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In der Ruine tut sich etwas. Die Arbeiter haben angefangen, das Gebäude zu sanieren.

"Shisha-Haus"

Nach Explosion: Gießener "Shisha-Haus" wird aufgebaut - Erste Infos zu künftiger Nutzung

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Es ist knapp zwei Jahre her, dass die Shisha-Bar in der Licher Straße explodiert ist. Nun läuft der Wiederaufbau.

Dunkle Rußflecken ziehen sich über die gelbe Fassade. Die Fenster sind mit Spanplatten verbarrikadiert. Davor steht ein Bauzaun. Die Gießener haben sich an den Anblick des Hauses an der Licher Straße Ecke Grünberger Straße gewöhnt. Die Ruine ist eine Erinnerung an einen der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre. Fast zwei Jahre ist es her, dass die im Erdgeschoss angesiedelte Shisha-Bar in Rauch aufging - und mit ihr beinahe das angrenzende Wohnhaus. Seitdem ist an dem Tatort nicht viel passiert. Doch in den vergangenen Wochen hat sich etwas verändert. Wer einen Blick über den blauen Bauzaun wirft, wird sehen: In der Ruine tut sich etwas.

Es ist der 3. August 2017: Die Wucht der Detonation schleudert die junge Frau aus dem Bett. Ihre Wohnung ist verwüstet. Barfuß rennt sie durch die Trümmer und rettet sich nach draußen. Erst dort erfährt sie, was passiert ist: Die im Erdgeschoss angesiedelte Shisha-Bar ist explodiert. Die Druckwelle und das Feuer haben das Gebäude zerstört. Wie durch ein Wunder wird die junge Frau nicht verletzt, auch die anderen Bewohner des Hauses kommen mit dem Schrecken davon. Später wird bekannt, dass der Bar-Betreiber drei Männer beauftragt hatte, das Gebäude anzuzünden. Er wollte die Gebäudeversicherung betrügen und so seine Geldnot lindern.

Gießen: Sechs Wohneinheiten plus Gewerbe nach Explosion in Licher Straße

Heute, 22 Monate nach der Explosion, haben die Arbeiter mit der Sanierung des Gebäudes begonnen. Das bestätigt Helmut Schepp, ein Mitarbeiter des Eigentümers. "Das Gebäude wird wieder aufgebaut. Hier waren schon Elektriker und Schreiner zugange." In den kommenden zwölf Monaten, so lange schätzt Schepp die Sanierungszeit ein, gebe es aber noch weitaus mehr zu tun. "Im Grunde muss alles neu gemacht werden", sagt Schepp und zählt unter anderem Maurertätigkeiten, Schreinerarbeiten sowie die Installation einer neuen Haustechnik auf. "Wir richten uns dabei an die Versicherungsbedingungen. Damit der Neuwertanteil ausgezahlt wird, muss das Gebäude art- und nutzungsgleich wieder hergestellt werden." Demnach wird das Haus auch künftig sechs Wohneinheiten sowie ein Gewerbe im Erdgeschoss beheimaten. Was für ein Geschäft dort einmal einziehen wird, stehe allerdings noch nicht fest.

Gießen: Verursache der Explosion in Licher Straße sitzen im Gefängnis

Dass die Arbeiten erst jetzt beginnen, begründet Schepp mit Meinungsverschiedenheit zwischen Eigentümer und Versicherung. "Die Entschädigungssumme, die die Versicherung angeboten hat, reicht unserer Meinung nach nicht aus, um das Haus wieder aufzubauen." Der vom Eigentümer beauftragte Architekt hätte ein Gegengutachten vorgelegt, wonach die von der Versicherung angebotene Summe bei Weitem nicht ausreichend sei. "Deswegen hat alles ein wenig länger gedauert", sagt Schepp. Er betont, dass die Verhandlungen andauern.

Wenn alles nach Plan verläuft, könnte das Gebäude im Sommer 2020 wieder aufgebaut sein. Drei Jahre, nachdem die ohrenbetäubende Explosion den Bewohnern den Schreck ihres Lebens beschert hat. Eine Rückkehr ist unwahrscheinlich, die einstigen Mieter haben längst neue Bleiben gefunden. Die Verursacher der Explosion ebenfalls, sie sitzen im Gefängnis. Mit der Gebäudesanierung könnte nun auch das letzte Kapitel dieser Geschichte geschlossen werden.

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