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Angesichts der zu niedrigen Impfquote wünschen sich Fachleute, dass den Unschlüssigen noch ein Licht aufgeht und sie sich für eine Impfung gegen das Coronavirus entscheiden.

Corona-Krise

Hausärzte in Gießen: Wegen Corona ausgebucht bis ins neue Jahr

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Die Hausärzte spielen in der Corona-Impfstrategie des Landkreises eine wichtige Rolle: Sie sollen noch mehr Immunisierungen als bisher anbieten. Das Problem: Bereits jetzt haben einige das Maximum ihrer Kapazitäten erreicht.

Gießen - Die Fachleute finden nicht erst in den vergangenen Tagen deutliche Worte: Dass die Impfzentren geschlossen wurden, erweise sich als großes Problem, sagte zum Beispiel die Infektiologin Susanne Herold von der Uniklinik Gießen gegenüber dieser Zeitung. Das Resultat: Lange Schlangen vorm Impfcontainer auf dem Kirchenplatz, ausgebuchte Termine in der Impfambulanz des Landkreises oder in den Praxen. Alles Menschen, die sich zum ersten Mal gegen das Coronavirus impfen lassen oder ihren Booster abholen wollen. Deshalb appellieren Wissenschaftler und Ärzte mit Blick auf die vierte Infektionswelle, die Impfinfrastruktur wiederaufzubauen - und zwar sofort. Der Landkreis Gießen hat angekündigt, im Gegensatz zu anderen Landkreisen wie Kassel das Impfzentrum in Heuchelheim nicht zu reaktivieren, sondern vorhandene Kapazitäten auszubauen und zu erweitern. Zudem sollen Hausärzte mehr impfen als zuvor. Nur: In den Praxen sind die Impftermine zum Teil bis zum Jahresende belegt. Der Gießener Arzt Dr. Achim Kümmel sagt: »Wir haben bereits jetzt unser Maximum an Impfmöglichkeiten geschaffen.«

Ziel des Landkreises Gießen für Partner: Täglich bis zu 1200 Impfungen

Der Landkreis hatte am Montag mitgeteilt, aktuell durch seine Partner täglich bis zu 600 Menschen zu impfen. Diese Zahl soll spätestens ab dem 5. Dezember verdoppelt werden. »Damit streben wir eine Größenordnung an, die der des Impfzentrums in Heuchelheim gleicht«, sagte Landrätin Anita Schneider. Um dies zu erreichen, sollen die Öffnungszeiten der Impfambulanz ausgeweitet werden. Zusätzlich werde ein weiteres stationäres Angebot geprüft. Ebenfalls im Gespräch sind Impfmöglichkeiten in den Orten, beispielsweise in Bürgerhäusern oder in Sporthallen-Foyers. Außerdem sei weiterhin der Impfbus vor allem in kleineren Ortsteilen unterwegs.

Landrätin Schneider betonte, dass die Hausarztpraxen jedoch erste Anlaufstelle bei der Vereinbarung bei Impfterminen seien - und mit zusätzlichen Impfsprechstunden helfen sollen, die Zahlen zu steigern. Fragt man zum Beispiel Kümmel, sagt er: Jede Praxis impfe bereits jetzt so viel wie möglich. »Wir identifizieren uns mit unseren Patienten und wollen ihnen helfen«, betont er. »Ich stehe hier zum Beispiel abends noch nach der regulären Öffnungszeit der Praxis und impfe die Menschen.« Pensionierte Kollegen hätten bereits ihre Bereitschaft erklärt, ebenfalls zu helfen. Nur: »Im Dezember sind wir bereits ausgebucht«, betont der Allgemeinmediziner. Termine für Jüngere müssten in den Januar verschoben werden. Oder sie werden an andere Impfstellen verwiesen.

Die Praxis von Kümmel ist nicht die einzige, die aktuell ausgebucht ist. Bei Stichproben taucht auf den Internetseiten einiger Praxen der Hinweis »Für die Online-Terminbuchung stehen z. Zt. keine freien Termine zur Verfügung« auf. Eine Praxis teilt mit, alle Online-Termine seien innerhalb weniger Stunden bis Anfang 2022 ausgebucht gewesen. Hinzukomme die Impfpolitik des Bundes. Hintergrund ist die Ankündigung von Gesundheitsminister Jens Spahn, den Corona-Impfstoff von Biontech nur noch begrenzt abgeben zu wollen, damit Millionen Dosen von Moderna nicht verfallen. »Wir wissen im Moment nicht, wie viel Impfstoff wir bekommen und können somit im Moment keine weiteren Termine vergeben«, heißt es in der E-Mail.

Corona in Gießen: Eine Praxiskraft für Impflogistik

Gleichzeitig stoßen die Praxen an ihre Kapazitätsgrenzen. Kümmel erzählt, dass sich in seiner Praxis eine Kraft alleine um die Impflogistik kümmere. Außerdem bricht er eine Lanze für die Arzthelferinnen, die seit zwei Jahren einen schweren Job machen, sich um Anfragen der Patienten kümmern, beschwichtigen, ermutigen und weiterhelfen. In diesem Zusammenhang nennt er ein weiteres Problem: Gerade montags und dienstags sei das Telefon der Praxis durchgehend besetzt, weil viele Menschen wegen der Booster-Impfung anfragen. »Wir machen uns Gedanken, dass uns deshalb ältere Patienten nicht erreichen, die selbst in einem ernsten Fall nicht sofort den Rettungswagen anrufen, sondern es zuerst in unserer Praxis versuchen.«

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