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Im Wartebereich des Gießener Bahnhofs wird im Februar 2018 eine vermeintliche Bombe gefunden.

Amtsgericht Gießen

Nach Fund von Bombenattrappe am Bahnhof: Verdächtiger war in Gießen gestrandet

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
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Im Februar 2018 schlagen Bundespolizisten im Gießener Bahnhof wegen einer vermeintlichen Bombe Alarm. Nun hat der Prozess gegen einen 28-Jährigen begonnen. Der beteuert, nichts mit der Attrappe zu tun zu haben.

Gießen – Der 5. Februar 2018 ist ein Montag. Noch ist alles ruhig am Bahnhof in Gießen, doch bald beginnt der Ansturm der Pendler. Beamte der Bundespolizei gehören zu den wenigen, die gegen 5 Uhr vor Ort sind. Aus dem geschäftigen Treiben an den Gleisen wird jedoch vorerst nichts: Der Bahnhof wird zwei Stunden lang gesperrt, weil auf einer Bank in der Wartehalle verdächtige Gegenstände liegen: zwei zylinderförmige Behälter und eine Flasche mit einer unbekannten Flüssigkeit: Bombenalarm am Bahnhof. Gestern musste sich wegen dieses Fundes ein 28 Jahre alter Mann am Amtsgericht Gießen verantworten. Ihm wird die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat vorgeworfen. Der aus Osthessen stammende Angeklagte betont jedoch entschieden, nichts mir der Sache zu tun zu haben.

Prozess nach vermeintlichem Bomben-Alarm: Verstärkte Sicherheit auch am Bahnhof Gießen

Bahnhöfe werden weltweit immer wieder Ziel von Anschlägen. Seit vielen Jahren ist deshalb die Sicherheit auch an dieser Stelle erhöht: Die Kameraüberwachung gehört zum Standard, und an das Bild von mit Maschinengewehren bewaffneten Bundespolizisten haben sich Bahnfahrer schon längst gewöhnt. Die Videoaufnahmen von jenem frühen Montagmorgen spielen eine wichtige Rolle in dem Verfahren. Denn auf diesen ist der Angeklagte zu sehen, wie er sich gegen 4 Uhr im Wartebereich des Bahnhofs aufhält. Das bestreitet der Osthesse auch nicht.

Er erzählt Richterin Birgit Ruppel, dass er an jenem Abend zum ersten Mal in Gießen gewesen sei. Er sei dort gestrandet, weil er den letzten Zug verpasst habe. Am Bahnhof habe er eine junge Frau kennengelernt, die ihn mit auf eine Abiparty genommen habe. Bei seiner Rückkehr habe er im Bahnhof eine Tüte mit einer Wasserflasche und eine Flasche Jägermeister dabei gehabt. Von den zylinderförmigen Behältern sowie der Flasche mit »Glyzerin«, wie Richterin Ruppel präzisiert, habe er jedoch keine Kenntnis. »Ich bin doch nicht irre«, sagt er zu den Vorwürfen, die Amtsanwalt Martin Sorg zuvor in der Anklageverlesung genannt hat. »Zu welchem Zweck sollte ich das tun? Ich habe doch ein wunderschönes Leben«

Amtsgericht Gießen: Prozess wegen vermeintlichem Bomben-Alarm wird fortgesetzt

Auf den Videoaufzeichnungen von jenem Morgen ist zu sehen, wie sich der Angeklagte gegen 4 Uhr im Wartebereich des Bahnhofs aufhält und etwas in den Müll wirft. Es gibt Fingerabdrücke von ihm auf einer Chipstüte in einem Mülleimer sowie auf einer schwarzen Tüte, in der sich die Attrappe befunden haben soll.

Der einzige geladene Zeuge am Dienstagmittag, ein Bundespolizist, kann wenig zur Aufklärung beitragen. Er hatte von Kollegen aus der Nachtschicht lediglich eine Lagebeschreibung erhalten und gesehen, wie die Bombenentschärfer gegen 6.45 Uhr am Gießener Bahnhof anrückten. Die gaben kurz darauf Entwarnung: Nein, Sprengstoff sei der Fund definitiv nicht.

Nun soll der Prozess Ende März mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden.

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