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Die beiden leer stehenden Wohnblocks an der Weserstraße - unten der Schwarzlachweg, links der Bahndamm - sollen abgerissen werden. Für die Neubauten ist eine "Mischnutzung" vorgesehen. (Archivfoto: Schepp)

Nordstadt

Gießen: Das sind die Pläne für das Flussstraßenviertel in der Nordstadt

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Seniorengerechtes Wohnen, dazu Betreuung für Ältere und Kinder: So sieht die neue Idee für das Flussstraßenviertel aus. Bewohnervertreter sind "begeistert".

"Die Nordstadt ist quasi ein kleines Dorf. Für die Bewohner ist es das Wichtigste, dass sie das Viertel nicht verlassen müssen", weiß Anwohnerin Cornelia Mim. Gerade die Älteren empfänden eine ungewöhnlich "tiefe Verwurzelung", bestätigt Quartiersmanagerin Frauke Kühn. Entsprechend "begeistert" - so Mim - reagierten die Teilnehmer des Runden Tischs Flussstraßenviertel nun, als Wohnbau und Arbeiterwohlfahrt ihre neue Idee für die Neubebauung der Fläche an der Ecke Schwarzlachweg/Weserstraße vorstellten. Neben seniorengerechten Wohnungen könnte dort ein Awo-Standort entstehen, der Unterstützung für Ältere und Betreuung für die ganz Kleinen anbietet - Begegnung über alle Generationen hinweg inklusive. Das Nordstadtzentrum an der Reichenberger Straße soll erhalten bleiben.

Seit Monaten stehen die Blocks Weserstraße 26-32 leer. Sie sollen abgerissen und durch zwei Neubauten ersetzt werden. Der Bebauungsplan für das Gelände am Bahndamm schreibe einen Gewerbeanteil von 20 bis 30 Prozent vor, erläutert Wohnbau-Geschäftsführer Reinhard Thies bei einem Pressegespräch. Von Anfang an habe die städtische Gesellschaft eine "sozial-gewerbliche" Nutzung angestrebt. Zunächst war ein Beratungszentrum der Lebenshilfe mit "Begegnungscafé" vorgesehen. Diese Idee scheiterte unter anderem an Bedenken der Anwohner.

Die Wohnbau suchte das Gespräch mit Altenhilfe-Anbietern in der Stadt - und fand in der Awo einen möglichen Kooperationspartner. Seit einem Dreivierteljahr sei man "intensiv im Gespräch" und habe in Bremen das "Haus der Zukunft" besichtigt, erklärt Thies und unterstreicht zugleich, dass von konkreten Plänen noch keine Rede sein könne. "Wir befinden uns in einer Vorphase." Frühestens 2021 könne gebaut werden. Dennoch könne man schon jetzt von einem "vorbildlichen" Beispiel für "sozialräumliches abgestimmtes Handeln" sprechen.

Die Zusammenarbeit sei ein "Glücksfall", ergänzt Stadträtin Astrid Eibelshäuser (SPD). Das Mehrgenerationenprojekt mit Spiel- und Begegnungsplatz in der Mitte solle ein "sehr attraktives neues Zentrum" des Flussstraßenviertels werden.

Nordstadtzentrum Gießen bleibt erhalten

"Die Akteure sind unglaublich vernetzt. In der Nordstadt gibt es kein Konkurrenzdenken", würdigt Awo-Geschäftsführer Jens Dapper das "Miteinander". Er skizziert die Vorstellungen: Wie in Kleinlinden könnten unter ein und demselben Dach eine Tagespflegestätte für Senioren sowie eine Kita entstehen - ob für Kleinkinder oder für Kinder über drei Jahren, ist noch offen. Die Awo könnte einen Teil ihres mobilen Dienstes für Pflege und Haushaltshilfe vom Tannenweg an die Weserstraße verlegen. Denkbar sei auch die Ansiedlung eines Therapiezentrums des Roten Kreuzes - wie am Philosophenwald, wo das DRK wohnortnah Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie anbietet. Möglicherweise werden diese Einrichtungen in einem gemeinsamen Erdgeschoss der beiden neuen Wohnblocks untergebracht.

Dazu passen die Pläne für die neuen Wohnungen: Sie sollen mit rund 50 Quadratmeter für Alleinstehende geeignet und barrierefrei sein, so Thies. Weil vier Vollgeschosse möglich sind, lohnten sich Aufzüge. Mit einer Kaltmiete von höchstens 6,80 Euro pro Quadratmeter blieben sie bezahlbar für die jetzigen Bewohner des Viertels.

"Das wollen wir, das brauchen wir", berichtet Cornelia Mim von einstimmiger Begeisterung beim Runden Tisch. Besonders die Planung kleiner Wohnungen "kam super an", bestätigt der Mieterrats-Vorsitzende Peter Sommer. Nordstadtmanager Lutz Perkitny findet es "einfach stark", wie "die Wohnbau die Leute mitnimmt".

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