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Das Gießener Unternehmen "Tom & Sally’s" will in Zukunft nachhaltiger agieren.

Mehr Mehrweg

Große Veränderungen bei "Tom & Sallys" in Gießen stehen an

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Bei den Gießener Salat-Experten von "Tom & Sally’s" soll es demnächst noch grüner zugehen. Das Unternehmen hat sich in Sachen Nachhaltigkeit neu aufgestellt,

Gießen - Bei "Tom & Sally’s" stehen Veränderungen bevor. Der Gießener Salat-Laden mit Stammsitz in der Bleichstraße möchte in naher Zukunft "nachhaltiger und grüner" werden. Als ersten Schritt hat das Unternehmen bereits im Januar ein Mehrweg-Pfandsystem eingeführt. Damit will Gründer und Inhaber Tobias Voigt Verpackungsmüll reduzieren. Auch Kunden hätten dies zuletzt deutlich gefordert.

Bereits im ersten Monat sei die Resonanz auf die Umstellung beachtlich gewesen. "Bei unseren Firmenbelieferungen verpacken wir bereits rund 40 Prozent der Bestellungen in die Mehrwegschalen." In den Filialen liege die Quote derzeit bei etwa 10 bis 20 Prozent. "Unser Ziel ist, dass die Mehrweg-Verpackung zum Standard wird", sagt Voigt. Er schätzt, dass das Unternehmen seit der Umstellung bereits bis zu 10 000 Einwegschalen eingespart habe. In einem Jahr seien bisher fast eine halbe Million angefallen.

"Tom & Sallys" in Gießen: Nachhaltigkeit und Geiz ein Gegensatz

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist auch für "Tom & Sally’s" nicht leicht. "Wir denken schon mehrere Jahre darüber nach. Bislang hatten wir aber weder ein passendes Produkt gefunden, noch war die Gesellschaft dazu bereit", glaubt Voigt. Mehr als 100 Mehrwegschalen hat sich das Team angeschaut, über 20 vor Ort getestet. "Ich habe sogar welche aus dem Fenster geworfen, um die Bruchsicherheit zu prüfen", sagt Voigt. Letztlich sei eine Investition von mehr als 50000 Euro nötig geworden, um das Pfandsystem zu installieren. "Tom & Sally’s" geht mit 6000 Schalen an den Start. Interne Abläufe mussten angepasst werden. Auch im Mehrwegsystem sollen die Salate schließlich im Laden auf die Kunden warten und nicht umgekehrt. Zudem wurden zwei neue Mitarbeiter eingestellt, die nur mit dem Spülen der Behälter beschäftigt sind. "Grüner werden bedeutet auch, nicht vor Herausforderungen und Mehrkosten zurückzuschrecken", sagt Voigt. Nachhaltigkeit und Geiz-ist-Geil-Mentalität passten einfach nicht zusammen". Auch "Tom & Sally’s"-Mitbewerber "Salädchen" oder die Metzgerei Manz in der Nachbarschaft bieten bereits unterschiedliche Pfandsystem an.

Für die Hartplastik-Mehrwegschale, die es in zwei Größen gibt, natürlich in grün und mit Firmen-Aufdruck, nimmt "Tom & Sally’s" 10 Euro Pfand. "Wenn wir ein wirtschaftlich interessanteres Produkt aus China genommen hätten, wäre wir mit einem Fünfer ausgekommen, aber uns waren andere Dinge wichtiger", erklärt der Chef. "Ich hoffe, unsere Kunden tragen die Entscheidung mit. Umweltschutz funktioniert nur gemeinsam." Vor Abgabe müssen die Schalen gesäubert werden.

Produziert werden die neue Schalen in den Niederlanden, sie sind BPA-frei, komplett recycelbar und hitzebeständig. Ein Haken: Für die Dressings hat Voigt noch keine Lösung gefunden. Das wird weiterhin in den bisherigen Schalen angeboten. Im nächsten Schritt sollen Kunden aber die Möglichkeit haben, sich das Dressing an der Theke direkt auf den Salat gießen zu lassen.

"Tom & Sallys" in Gießen: Auch Einweg wird umgestellt

Auch die Einwegverpackung will Voigt umstellen. Sobald die aktuelle Lagerbestände aufgebraucht sind, wird eine Einwegschale aus recyceltem Kunststoff (rPET) zum Einsatz kommen. Zudem werde die Verpackung für Brote in Kürze auf Papier umgestellt. Und auch im Fuhrpark mit 15 Fahrzeugen soll es Veränderungen geben. "Das erste Auto fährt bereits mit Erdgas. Wir werden das Stück für Stück umbauen", erklärt Voigt. Durch die Einführung saisonaler Winter- und Sommerkarten soll außerdem der Schritt zu mehr Regionalität gelingen. Nach etwa drei Jahren ohne große Veränderungen im Angebot, sei es dafür nun Zeit. Damit einher geht dann zum 1. Mai auch eine Preiserhöhung. Zudem soll in diesem Jahr ein Online-Shop für Lieferungen an den Start gehen.

Bei der Recherche zum Mehrweg-System ist Tobias Voigt auch darauf gestoßen, dass die bisher verwendeten Einwegbehälter zwar als "biologisch abbaubar" gelten, dies aber - gekennzeichnet durch den Zusatz "industriell" - nur unter ganz bestimmten Bedingungen (mindestens 60 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit). "Das ist für mich eine Irreführung durch die Verpackungsindustrie, auf die wir 2014 hereingefallen sind", sagt Voigt. Seitdem nutze man die PLA-Schalen. Industriell kompostierbar bedeute leider, dass die Schalen weder auf den eigenen Kompost gehörten, noch in den Biomüll.

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