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Kritikpunkt der Verkehrsinitiativen: In der oberen Frankfurter Straße gibt es stadteinwärts keinen Radschutzstreifen.

Kidical Mass

Kinderdemo auf dem Gießener Anlagenring geplant - Konkrete Forderungen

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Mit einer Fahrrad-Aktion am Samstag auf dem Anlagenring machen neue Verkehrsinitiativen Druck auf die Gießener Stadtpolitik. Die Radwege-Situation muss sich deutlich bessern, fordern sie.

Gießen (mö). Der Druck auf die Stadt, im Straßenverkehr durchgreifende Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger herbeizuführen, wächst. So hat sich in der vergangenen Woche ein neues Bündnis aus Gruppen wie dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), dem Bund Umwelt und Naturschutz (BUND), der Initiative Allrad, den Jugendorganisationen der Grünen sowie den verschiedenen Future-Gruppen formiert. Das Bündnis will Einfluss auf die "örtliche Verkehrspolitik" nehmen. Einige der genannten Gruppen unterstützen auch die Aktion "Kidical Mass", die für kommenden Samstag eine Fahrraddemo mit Kindern um den Anlagenring angekündigt hat.

Das neue Bündnis greift einige Kritikpunkte des ADFC an der städtischen Verkehrspolitik auf und will Ende September bei einem Aktionstag in der Frankfurter Straße "exemplarisch" auf die verkehrspolitischen Versäumnisse der letzten Jahre aufmerksam machen. "Dabei handelt es sich in Teilen auch um seit Langem gefasste Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung, die systematisch verschleppt werden", erklärt das Bündnis. Die Initiatoren möchten mit ihrer Aktion "die Stadtpolitik endlich dazu bewegen, die Verkehrsflächen neu aufzuteilen, mit Vorrang für Radfahrende und Fußgängerinnen".

Gießen: Radschutzstreifen fehlen

In der Frankfurter Straße geht es zum Beispiel darum, dass stadteinwärts im Abschnitt bis zur Schubertstraße ein Radschutzstreifen angelegt wird. Auf diesen Lückenschluss hatte sich auch die SPD/CDU/Grünen-Koalition 2016 in ihrem Vertrag geeinigt. Die Stadt indes prüft derzeit eine Lösung mit Begegnungsverkehr auf der anderen Seite der Frankfurter Straße. Auch die im Bündnisvertrag vereinbarte Abmarkierung von Schutzstreifen am gesamten Anlagenring lässt auf sich warten. Dazu hatte der Magistrat vor zwei Jahren eine Radverkehrsplanung für Südanlage und Westanlage beauftragt, die bis Ende dieses Jahres vorliegen soll. Der Auftrag schloss auch die Prüfung ein, ob es Alternativen zum Elefantenklo gibt, um Fußgängern eine sichere, ebenerdige und mithin barrierefreie Querung der Kreuzung am Selterstor zu ermöglichen. Was bei dieser Planung herauskommen könnte, ist unklar: "Eine Umsetzung ist derzeit nicht absehbar", hieß es im Mai aus dem Rathaus.

Mehr Sicherheit = weniger Elterntaxi?

Kritik an den Verkehrsverhältnissen in der Innenstadt kommt auch von der Aktion "Kidical Mass". "Vier Spuren für Autos, aber an vielen Stellen in der Innenstadt kein Verkehrsraum für Fahrräder: Weil die Situation für Radfahrer in der Innenstadt unbefriedigend und auch gefährlich ist, bringen viele Eltern aus Sorge ihre Kinder mit dem Auto zu Schule und zum Kindergarten und verschärfen damit den motorisierten Individualverkehr noch", heißt es in einer Erklärung zur Demo am Samstag. Die Demo startet um 15 Uhr vom Unihauptgebäude in der Ludwigstraße und führt über fast fünf Kilometer um den Anlagenring, zum Abschluss ist ein Picknick am Schwanenteich geplant. Mit der Fahrraddemo, die von der Polizei gesichert wird, wird an die regelmäßigen Critical Mass-Fahrraddemos angeknüpft.

Die "Kritische Masse" ist eine verbreitete Aktionsform, bei der Radfahrer im größeren Verbund durch Städte fahren, um für ihre Interessen im Straßenverkehr zu demonstrieren. Zu den Unterstützern der Aktion gehören neben dem ADFC und Allrad Greenpeace, der Verein Lebenswertes Gießen, die Initiative Gießen 2035Null, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Weltladen.

Das nächste Treffen zum Aktionstag "Verkehrswende Frankfurter Straße" findet am 26. August (Montag) um 18 Uhr im Freiwilligenzentrum (Ludwigstraße 6) statt. Kontakt: verkehrswende-frankfurter@web.de

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