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Blick aus Richtung Süden über den Stadtwald, die Autobahn und die Marshall-Siedlung auf die riesige Baustelle im früheren US-Depot, auf der ab dem kommenden Jahr Otto sein Logistikzentrum bauen wird.

Firmenansiedlung

Gießen: Ansiedlung von "Otto" scheint fix - Unruhe wegen RP-Aussagen

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Die größte Firmenansiedlung der Nachkriegsgeschichte Gießens, das neue Otto-Logsitikzentrum, scheint politisch unter Dach und Fach zu sein. Aussagen aus dem RP sorgen aber für Unruhe.

Eigentlich könnten sie in der Bau- und Planungsverwaltung der Stadt jetzt erst einmal durchschnaufen. Fast 15 Jahre nach den ersten Beschlüssen des Stadtparlaments zur Zukunft des US-Depots wird die Planung in der Stadtverordnetensitzung am 26. September abgeschlossen. An eine Atempause ist freilich nicht zu denken, denn wenn das Hamburger Unternehmen Otto im kommenden Jahr auf der Fläche des früheren Güterverteilzentrums der US-Armee mit dem Bau des riesigen Logistikzentrums beginnen wird, muss auch die Stadt richtig Gas geben. Straßen und Kreuzungen müssen umgebaut werden, Ampelanlagen errichtet und Radwege angelegt werden, eine Buslinie soll verlegt werden, und auch die Einrichtung eines Bahnhaltepunkts für das Gewerbegebiet Alter Flughafen muss forciert werden. Das alles sollte in zwei Jahren, wenn Otto das "Logistikzentrum Gießen" in Betrieb nehmen muss, fertig sein, damit es im Gießener Osten nicht zum Verkehrskollaps kommt.

Gießen: Lkw-Verkehr weiter Thema

Das Thema Verkehr spielte auch am Dienstagabend im parlamentarischen Ausschuss für Bauen, Planen, Umwelt und Verkehr eine Rolle, als der Bebauungsplan "Am Alten Flughafen III" beraten und als Satzung beschlossen wurde. Das einstimmige Votum, das von der Stadtverordnetenversammlung am 26. September mit Sicherheit bestätigt wird, täuscht über die Bauchschmerzen hinweg, die einige mit dem Megaprojekt haben. "Der Gießener Osten wird durch den zusätzlichen Verkehr deutlich an Lebensqualität verlieren", meinte Michael Janitzki (Gießener Linke). Dass Otto komplett auf die Straße setzt und der Gleisanschluss des Depotareals nur für die ferne Zukunft gesichert werden soll, stieß ebenfalls auf seine Kritik: "Auch Otto muss umdenken." Das tue das Unternehmen schon länger, sagte Klaus-Dieter Grothe (Grüne). Er verwies darauf, dass Otto schon seit vielen Jahren eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolge. Die Alternative zu der Ansiedlung wäre es gewesen, dass Otto andernorts Landschaft verbraucht hätte. In Gießen werde dagegen eine frühere Militärfläche in unmittelbarer Nähe zur Autobahn genutzt. Grothe: "Für Logistik ist das genau der richtige Standort."

Das sieht Heiner Geißler, Fraktionschef der Freien Wähler, im Grunde auch so, aber er zweifelte erneut an, dass der Lkw-Verkehr - es wird jeden Tag zu fast 870 Fahrbewegungen kommen - wie geplant nur die Ring-Anschlussstelle Ursulum nutzen wird. Andernfalls werde die Stadt auf Kosten des Investors zusätzliche Verkehrslenkungsmaßnahmen ergreifen, antwortete der stellvertretende Planungsamtsleiter Stephan Henrich.

Laut Henrich baut Otto in Gießen sein südlichstes Zentrallager. Das bedeute, dass die großen Container-Lkw das Lager von Norden über die A5, das Reiskirchener Dreieck und den Gießener Ring ansteuern werden. Mit kleineren Lkw würden die Waren dann Richtung Süden weitertransportiert.

Gießen: RP-Stellungnahme "schockiert"

Geißler machte auch auf einen anderen Aspekt der Planung aufmerksam, die offensichtlich unter hohem Zeitdruck und "ohne Rücksicht auf Verluste" durchgezogen worden sei. Es geht um eine Stellungnahme des Immissionsschutzdezernats des Gießener Regierungspräsidiums. Die Behörde hat im Rahmen der Trägerbeteiligung "erhebliche Bedenken" gegen die bisherigen Lärmschutzgutachten zum gesamten Gebiet "Alter Flughafen" geäußert und Nachbesserungen angemahnt. Das RP spricht von "offensichtlichen Fehlern", die im Falle einer Klage und gerichtlichen Überprüfung zur Aufhebung aller drei Bebauungspläne für das frühere US-Depot führen könnten. "In dieser Deutlichkeit habe ich das zuvor noch nie gelesen", sagte Geißler. Henrich gab zu, dass das Planungsamt "von der Wortwahl des RP etwas schockiert war". In der Sache indes sieht sich die Stadt auf der sicheren Seite. Das RP gehe von der falschen Annahme aus, dass auf der grünen Wiese und nicht in einem bereits teiweise besiedeltem Gebiet mit Vorbelastungen geplant worden sei. "Unser eigenes Rechtsamt und die Juristen von Otto sind sich sicher, dass wir mit unserer Abwägung richtig liegen", fügte Henrich hinzu.

Bürgermeister Peter Neidel (CDU) sieht vor allem die Chancen, die die Gesamtentwicklung am Alten Flughafen für Gießen biete: "Das wird ein tolles Gebiet mit vielen attraktiven Ansiedlungen."

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