Der Eindruck täuscht: Noch ist der FC Gießen nicht Herr im Haus im Waldstadion.	(Foto: Schepp)
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Der Eindruck täuscht: Noch ist der FC Gießen nicht Herr im Haus im Waldstadion. (Foto: Schepp)

FC Gießen

Hängepartie ums Gießener Waldstadion

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Die erste Saison des FC Gießen in der Fußball-Regionalliga läuft, Beim Aufsteiger gibt es aber nicht nur einige sportliche Baustellen. Auch die Zukunft des Waldstadions ist noch nicht geklärt.

Diese Tabelle werden sie sich beim FC Gießen gerne anschauen: Auf Platz drei, hinter den Offenbacher Kickers und dem 1. FC Saarbrücken, rangieren die Gießener nach den ersten zwei Heimspielen in der Zuschauer-Tabelle der Regionalliga Südwest. Gut 6000 Zuschauer kamen zu den Begegnungen gegen Homburg und Steinbach-Haiger, am Samstag kommt mit dem FSV Frankfurt ein Gegner, der bereits beim Pokalspiel im November fast 4000 Fans anzog.

Was die Zuschauerzahlen angeht, ist der FC Gießen schon jetzt eine Bereicherung für die Liga. Der »Mythos« Waldstadion, mit dem der FC Gießen eigentliche große Pläne hat, zieht die Fans also weiter an. Daher ist es schon eine Überraschung, dass der Verein immer noch nur Nutzer ist. Wie die Stadt und der FC gegenüber der GAZ bestätigt haben, ist der Erbbaupachtvertrag, der vom Stadtparlament bereits im vergangenen November abgesegnet worden war, bis heute nicht unterschrieben worden. »Wir können den Vertrag so nicht unterschreiben und uns Dinge ans Bein binden, die uns später daran hindern, die Dinge umzusetzen, die wir im Waldstadion vorhaben. Das muss für uns Hand und Fuß haben«, sagt Andreas Heller, der beim FC den Stadionbetrieb organisiert.

FC Gießen: Erbbaupachtvertrag weiter verhandelt

Wie Heller und Magistratssprecherin Claudia Boje bestätigen, wird über den Erbbaupachtvertrag, der den FC Gießen für die nächsten 60 Jahre praktisch zum Eigentümer machen würde, weiter verhandelt. Erst vergangene Woche fand ein erneutes Gespräch, an dem auch FC-Geschäftsführer Jörg Fischer teilnahm, statt. Unterschrieben wurde nichts. »Wir sind immer noch im Stadium des Nutzungsvertrags«, sagt Boje.

Für beide Seiten ist das erst einmal kein Problem, auch wenn es die Stadt lieber sehen würde, dass die Hängepartie beim Waldstadion bald endet. In Abstimmung mit der Stadt konnte der FC die für die höhere Liga notwendigen Bauarbeiten im Stadion durchführen, für die Nutzung der Sportanlage existiert eine alte Baugenehmigung, die unter anderem die maximale Zuschauerzahl auf 4999 beschränkt.

Wie Stadtsprecherin Boje weiter erklärte, laufen auch Gespräche über das Nutzungskonzept, das der Verein für das Stadion entwickelt. Die Vorlage dieses Konzepts wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass weiter am Bebauungsplan für das Waldstadion gearbeitet werden kann. Der befindet sich seit vergangenen November im Stadium der Aufstellung, wann der Stadtverordnetenversammlung eine Entwurfsplanung vorgelegt wird, ist unklar. »Angaben zum weiteren Zeitablauf können wir derzeit nicht machen«, erklärt Boje mit Verweis auf das zwischen Stadt und Verein noch nicht abgestimmte Nutzungskonzept.

Funktionsgebäude Ende 2020 frei

Beim FC Gießen will man offenbar auf Nummer sicher gehen, dass der Bebauungsplan nicht zu Einschränkungen führt, was Zuschauerkapazität und bauliche Veränderungen betrifft. Entscheidende Aussagen, was im und rund ums Waldstadion geht und nicht geht, werden von zwei Gutachten zu den Themen Lärm und Verkehr erwartet, die die Stadt beauftragt hat.

Angesichts dieser Gemengelage steht momentan auch keine Übernahme des Funktionsgebäudes mit der Gaststätte durch den FC Gießen an, der bislang nur den Sanitärtrakt nutzt. Teile des sanierungsbedürftigen Gebäudes werden derzeit von der DLRG und dem Tanzclub Rot-Weiß gegen ein geringes Entgelt als Übergangsdomizil genutzt, weil das Vereinsheim an der Lahn im Januar 2017 abgebrannt ist und erst wieder aufgebaut werden muss. Der Entwurf des Erbbaupachtvertrags sieht vor, dass die beiden Vereine bis spätestens Ende 2020 ausziehen müssen.

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