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Wenn es nach dem Eigentümer geht, soll das Warenhaus am Selterstor für 90 Millionen Euro verkauft werden.

Karstadt Gießen

Karstadt-Gebäude in Gießen steht zum Verkauf

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Karstadt gehört zu Gießen wie E-Klo und Uni. Seit 1954 ist das Warenhaus am Selterstor ansässig. Das wird zunächst auch so bleiben. Dennoch läuft für die Immobilie ein Bieterverfahren. Ein renommierter Makler soll das Gebäude verkaufen. Der kolportierte Kaufpreis ist enorm.

Das Warenhaus am Selterstor dürfte eine der wichtigsten Immobilien der Innenstadt sein. Kaum ein Gießener, der nicht bereits einen Fuß in das Objekt gesetzt hat, kaum einer, der keine Erinnerung damit verknüpft. Die Lage ist einzigartig, die Bedeutung enorm. Wenn Neuigkeiten bekannt werden, die die Zukunft von Karstadt in Gießen betreffen, sind Einzelhandel, Gewerkschaft und Politik regelmäßig alarmiert.

Kein Wunder also, dass auch diese Nachricht für Aufsehen sorgt: Das international tätige Maklerunternehmen Cushman & Wakefield mit Sitz unter anderem am Rathenauplatz 1 in Frankfurt hat den Auftrag, einen Käufer für die Immobilie am Selterstor zu finden. Während weder von Galeria Karstadt Kaufhof noch von Cushman & Wakefield eine Stellungnahme zu erhalten war, bestätigte die Agentur KekstCNC für die Immobilienbesitzer, die im Wesentlichen zur Highstreet Holding gehören: "Es stimmt. Highstreet hat einen Verkaufsprozess für das Objekt in Gießen angestoßen." Weitere Details würden hingegen nicht kommentiert.

Die Highstreet Holding ist ein Immobilien-Konsortium, dessen Geschäftszweck allein der Besitz und die Vermietung der Warenhäuser von Karstadt ist. 2006 hatte die Warenhauskette 170 Immobilien an die Holding verkauft, die damals wie heute von der Investmentbank Goldman Sachs beherrscht wird, um sich mit dem Erlös zu sanieren. Die hohen Mieten, die Karstadt - zu Beginn selbst zu 49 Prozent an Highstreet beteiligt - jahrelang an das Konsortium überwies, galten als eine der Hauptursachen für die spätere Insolvenz. Als Eigentümer der Immobilie im Seltersweg fungieren gleich fünf Gesellschaften, die fast alle auf die Highstreet Holding zurückzuführen sind.

Karstadt Gießen: 90 Millionen Euro kolportiert

Wegen des laufenden Bieterverfahrens sollen sich bei Cushman & Wakefield bereits ein Dutzend Interessenten gemeldet haben, darunter auch ein Investor aus dem Raum Gießen. Das Objekt mit einer Gesamtfläche von 30 000 Quadratmetern - als Verkaufsfläche werden rund 20 000 genutzt- soll dem Vernehmen nach einen Kaufpreis von 90 Millionen Euro einspielen. Der Mietvertrag, der für das Objekt gilt, laufe noch etwa 15 Jahre. Ob auch das Parkhaus mit 800 Stellplätzen, das mutmaßlich ebenfalls zu Highstreet gehört, zum Verkauf steht, ist unklar.

Der Kaufpreis für das in die Jahre gekommene Objekt, das heutigen Ansprüchen kaum mehr genügt, scheint deutlich überteuert. Er liegt erheblich über dem Preis, für den die Galerie Neustädter Tor zuletzt den Besitzer gewechselt hat. Auch die derzeit fixierte und zur Kaufpreisermittlung herangezogene Miete liege deutlich über den ortsüblichen Mietsätzen, heißt es in der Branche.

Lothar Schmidt, Geschäftsführer der Gießener Filiale, ist nicht in den Verkaufsprozess eingebunden. "Ich weiß von nichts", sagte er auf Anfrage. Es sei im Einzelhandel aber nicht unüblich, dass Immobilien immer wieder den Besitzer wechseln. "Auf unser Tagesgeschäft hat das gar keine Auswirkungen", betont Schmidt. Dass Karstadt-Warenhäuser den Besitzer wechseln, ist in der Tat nicht neu. Vor wenigen Wochen meldetete die "Immobilien-Zeitung" den Verkauf von fünf Immobilien, u. a. in Trier und Celle. 

Warum Highstreet die Immobilie abstoßen möchte, kann mehrere Gründe haben. "Entweder geht es darum, Geld zu machen. Wir haben aber an anderen Standorten auch schon gesehen, dass es eine strategische Entscheidung sein kann, man nach dem Verkauf den Mietvertrag aussitzt und sich dann aus der Stadt zurückzieht", sagt eine Branchenkennerin. Eine Prognose für die nächsten 15 Jahre fällt Einzelhandel- und Immobilienexperten natürlich gleichermaßen schwer.

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