+
In Gießen gibt es noch (Stand 2018) 2700 preisgebundene Sozialwohnungen, ihre Zahl soll durch Kauf von Belegungsrechten und Zubau in den nächsten Jahren steigen.

Mietwohnungen

Gießen: Neue Regeln bei Vergabe von Sozialwohnungen

  • schließen

Wenn es um die Vergabe der knapp 2700 "echten" Gießener Sozialwohnungen geht, soll es möglichst gerecht zugehen. Dafür soll bald eine neue Richtlinie sorgen.

Man hat diese Geschichten schon zur Genüge gehört: Die Flüchtlingsfamilie, die sich erst kurz im Land aufhält, kriegt gleich eine Sozialwohnung, der deutsche Senior, der sich jahrzehntelang den Buckel krumm geschuftet hat und nur über eine kleine Rente verfügt, schaut in die Röhre. Einen Anspruch auf eine Sozialwohnung, vorausgesetzt sie können einen Wohnberechtigungsschein vorweisen, hätten in Gießen beide. Ab 1. September werden sie gemäß der neuen "Registrier- und Vergaberichtlinie für öffentlich geförderte Wohnungen" Zielgruppen zugeordnet. Familien mit minderjährigen Kindern rangieren auf Rang drei der Zielgruppen-Tabelle, ältere Menschen ab 60 Jahre auf Rang fünf. Ganz vorne auf Platz eins stehen Schwangere, auf dem letzten Rang sechs Alleinstehende.

Es ist eine ausgeklügelte Grundlage für die Vergabe von Sozialwohnungen, die sich die vermietenden Wohnungsbaugesellschaften, die Wohlfahrtsverbände, der Mieterverein und der Arbeitskreis soziale Sicherung seit der Erstellung des Gießener Wohnraumversorgungskonzepts vor drei Jahren erarbeitet haben. Definiert werden Dringlichkeitsstufen, Lebenslagen, eine Zielgruppenzugehörigkeit und ein Ranking für die Ortsbindung. Aus Rängen werden Punkte, die am Ende zur einer Einstufung führen, wie dringlich im Falle des Bewerbers die Zuteilung einer öffentlich geförderten Wohnung ist. Bei gleicher Punktzahl wird der Bewerber bevorzugt, der schon länger wartet.

"Die Wohnungsvergabe ist ein sensibler Bereich, da stellt sich schnell die Gerechtigkeitsfrage. Deshalb wollen wir mir dieser Richtlinie eine größtmögliche Transparenz für alle Beteiligten herstellen", erklärt Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz. Das letzte Wort bei der Vergabe habe aber weiterhin das vermietende Unternehmen.

Über allen Kriterien steht das Motto Gießen(er) First: "Anträge von Personen mit Wohnsitz außerhalb von Gießen können nur in Ausnahmefällen berücksichtig werden, wenn eine langjährige Bindung an Gießen nachgewiesen werden kann", heißt es in der Richtlinie. An diesem Grundsatz habe sich die Stadt schon bislang orientiert, "aber jetzt ist das auch klar festgelegt", erklärt die OB zu diesem Aspekt. "Wir können nicht der Zentralversorger für die ganze Region sein", betont die SPD-Sozialdezernentin und begrüßt die Anstrengungen des Landkreises, in den Kreisgemeinden mehr sozialen Wohnraum zu schaffen.

Fast 2700 Sozialwohnungen

Dass die Stadt zusätzliche Kriterien für die Vergabe erlässt, hat mit der angespannten Wohnungssituation zu tun. Seit dem vergangenen Jahr ist Gießen gemäß einer Landesverordnung ein "Gebiet mit erhöhtem Wohnungsbedarf". Dies erlaubt es der Stadt, bei Anträgen auf Erteilung eines Berechtigungsscheins neben der Einkommenssituation und Angaben zur Zahl der Haushaltsmitglieder zusätzliche Kriterien abzufragen und eine Einstufung der Dringlichkeit vorzunehmen. Passieren soll das künftig beim "Fachdienst Wohnen" im Sozialamt, der ebenfalls zum 1. September eingerichtet wird.

Nach Angaben der Stadt gibt es in Gießen (Stand 2018) rund 2700 preisgebundene Sozialwohnungen, davon rund 1700 im Bestand der stadteigenen Wohnbau GmbH. Im vergangenen Jahr wurden knapp 1110 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt, bis Juni diesen Jahres rund 500. Die Wohnbau hat insgesamt über 7000 Wohnungen. Aufsichtsratsvorsitzende Grabe-Bolz geht davon aus, dass die Wohnbau auch bei der Vergabe ihrer nicht preisgebundenen Wohnungen die Richtlinie zur Richtschnur machen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare