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Wenn der städtebauliche Vertrag, den die Stadt am Donnerstag mit Eigentümer Karim Shobeiri geschlossen hat, eingehalten wird, sind die Tage des Schandflecks am Reichensand gezählt.

Samen-Hahn

Samen-Hahn: Durchbruch bei Schandfleck im Reichensand

Vier Tage vor Ablauf der Frist hat die Stadt mit Besitzer Karim Shobeiri einen städtebaulichen Vertrag über die Zukunft des Samen-Hahn-Geländes geschlossen. Bürgermeister Peter Neidel spricht von einem "enormen Durchbruch".

Am Donnerstag - vier Tage vor Ablauf der von der Stadt Gießen gesetzten Frist - hat Karim Shobeiri, neuerdings alleiniger Eigentümer des Samenhaus-Hahn-Geländes, einen städtebaulichen Vertrag mit der Stadt geschlossen. In diesem Dokument verpflichtet er sich, spätestens im Frühjahr 2020 einen Bauantrag für die Fläche an der Ecke Bahnhofstraße/Reichensand einzureichen. Innerhalb von neun Monaten nach der Erteilung der Baugenehmigung muss Shobeiri mit dem Bau begonnen haben. Für die Fertigstellung hat er drei Jahre Zeit. Spätestens im Jahr 2024 dürfte - wenn alles nach Plan läuft - auf dem Gelände des einstigen "Samenhaus Hahn" also nichts mehr an den derzeitigen Schandfleck erinnern.

Vertrag regelt Baubeginn

Bürgermeister Peter Neidel (CDU) ist "ziemlich stolz", dass es gelungen ist, relativ kurz nach der Rettung der Alten Post - auch sie war Jahrzehnte in Besitz der Familie Shobeiri und stand bekanntlich lange leer - nun auch bei der Beseitigung des Schandflecks im Reichensand einen entscheidenden Schritt getan zu haben. "Das ist ein enormer Durchbruch. Ich denke, die Mischung aus Druck und Rücksicht auf tatsächliche Realisierungschancen haben zum Erfolg geführt. Die Verhandlungen wurden anständig geführt", sagt der Bürgermeister. "Das Problem Samenhaus Hahn ist formal gelöst." Sollte sich Shobeiri - der das Grundstück zudem nicht ohne Zustimmung der Stadt veräußern darf - trotz des Vertrags nicht an die Verpflichtung und den Zeitplan halten, kann die Stadt die sofortige Vollstreckung einleiten und Zwangsgelder festsetzen.

Die Stadt hatte den Besitzern eine Frist bis zum 30. Juni gesetzt, um den städtebaulichen Vertrag zu unterschreiben, der zuvor lange und intensiv verhandelt und ihnen vom Magistrat vorgelegt worden war. Andernfalls hätte man ein Baugebot erlassen. Das ist eine Vorschrift aus dem Baugesetzbuch, nach der eine Kommune einen Eigentümer im Geltungsbereich eines Bebauungsplans verpflichten kann, sein Grundstück "innerhalb einer zu bestimmenden angemessenen Frist" zu bebauen. Die Kommune muss aber nachweisen, dass dem Eigentümer die Bebauung wirtschaftlich zugemutet werden kann. "Ich habe Karim Shobeiri klar gemacht, dass ich nach dem 30. Juni auf keinen Fall weiter mit ihm verhandeln werde", betont Neidel.

Kein Schattenboxen

Für die Bebauung sind Shobeiri durch die Gestaltungssatzung für das Areal, mit der ein Nachbau des nach langem Verfall dort 2012 abgerissenen Gebäudes aus dem Jahr 1898 angestrebt wird, enge Grenzen gesteckt. Darin sind von Gestaltungselementen über Materialien und Abmessungen alle wesentlichen Inhalte sehr genau geregelt. Äußerlich muss sich der Bauherr am historischen Vorbild orientieren, eine Rekonstruktion wird aber nicht vorgegeben. Was Karim Shobeiri auf dem Areal genau plant, ist noch offen. Dem Vernehmen nach will er eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe realisieren. "So wie sich die aktuelle Situation negativ auf die Umgebung auswirkt, wird sich die zukünftige Lösung in jedem Fall positiv auswirken. Ich bin überzeugt, dass die Unterschrift von Karim Shobeiri bezeugt, dass der Weg, den wir vorgegeben haben, für ihn auch gangbar ist", erklärte Neidel. Der Bürgermeister ist mittlerweile der siebte Gießener Baudezernent, der sich an einer Lösung für das Areal versucht hat, das seit 1981 in Besitz der Shobeiris ist. Bis vor einigen Jahren ging es dabei stets um eine Sanierung des gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshauses, das dann aber wegen Baufälligkeit abgerissen worden war.

Nun ist der Planungs- und Baudezernent sehr zufrieden mit der Entwicklung. "Ich hatte während der Verhandlungen nie das Gefühl, dass es sich um Schattenboxen handelt. Diese einvernehmliche Lösung ist besser als die Durchsetzung eines Baugebotes. Das hätte sich jahrelang hinauszögern können", sagt Neidel, der noch eine weitere Überraschung bereithält: "Karim Shobeiri hat außerdem in Aussicht gestellt, sich auch der Ringel-Villa an der Westanlage anzunehmen." Auch dieses Haus gehört in den Familienbesitz und verfällt seit vielen Jahren.

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