespannt sei sie, wie sich neue Infrastruktur auswirke. Als Beispiel nennt Bürckstümmer den Dammdurchstich.

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