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Ist die Baustelle an der Westanlage die Ursache für steigende Stickoxidwerte?

Gießen sticht negativ hervor

Gießen: Stickstoffdioxid-Werte steigen - Einfache Erklärung?

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Bundesweit ist Gießen eine der wenigen Städte mit steigenden Stickoxid-Werten. Es gibt eine mögliche Erklärung.

Gießen - Die Stickstoffdioxid-Werte sind im vergangenen Jahr an fast allen Messstationen bundesweit zurückgegangen. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Stadt Gießen, wo der Jahresmittelwert im vergangenen Jahr von 42 Mikrogramm (2017) auf 44 Mikrogramm gestiegen ist. Dies hat das Umweltbundesamt am Montag in einer deutschlandweiten Auswertung zur Luftqualität und Luftreinhaltung bestätigt.

Dass die Werte in Gießen im vergangenen Jahr um die besagten zwei Mikrogramm gestiegen sind, ist schon länger bekannt. Neu indes ist die Erkenntnis, dass sich in Gießen die an der Messstation an der Westanlage gemessenen Werte im vergangenen Jahr derart klar gegen den positiven Gesamttrend entwickelt haben. In Hessen ist Gießen sogar die einzige Stadt mit zu hoher Stickoxidbelastung, in der die Werte 2018 angestiegen sind. Lässt man Messstellen außer Betracht, die im vergangenen Jahren verlagert wurden, sind es auch bundesweit nur sechs von rund 70 Messstellen, an denen höhere Stickstoffdioxidwerte gemessen wurden.

Was die Stickoxidbelastung betrifft, rangiert Gießen mit 44 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft auf Rang 40 der 57 Städte mit Grenzwertüberschreitungen. Angeführt wird die Tabelle von Stuttgart (71 Mikrogramm), Darmstadt (67) und München (66).

In Gießen, wo es nur eine Messstation gibt, hatten die Werte seit Jahren bei 42 eingependelt, ehe es im vergangenen Jahr zu dem überraschenden Anstieg kam. Eigentlich war auch der Magistrat davon ausgegangen, dass die Akzeptanzprobleme des Diesels und die komplette Umstellung der Stadtbusflotte auf Gasantrieb reichen würden, in den nächsten Jahren den Grenzwert von 40 Mikrogramm unterschreiten zu können. Mithin bleibt als einzige Erklärung für den Anstieg die Dauerbaustelle an der Westanlage, die im Bereich der Messstelle für Rückstaus und zähflüssigen Verkehr sorgt. Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) verweist zudem auf andere Baustellen wie die gesperrte Lahnstraße, durch die sich Verkehre vermutlich verlagert haben. Auch Witterungseinflüsse könnten eine Rolle spielen.

Die bisherigen Monatsmittelwerte in diesem Jahr, aus denen der entscheidende Jahresmittelwert gebildet wird, machen es nicht eben leichter, schlüssige Erklärungen für die teilweise sehr starken Schwankungen zu finden. Im Februar zum Beispiel schnellte der Wert auf 53,4 Mikrogramm hoch, um im März auf 20,3 zu sinken.

Im Frühjahr hatte das Stadtparlament mit dem Green City Plan Gießen ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Luftqualität beschlossen. Mit der Umstellung der Stadtbusflotte ist eine der größten und teuersten Maßnahmen von den Stadtwerken bereits umgesetzt worden.

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