Noch ist nicht klar, was aus dem Gail-Gelände in Gießen werden wird.
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Noch ist nicht klar, was aus dem Gail-Gelände in Gießen werden wird.

Stadtentwicklung

Gießen: Wird das Gail-Gelände für den Wohnungsbau freigegeben?

  • Burkhard Möller
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Gespräche zwischen Stadt und dem Eigentümer des Gail-Geländes in Gießen laufen. In kleinen Schritten nähern sich beide Seiten einer Planung für die große Industriebrache an.

Gießen – An einigen Stellen sind Schutt und Trümmer ein bisschen aufgeräumt worden, aber ansonsten hat sich auf dem riesigen Gail-Gelände, das Anfang 2018 von der Piräus-Bank an die Berliner Intown-Gruppe verkauft wurde, kaum etwas getan. In der 17,5 Hektar großen Industrieruine lagern Unmengen an Bauschutt und anderer Abfall in Hallen und Höfen. Im Hintergrund indes laufen zwischen Stadt und Eigentümer weiterhin Gespräche über eine neue Nutzung des Geländes. Laut Bürgermeister Peter Neidel liegen mittlerweile zwei Gutachten zu Geruchs- und Lärmfragen vor. »Mit dem Eigentümer führen wir seit geraumer Zeit Abstimmungsgespräche zu möglichen Festsetzungen von Nutzungen in einem Bebauungsplan«, erklärte der CDU-Bau- und Planungsdezernent dieser Tage auf Anfrage. Flankierend zum Bebauungsplan soll ein städtebaulicher Vertrag, den die Stadt und die Eigentümer abschließen würden, auf den Weg gebracht werden. Parallel liefen die »politischen Abstimmungen«, fügte Neidel hinzu.

Gail-Gelände in Gießen: CDU schlägt Wohnnutzung vor

Was die betrifft, gab es vor einigen Tagen einen überraschenden Vorstoß der CDU. Fraktions- und Parteichef Klaus Peter Möller brachte für die Überplanung der Industriebrache eine Wohnnutzung ins Spiel, die angesichts der Lage des Geländes weitab von der nächsten Wohnbebauung und der industriell geprägten Umgebung als ausgeschlossen galt. »Selbst, wenn von den rund 20 Hektar Fläche nur ein Teil von zehn bis 20 Prozent einer Wohnbebauung zugeführt würde, könnten so über 200 neue Wohnungen entstehen«, erklärte Möller und sieht das frühere US-Depot als Vorbild. Dort wurden in einem Teilbereich Wohnungen gebaut. Auch die Gail-Flächen könnten als »Mischgebiet« ausgewiesen werden.

Der CDU-Vorstoß könnte damit zusammenhängen, dass in dem Geruchsgutachten angeblich steht, dass die entsprechenden Belastungen durch die nahen Industrieanlagen nicht derart stark seien, dass man dort nicht wohnen könne. Eine Wohnnutzung indes käme einer geplanten Zersiedelung gleich.

Gail-Gelände in Gießen: Ursprünglich waren Gewerbeflächen geplant

Als Intown vor zweieinhalb Jahren zugriff und das Areal erwarb, war von einem Gewerbe- und Logistikpark die Rede. Nutzungen wie großflächiger Einzelhandel und Wohnen schloss die Stadt an diesem historischen Industriestandort bislang aus. In der Umgebung entstanden Müllverbrennungs- und -sortieranlagen, die nächste Wohnbebauung liegt weit entfernt am Oberauweg.

Als Zwischen- und Dauernutzer haben sich auf dem Areal aber auch Dienstleister und Behörden niedergelassen. Die Gebäudezeile, in der sich der Zoll im Sommer eingemietet hat, hatte sich beim Verkauf des Geländes ein Unternehmer aus dem Lahn-Dill-Kreis gesichert. Größter Mieter ist ein Fitnessstudio.

Historisches Gail-Gelände in Gießen: Eigentümer soll Haus abdichten

Gegen eine Wohnnutzung spricht auch, dass die Gewerbeflächen in der Stadt langsam knapp werden und sich die Stadtpolitik in seltener Einmütigkeit zudem von den Gewerbeflächen bei Lützellinden verabschieden und nun auch Wohnungen auf der Industriefläche des Brauhauses an der Marburger Straße ermöglichen will.

Ein akuter Handlungsbedarf im Gail-Gelände betrifft das denkmalgeschützte historische Verwaltungsgebäude an der Hauptzufahrt, das vom Verfall bedroht ist. Alle Fenster sind eingeworfen, Vandalen haben im Gebäudeinnern gewütet, und es besteht die Gefahr, dass eindringende Nässe die Bausubstanz angreift.

Wie die für den Denkmalschutz zuständige Stadträtin Astrid Eibelshäuser (SPD) gegenüber der GAZ erklärte, steht die städtische Denkmalbehörde im Kontakt mit dem Eigentümer und habe ihn bereits aufgefordert, Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. »Dazu zählen unter anderem einfachste Maßnahmen wie die Schließung und Abdichtung von Fenstern und Türen sowie des Daches«, erklärte Eibelshäuser. Der Eigentümer sei dahingehend auch bereits aktiv geworden.

Vor dem Haus steht zwar ein Container für Bauschutt und zerstörtes Mobiliar, aber abgedichtet waren bis zum gestrigen Donnerstag weder die eingetretenen Türen noch die zertrümmerten Fenster.

Das frühere Comptoirgebäude und Wohnhaus wurde 1892 von Wilhelm Gail errichtet und steht in der Bautradition des Historismus - noch.

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