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Die Disco "Nightlife" am Schiffenberger Weg ist seit 2017 geschlossen.

Hells Angels

Ex-Hells-Angel nach Vorfall in Gießener Discothek vor Gericht

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Eine Schlägerei in der ehemaligen Discothek "Nightlife" in Gießen hat jetzt für einen "Hells Angel" noch Folgen: Der einstige Rocker und Türsteher muss 1800 Euro zahlen.

Gießen (khn). Der Vergangenheit entkommt man selten. Auch ein ehemaliges Mitglied der Hells Angels musste das jetzt vor dem Amtsgericht Gießen einsehen. Als Türsteher der mittlerweile geschlossenen Discothek "Nightlife" hatte der heute 33-Jährige im Mai 2016 einen Gast mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Deshalb verurteilte ihn Richterin Elnaz Rezaian zu einer Geldstrafe von 1800 Euro. Damit folgte sie dem Antrag von Staatsanwalt Thomas Hauburger.

Ein Maiabend vor drei Jahren. Ein damals 26 Jahre alter Mann geht mit einer Gruppe in der Discothek "Nightlife" am Schiffenberger Weg feiern. Ein Geburtstag. Die meisten seiner Begleiter kennt der junge Türke nicht. Er ist erst seit etwa einem Jahr in Deutschland, hat mehrere Deutschkurse erfolgreich absolviert und freut sich darüber, bald mit einer geregelten Arbeit beginnen zu können. Angetrunken sei er gewesen, erzählt der ruhige junge Mann vor Gericht.

"Ich habe dann etwas Warmes an meiner Hüfte gespürt und Blut gesehen."

Er habe gesehen, wie es mehrere Meter entfernt Probleme zwischen einigen Personen gegeben habe. Einer, der in diesen Streit verwickelt gewesen sei, habe in seine Richtung gewunken. Plötzlich sei ein Türsteher aufgetaucht, habe ihn an der Hand gepackt und nach draußen ziehen wollen. "Ich konnte damals nicht so gut Deutsch und habe gefragt, was sein Problem ist." Unvermittelt habe er von dem Türsteher eine Kopfnuss erhalten und sei zu Boden gegangen. Als er wieder auf die Beine gekommen sei, sei er nach draußen gebracht worden. Dort sei er aus einem Menschenpulk heraus erneut geschlagen worden. "Ich habe dann etwas Warmes an meiner Hüfte gespürt und Blut gesehen." Jemand hatte dem 26 Jahre alten Mann mit einem Messer drei Mal in den Hintern und einmal in die Hüfte gestochen.

Der junge Mann musste eine Woche stationär im Krankenhaus behandelt werden und konnte zwei Monate nicht arbeiten gehen. Noch heute spürt er Schmerzen, wenn er sitzt. Probleme hatte er aber auch mit seinen Schwiegereltern. "Ich war erst seit kurzem hier in Deutschland, und schon war ich in Ärger verwickelt", erzählt er.

Der Angeklagte gab zu, den Gast in der Discothek geschlagen zu haben - jedoch mit der Faust und nicht mit dem Kopf. Vorangegangen, erzählt er, sei dem Konflikt ein Streit, in dem Mitglieder eines Gießener Boxerclubs verwickelt gewesen seien. Das Opfer, so scheint es, war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Messerstiche konnten dem Türsteher nicht nachgewiesen werden, weitere Schläge vor dem "Nightlife" ebenfalls nicht. "Das war ein Boxer ohne Haare", beschreibt das Opfer einen der Täter vor der Discothek.

Legale Arbeit als Lagerist

Der Angeklagte, sagt sein Anwalt Stephan Kuhn, habe mittlerweile die Kurve bekommen. Zwar stehe noch eine Haftstrafe von einem Jahr wegen einer 2015 begangenen Körperverletzung in einem Dönerladen aus. Die zwölf Vorstrafen jedoch - mehrmals Fahren ohne Fahrerlaubnis, je einmal gefährliche Körperverletzung und Beleidigung - liegen mittlerweile drei Jahre zurück.

Vor zwei Jahren, erzählt der Anwalt, habe sich sein Mandat von dessen "Clubvergangenheit" bei den Hells Angels gelöst. Er sei zusammen mit seiner Freundin in den Ort gezogen, in dem er aufgewachsen ist, habe dort Familie und Freunde. Außerdem arbeite er als Lagerist und verdiene sein Geld mittlerweile legal.

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