+
Erst geht es auf dem neuen Weg entlang der Wieseck hoch, dann steil die Treppe hinab. Wie dieser Höhenunterschied ausgeglichen werden soll, ist unklar.

Rad-/Fußweg

Neuer Radweg in Gießen endet für viele noch in Sackgassse

  • schließen

Der Höhenunterschied am Weg zwischen Lahnwiese und Bahnhofstraße beträgt nur zwei Meter. Beim Versuch, hier eine barrierefreie Verbindung herzustellen, könnte die Stadt aber erneut scheitern.

Man steht davor und fragt sich: Wie soll das gehen? Soll der Weg nach links durch den äußeren der drei Torbogen führen? Geht eigentlich nicht, denn ein Vorbau des alten Eisenbahnviadukts, der über der Wieseck thront, ragt in die Trasse hinein. Oder wird die vordere der beiden alten Wieseckbrücken weggerissen? Aber wie würde der dann neu entstandene Höhenunterschied zwischen der Sieboldstraße und dem Rad/Fußweg ausgeglichen? Und was würde das alles kosten? Fragen, die sich zu dem lange geplanten Projekt der Stadt stellen, eine barrierefreie Verbindung zwischen Lahnaue und Bahnhofstraße herzustellen.

Unterhalb der Wohnblocks, die auf dem früheren Güterbahn-Areal und einer Kleingartensiedlung errichtet wurden und derzeit noch entstehen, war die Wieseck im vergangenen Jahr im Zuges des ersten Bauabschnitts naturnah umgebaut worden. Entsprechend kurvig begleitet auch der neu angelegte Fuß- und Radweg die Wieseck auf ihren letzten Metern. Entstanden ist ein attraktiver Naherholungsbereich.

Gießen: Steile Treppe am Eisenbahnviadukt

Im zweiten Bauabschnitt soll eine barrierefreie Verbindung entstehen, denn immer noch gibt es die 16-stufige steile Treppe am Eisenbahnviadukt, die auf das Niveau der Bahnhofstraße hinabführt. Für Personen, die allein mit Radanhänger, Kinderwagen oder im Rollstuhl unterwegs sind, ist hier Schluss. Für sie und alle Radfahrer hat sich die Situation sogar noch verschlechtert: Durch die Tieferlegung des Wegs ist vor der Treppe eine Steigung entstanden. Wann der Weg durchgängig auf einem Höhenniveau verlaufen wird, ist unklar, die Aufgabe ist kompliziert.

Wie eine Lösung aussehen könnte und was sie kosten würde, konnte Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) in der Stadtverordnetensitzung am vergangenen Mittwoch nicht sagen. Für den zweiten Bauabschnitt bestehe eine Vorplanung, die derzeit gegen eine andere Variante abgeglichen und aus statischer Sicht beurteilt werden soll, antwortete die für das Projekt zuständige Dezernentin auf eine Anfrage der FDP.

Deren Fraktionschef Klaus Dieter Greilich hatte nach dem Stand der Arbeiten und den Kosten gefragt. "Da die konstruktive Lösung noch nicht feststeht, ist eine verlässliche Benennung der Kosten nicht möglich", erklärte Weigel-Greilich. Die Stadträtin sprach davon, dass die Beteiligten eine "schnellstmögliche Lösung" anstrebten, aber ihr Nachsatz hörte sich nicht gut an. Die Umsetzung sei von "Randfaktoren abhängig, etwa Prüfungen und Genehmigungen seitens der Deutschen Bahn, auf die die Stadt keinen Einfluss hat". Die Schwierigkeit zeigt sich schon an der Zahl der beteiligten Stellen: Mit dem Vorhaben sind und waren neben der Bahn das Garten- und Tiefbauamt, die Mittelhessischen Wasserbetriebe, Wasser-, Naturschutz- und Denkmalschutzbehörden befasst.

Gießen: Weg führt seit 2009 ins Nichts

Bereits der erste Bauabschnitt mit dem Wegebau war nicht billig, mit gut 900 000 Euro gab Weigel-Greilich die Kosten im vergangenen August an. Die Schlussrechnung werde derzeit von einem Planungsbüro geprüft, sagte sie am Mittwochabend.

Vor zehn Jahren war die Stadt bereits einmal mit dem Versuch gescheitert, einen ebenerdigen Weg zwischen Lahnaue und Bahnhofstraße anzulegen. Mit dem Bau auf der Nordseite der Wieseck neben dem Liebigcenter wurde begonnen, aber dann ging’s nicht weiter. Eine Wegeführung auf öffentlichem Grund und Boden erwies sich aufgrund des starken Gefälles als zu gefährlich für Radfahrer. Eine weniger steile Trasse hätte über ein Privatgrundstück geführt werden können, das stand aber nicht zur Verfügung. So endet der Trampelpfad in einem Bogen der Eisenbahnbrücke, der Obdachlosen Schutz vor Regen und heißer Sonne bietet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare