Horst Wißner im Dürerhaus Kühn. Das Geschäft am Kreuzplatz war fast 33 Jahre lang sein Dreh- und Angelpunkt.
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Horst Wißner im Dürerhaus Kühn. Das Geschäft am Kreuzplatz war fast 33 Jahre lang sein Dreh- und Angelpunkt. 

Nachruf

Horst Wißner: Große Trauer um ein Gießener Original

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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In Ruhe als Rentner den Garten an der Lahn genießen. Das war Horst Wißner nur drei Jahre lang vergönnt. Jetzt ist das Gießener Original verstorben. Ein Nachruf.

Aufgewachsen in der Steinstraße, Schulausbildug in der Schillerschule, als Sanitär-Großhandelskaufmann in mehreren Gießener Unternehmen tätig. Keine Frage, Horst Wißner war ein echter Schlammbeiser. Bekannt geworden ist der Mann, der am Montagabend nach schwerer Krankheit zwei Monate vor seinem 67. Geburtstag verstorben ist, aber vor allem als Mitarbeiter und später als Chef einer Gießener Institution. Horst Wißner war bis zur Schließung des Ladens am 30. Dezember 2016 fast 33 Jahre lang "im Geschäft", wie er das Dürerhaus Kühn am Kreuzplatz nannte.

Dem Dürerhaus hatte er zunächst gemeinsam mit seinem Partner, dem 2004 verstorbenen Peter Kühn, und später gemeinsam mit einem kleinen Mitarbeiterstab seinen persönlichen Stempel aufgedrückt. Egal, ob man Karten für ein Spiel der Eintracht brauchte oder für ein Konzert in der Alten Oper - im Dürerhaus Kühn wurde man fündig. Das galt selbstverständlich auch für Räuchermänner, Engel aus dem Erzgebirge, Pyramidenkerzen oder Gießen-Souvenirs. Kurzum: Das Dürerhaus war ein weit über die Grenzen der Stadt begehrtes Fachgeschäft für Kunsthandwerk und Krimskrams.

Gießen: Dürerhaus mit viel Herzblut betrieben

Und Horst Wißner konnte sich selbst kurz vor der Schließung zum Jahresende 2016 kaum ausmalen, wie ein Leben ohne den täglichen Gang zum Kreuzplatz aussehen sollte. "So richtig vorstellen kann ich mir das Rentnerdasein nicht. Dafür hänge ich zu sehr am Dürerhaus", hat er wenige Monate vor der Schließung im Gespräch mit dieser Zeitung gesagt.

Zugleich wusste er, dass er das Haus nicht ewig würde weiterführen könnte. Das wurde ihm nicht nur durch einen Herzinfarkt 2015 verdeutlicht. Erleichtert wurde ihm die Entscheidung auch vom veränderten Konsumverhalten der Menschen. Immer mehr Kunden ziehen das Internet der Ladentheke vor.

Darüber, dass es dennoch viele Innenstadtbesucher gab, die auf einen Sprung ins Dürerhaus kamen, weil sie "dem Horst mal Hallo sagen" wollten, hat sich der Kaufmann mit Leib und Seele gefreut. Schließlich hat er sein Geschäft nicht nur der schwarzen Zahlen wegen, sondern auch mit viel Herzblut betrieben.

Auch wenn es in seiner aktiven Dürerhaus-Zeit bis Ende 2016 wenig Freiraum für Hobbys gab, blieb Horst Wißner stets vielseitig interessiert. So war er früher beim Gießener Rot-Weiß-Club und dem TSC Schwarz-Gelb Nidda als Tänzer im Standard-Formationstanz sportlich aktiv und darüber hinaus Turnierleiter bei großen Tanzsportveranstaltungen.

Gießen: Horst Wißner wusste nicht, dass Karibik-Kreuzfahrt seine letzte Reise sein würde

Als Gießener Original war Horst Wißner zudem ein "Fünfziger durch und durch". So beschrieb er sich vor einigen Jahren selbst. Und dieses Engagement lebte er auch.

Ob bei Stammtischen oder als Pressewart seines Fünfziger-Jahrgangs 1953/03 - mit den Alterskameraden war er gerne und regelmäßig unterwegs, ob bei der großen Fahrt ins Spielerparadies Las Vegas oder beim Grillen auf dem eigenen Grundstück an der Lahn. Auf dem Fluss schipperte er im Sommer gerne mit seinem kleinen Motorboot.

Überhaupt hat er in seinen letzten Lebensjahren das Reisen für sich entdeckt - auch auf ganz großen Schiffen. So hat er sich zu seinem 65. Geburtstag eine Karibik-Kreuzfahrt geschenkt. Amsterdam zum Jahreswechsel 2018/19. Eine weitere Tour führte ihn im vergangenen Sommer nach Wien.

Er wusste damals nicht, dass es seine letzte Reise sein würde. Zum 67. Geburtstag am 18. April hatte er bereits eine Kreuzfahrt gebucht. Doch die sollte ihm nicht mehr vergönnt sein. Der Krebs war schneller.

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