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Rolf Kilian

Unglück

Gießener Forscher und Kanu-Weltmeister stirbt in Chile

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Traurige Nachricht von der anderen Seite der Welt: In Chile ist ein Gießener Forscher ums Leben gekommen. 

Er war ein leidenschaftlicher Wissenschaftler, Lehrer und ein erfolgreicher Leistungssportler. Prof. Rolf Kilian aus Wieseck ist Ende Mai während eines Feldeinsatzes im Nationalpark Torres del Paine in Patagonien (Chile) ums Leben gekommen. Der Mineraloge wollte ein wissenschaftliches Gerät reparieren. Das schlechte Wetter vereitelte sein Vorhaben. Auf dem Rückweg wurde dem 62-Jährigen ein Gletschersee zum Verhängnis.

Gießenern ist Rolf Kilian vor allem als begeisterter und erfolgreicher Kajakfahrer in Erinnerung. Der ehemalige Herderschüler wurde als Mitglied des SKC Gießen mehrfach Deutscher Meister, unter anderem gewann er gemeinsam mit Thomas Beil bei den Meisterschaften auf der Münchener Olympiastrecke 1978 im Zweier Kajak den Titel über 10 000 Meter. Später startete er für Düsseldorf und war unter anderem Weltmeister als Wildwasser-Kanut in der Mannschaft (1985) und Vizeweltmeister im Einzel (1987, Bronze mit der Mannschaft). Auch bei Europameisterschaften errang er eine Reihe von Titeln.

Rolf Kilian wurde in Valdivia (Chile) geboren und kam als Kind mit seinen Eltern (sein Vater war Biologie-Ordinarius an der Justus-Liebig-Universität) nach Wieseck. Nach dem Abitur an der Herderschule studierte er in Gießen und Tübingen Mineralogie (Promotion 1987). 2001 habilitierte er sich an der Universität Trier, wo ihm fünf Jahre später der Titel außerordentlicher Professor verliehen wurde. Später engagierte er sich mit einer zusätzlichen Lehrtätigkeit an der Universidad de Magellanes im chilenischen Punta Arenas.

Seit den frühen 1990er Jahren widmete er sich Fragestellungen zum Thema Klima und Umwelt, Schwerpunkt war die Ökosystemforschung im chilenischen Südpatagonien. In mehr als 20 Jahren Forschungsarbeit in dieser extrem unzugänglichen Region arbeitete er überwiegend von seinen privaten Kleinforschungsschiffen aus an einem besseren Grundverständnis der hochsensiblen Ökosysteme und hielt zusammen mit Kollegen ein Netzwerk mit Klimamonitoring- und Umweltmessstationen in Betrieb. Bei der Exkursion im Mai wollte er die defekte Datenübertragung an einer Messstation wieder in Gang bringen. Es sollte sein letzter Einsatz mit dem Boot werden. Bei seinem letzten Kontakt per Satellitentelefon mit einer Kollegin hatte er von schwierigen Witterungsverhältnissen berichtet.

Neben seiner umfangreichen Tätigkeit in Forschung und Lehre war Rolf Kilian ein leidenschaftlicher Bergsteiger und Alpinist. Vor einigen Jahren zog er mit seiner Lebensgefährtin zurück in sein Elternhaus am Wiesecker Sellnberg. Besonders lag es ihm am Herzen, seine Begeisterung für Natur und Umwelt sowie deren Erforschung an Studierende und Schüler weiterzugeben. (Foto: pm)

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