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Im Rahmen seiner Stadtführungen soll sich Reitz immer wieder negativ über die Nutzung des ehemaligen US-Areals durch die Erstaufnahmeeinrichtung sowie über die dort wohnenden Migranten geäußert und zudem politisch motivierte Aussagen getroffen haben.

Für die AfD im Kreistag

Flüchtlinge diffamiert? So begründet die Gießen Marketing die Trennung vom Stadtführer

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Karl-Heinz Reitz sitzt für die AfD im Kreistag. Viele Jahre führte er Interessierte durch das ehemalige US-Depot. Damit ist es nun vorbei.

Gießen - Die Gießen Marketing GmbH hat sich von ihrem langjährigen Stadtführer Karl-Heinz Reitz getrennt. Der Vorwurf: Der Experte für Gießener Garnisonsgeschichte, der als Fraktionsvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) im Kreistag sitzt, soll sich laut Tilman Bucher, Geschäftsführer des Gießener Stadtmarketings (GiMa), im Rahmen seiner Stadtführungen immer wieder negativ über die Nutzung des ehemaligen US-Areals durch die Erstaufnahmeeinrichtung sowie über die dort wohnenden Migranten geäußert und zudem politisch motivierte Aussagen getroffen haben. "Es gab immer wieder Beschwerden von Teilnehmern, sodass wir Konsequenzen ziehen mussten, denn wir distanzieren uns ganz klar von diskriminierenden, rassistischen und sexistischen Äußerungen", sagt Bucher. Reitz weist die Vorwürfe zurück. Auf GAZ-Anfrage erklärt er: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe zwischen Stadtführungen und Politik immer getrennt und bei Führungen nie Politik gemacht." Dafür - sagt Reitz - habe er 2800 Zeugen.

So viele Menschen sind seinen Angaben zufolge bei den beliebten Führungen zur Gießener Garnisonsgeschichte dabei gewesen, die Reitz seit gut vier Jahren erfolgreich anbietet. "Einige Besucher sind sogar mehrfach gekommen. So viel kann ich also offensichtlich nicht falsch gemacht haben", sagt Reitz.

Das AfD-Mitglied vermutet, dass eine parteipolitische Entscheidung letztlich zur Trennung geführt habe. "Dass ein AfD-Funktionär mit der Stadt zusammenarbeitet, hat im Gießener Rathaus wohl nicht allen gepasst", betont Reitz. "Frau Eibelshäuser hat Anfang 2016 schon einmal versucht, mich loszuwerden", sagt Reitz. Bis Oktober 2016 war SPD-Politikerin Astrid Eibelshäuser in ihrer Rolle als Stadträtin Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Gießen Marketing GmbH. Diese Position hat nun Bürgermeister Peter Neidel (CDU) inne.

GiMa-Geschäftsführer Bucher verweist die Theorie von Reitz ins Reich der Fabeln. "Es gab keine Intervention von Kommunalpolitikern. Das Beenden der Zusammenarbeit ist eine Entscheidung der Gießen Marketing", stellt Bucher klar.

Die Gießen Marketing GmbH hat sich von ihrem langjährigen Stadtführer Karl-Heinz Reitz getrennt

In der Tat hatte es bereits 2016 Gerüchte unter anderem darüber gegeben, Reitz verwende die Bühne der Stadtführung rund um das US-Depot, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen, die sich in der benachbarten Erstaufnahmeeinrichtung befanden. Auch damals hatte bereits ein Gespräch mit ihm und dem damaligen Stadtmarketing-Chef Sadullah Gülec stattgefunden. Auch Gülec-Nachfolger Bucher hatte im vergangenen Jahr erneut das Gespräch mit Reitz gesucht, nachdem Beschwerden einiger Teilnehmer auch an ihn herangetragen wurden. "Das war ein gutes Gespräch. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns einig darüber waren, dass er seine Themen neutral vermitteln soll", erklärt Bucher. Nachdem nun aber erneut Beschwerden aufgekommen seien, habe er in einem zweiten Gespräch die Trennung vollzogen. "Herr Reitz hat mir gegenüber gar nicht bestritten, dass er bestimmte Dinge gesagt hat, an denen Teilnehmer Anstoß genommen haben. Es kann nicht sein, dass ein Stadtführer bei Führungen in der Nähe der HEAE Migranten diffamiert und pauschal in ein schlechtes Licht rückt", betont Bucher. Die Stadtführer arbeiteten zwar alle selbstständig, repräsentierten aber dennoch die Stadt und trügen so zum Image Gießens bei. "Deswegen können wir nicht dulden, dass dort Parteipolitik gemacht wird", sagt Bucher. Reitz bedauert die Entscheidung und weist darauf hin, dass er in den vielen Führungen niemals von einem Teilnehmer darauf angesprochen worden sei, dass er sich unangemessen geäußert habe.

Die GiMa hat die Vermittlung aller geplanten Führungen mit Reitz eingestellt und auf der Homepage mit "Abgesagt" gekennzeichnet. Das betrifft "Auf den Spuren der Amerikaner", "Flugplatz, Fliegerhorst, US-Depot", "Vom Lazarett zum Lohnsteuerausgleich" und die Busfahrt "Auf den Spuren der Garnisonsgeschichte". Reitz bietet einige Führungen nun privat an. Am Sonntag, 16. Juni, führt er ab 14 Uhr von der Zufahrt Lilienthalstraße ins ehemalige US-Depot. 

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