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Die Kita am Schlangenzahl heizt sich im Sommer zu stark auf. Nun muss die Stadt Gießen als Bauherrin in Sachen Gebäudeklimatisierung nachbessern.

Extrem-Hitze

"Alarmstufe rot" in Gießener Kita

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35 Grad im Gebäude gefährden die Gesundheit von Kindern und Personal: Die aufgeheizte Kita am Schlangenzahl schränkt deshalb die Öffnungszeiten ein. Einige Eltern sind verärgert.

Gießen (jri). Alarmstufe rot in der Kindertagesstätte Schlangenzahl: Wegen unerträglicher Hitze und Temperaturen von zum Teil über 35 Grad innerhalb des Gebäudes hat die Kita-Leitung kurzerhand die Betreuungszeiten stark reduziert. Nur bis 12.30 statt bis 17 Uhr öffnete die Einrichtung am Mittwoch und am gestrigen Donnerstag. Sogar eine ganztägige Schließung stand zeitweise im Raum. Auch am heutigen Freitag müssen die rund 100 Kinder bis spätestens 12.30 Uhr abgeholt werden.

Das ärgert mehrere Eltern, die monatlich rund 400 Euro für die Betreuung ihrer Kinder bezahlen. "Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Leider haben wir keine Oma in der Nähe, die einspringen könnte", sagt eine berufstätige Mutter. "Ich verstehe nicht, dass man beim Bau der Kita nicht auf eine bessere Klimatisierung geachtet hat", ergänzt ein Vater. Schon in den Vorjahren waren im Sommer deutliche Hitze-Probleme in der Kita aufgetreten. Die Stadt Gießen als Bauherrin des erst im Jahr 2011 eingeweihten - also relativ neuen - Gebäudes zeigt sich derzeitig noch relativ machtlos gegen die hohen Temperaturen im Inneren der Kita.

"Das Hochbauamt arbeitet aber daran, das Problem der starken Aufheizung zu beheben", sagt die zuständige Dezernentin Gerda Weigel-Greilich. Die große Glasfassade am Eingang des Gebäudes und das Treppenhaus - beides derzeit nicht beschattbar - sollen laut Stadträtin mit Außenjalousien ausgestattet werden. Das dauere aber noch etwas. Als kurzfristige Maßnahme soll von innen eine Folie auf die Fenster geklebt werden. Dies werde in den ersten drei Wochen der Sommerferien geschehen, wenn die Kita geschlossen ist. Die Oberlichter im Dach des Gebäudes, die für hohen Lichteinfall sorgen, aber nicht abgedunkelt werden können, sollen ebenfalls beschattet werden und UV-Filter erhalten. Die Lüftungsanlage sei bereits so eingestellt worden, dass sie nachts kühlere Luft in das Gebäude blase. Dies zeige aber bei den derzeitigen Tropennacht-Temperaturen so gut wie keine Wirkung

Das Evangelische Dekanat Gießen als Träger der Kita warb um Verständnis für die zeitweilige, begrenzte Schließung: "Die bereits morgens um 8 Uhr gemessenen Temperaturen von 34 Grad sind gesundheitsbedrohlich für die Kinder. Auch das Personal hat bereits gesundheitliche Beschwerden wie Kreislaufprobleme gemeldet", teilte Dekanatsprecher Matthias Hartmann mit. Eine Abkühlung der Räume sei nicht gelungen.

Die zweigeschossige, rund 1000 Quadratmeter große Kita war als Niedrigenergiehaus konzipiert worden und hat rund 2,5 Millionen Euro gekostet. Bei der Eröffnung hatte sich der damalige Stadtrat und Baudezernent Thomas Rausch noch darüber gefreut, dass die Gesamt-Baukosten "dank verwaltungseigener Architektenleistungen" rund 120 000 Euro niedriger als geplant gewesen seien. Jetzt wird klar: Bei der Klimatisierung und Beschattung wurde offenbar am falschen Ende gespart.

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