"Gießen hat mir Freunde fürs Leben geschenkt"

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"Ich hatte schon als Kind den Wunsch, nach Deutschland auszuwandern. Ich war elf Jahre alt, als ich das zum ersten Mal meinen Eltern erzählt habe." Damals konnte Mirka Holsteinova kaum hoffen, dass dieser Traum einmal wahr würde. Sie lebte in der Tschechischen Republik auf der anderen Seite des "Eisernen Vorhangs". Inzwischen hat die 42-Jährige mehr als die Hälfte ihres Lebens in der Bundesrepublik verbracht, 19 Jahre davon in Gießen. Sie ist eine von drei Einwohnern der Stadt, die im tschechischen Pilsen geboren wurden.

"Ich hatte schon als Kind den Wunsch, nach Deutschland auszuwandern. Ich war elf Jahre alt, als ich das zum ersten Mal meinen Eltern erzählt habe." Damals konnte Mirka Holsteinova kaum hoffen, dass dieser Traum einmal wahr würde. Sie lebte in der Tschechischen Republik auf der anderen Seite des "Eisernen Vorhangs". Inzwischen hat die 42-Jährige mehr als die Hälfte ihres Lebens in der Bundesrepublik verbracht, 19 Jahre davon in Gießen. Sie ist eine von drei Einwohnern der Stadt, die im tschechischen Pilsen geboren wurden.

Mirka Holsteinova lernte Deutsch in der Schule und schaute oft deutsche Fernsehsender. "Ich fand die Nachrichten cool – man merkte ihnen die Pressefreiheit an. Und die Sprache hat mir sehr imponiert. Man kann mit diesem großen Wortschatz mehr ausdrücken als auf Tschechisch." Als sie nach Ende des Kalten Kriegs in ihrer Heimat einen deutschen Mann kennen und lieben lernte, gab es keine Verständigungsprobleme. Das Paar heiratete schnell und zog zunächst nach Aachen, dann in die Nähe von Weilburg.

"Immer Unterstützung bekommen"

"Wir haben uns auseinandergelebt. Der Haussegen hing schief", beschreibt sie das Ende ihrer Ehe. Sie fand eine Ausbildungsstelle zur Außenhandelskauffrau in Gießen. 23 Jahre war sie alt, als sie erstmals am Bahnhof ankam. Bis heute symbolisiert das Gebäude für sie Freiheit. "Das war mein erster Schritt in die Zukunft."

Die erwies sich nicht immer als leicht. Doch "Gießen hat mir wunderbare Menschen geschenkt, Freunde fürs Leben. Wenn ich Unterstützung gebraucht habe, habe ich sie bekommen" – sowohl von Privatleuten als auch von Ämtern und Einrichtungen. So fand Mirka Holsteinova zur Lebenshilfe. Dort arbeitet sie im Café einer Behindertenwerkstatt und als Malerin. "Meine Berufung", sagt die Frau, die in ihrer Freizeit Gedichte schreibt. "Einige meiner Bilder hängen im Atelier 23 im Seltersweg. Letztes Jahr ist mein Gedicht ›Weißt du‹ von einem Verlag veröffentlicht worden", erzählt sie stolz.

In Gießen lernte sie zudem "ihre große Liebe" kennen. Seit 17 Jahren lebt sie mit ihrem Partner zusammen. Mirka Holsteinovas Fazit: "Die Stadt gehört nicht zu den schönsten, doch sie hat ein gutes Herz. Ich habe sie lieb gewonnen."

Mit der Tschechischen Republik verbindet sie inzwischen nur wenig. "Das ist traurig, denn dort sind meine Wurzeln. Aber meine Eltern und Geschwister leben inzwischen in England." Was sie vermisst? "Süßigkeiten!" Vor allem "Tatranka", eine Haselnuss-Schnitte. Beim Wort "Heimat" denkt Mirka Holsteinova an Gießen. "Heimat ist, wo mein Schatz ist."

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