Die bei Weitem teuerste Investition für die Universität Gießen war im vergangenen Jahr die endlich fertiggestellte Kleintier- und Vogelklinik. ARCHIVFOTO: KW
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Die bei Weitem teuerste Investition für die Universität Gießen war im vergangenen Jahr die endlich fertiggestellte Kleintier- und Vogelklinik. ARCHIVFOTO: KW

Hochschul-Haushalt

Uni Gießen: Finanz-Minus ist gewollt

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Eigentlich verspricht der Hochschulpakt deutliche Verbesserungen. Trotzdem muss die Uni Gießen in den nächsten Jahren laut dem Finanzabschluss 2019 besonders diszipliniert haushalten. Dabei sind die Folgen des Hackerangriffs und der Coronakrise noch gar nicht eingerechnet.

Das Minus ist gewollt. Über Jahre hat die Justus-Liebig-Universität ihre finanziellen Rücklagen abgebaut, wie es die Landesregierung gefordert hat. Damit ist ab dem nächsten Jahr Schluss. Deshalb seien "auf allen Ebenen eine konsequente Haushaltsdisziplin und klare Prioritätensetzungen" gefordert. Das erklärte die Uni-Kanzlerin Susanne Kraus bei der Vorstellung des Jahresabschlusses für 2019 im Senat.

Darin sind die Folgekosten des Hackerangriffs vom 8. Dezember noch gar nicht eingerechnet, der die JLU für Wochen in den Offline-Modus zwang. Auch die aktuelle Corona-Krise spielt in dem Zahlenwerk keine Rolle.

Mehr Geld und mehr Aufgaben

Die JLU hat das Jahr 2019 wie geplant mit einem negativen Ergebnis abgeschlossen. Es liegt bei 18,4 Millionen Euro. In diesem Jahr greift die Universität noch einmal die Rücklagen - ihr "Sparbuch" - an und tritt zugleich in einen Konsolidierungsprozess ein.

Laut Kraus strebt die Uni für 2021 einen ausgeglichenen Haushalt an. Das werde eine Herausforderung, denn es gelte erhebliche Zusatzbelastungen zu stemmen. Zwar verspricht der neue Hessische Hochschulpakt für die Jahre 2021 bis 2025 eine substanzielle Verbesserung und durch eine jährliche Steigerung von vier Prozent mehr Planungssicherheit. Damit verbunden seien jedoch vielfältige neue Aufgaben, so die Kanzlerin. Dazu zählen 31 neue Professuren, die nicht komplett ausfinanziert seien, oder Nachhaltigkeitsziele. Neue Studiengänge sind unter anderem für Pflege und Psychotherapie geplant. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und für Studierende wie Wissenschaftler attraktiv zu bleiben, seien weitere Investitionen in eine zeitgemäße Infrastruktur nötig; etwa in bauliche Sanierungen, Neubauten und Geräte.

Die Justus-Liebig-Universität hat in diesen Modernisierungsprozess im Jahr 2019 insgesamt 120,9 Millionen Euro investiert. 93 Mio. davon flossen in Neubaumaßnahmen, die bezahlt wurden aus dem Heureka-Programm des Landes, Investivmitteln aus dem Bund-Länder-Programm HSP 2020 sowie Eigenmitteln der Hochschule.

Den Großteil davon verschlang die neue Kleintier- und Vogelklinik. Sie wurde im Januar dieses Jahres bezogen nach achteinhalb Jahren Bauzeit mit etlichen Pannen - falsche Käfige, Planungsbüro-Pleiten, Keime in Wasserleitungen. Als Baukosten wurden zu Jahresbeginn 89 Millionen Euro genannt. 79 Millionen Euro führt Kraus’ Jahresabschluss 2019 auf. Weitere 27,9 Millionen Euro steckte die Uni in die Ausstattung von Neubauten sowie bestehender Einrichtungen mit wissenschaftlichem Gerät.

Die Erträge der Universität sind von 420,6 Millionen Euro im Jahr 2018 auf 425,4 Mio. gestiegen. Auf die Grundfinanzierung des Landes entfielen davon 265,5 Millionen, woraus unter anderem die gestiegenen Personalkosten zu finanzieren waren.

"Weiterhin erfolgreich" behaupteten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der JLU in einem "hochkompetitiven Wettbewerb um Forschungsfördermittel", heißt es. Sie warben Drittmittel in Höhe von 75,1 Millionen Euro ein - insbesondere von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesforschungsministerium sowie der Europäischen Union. Das ist etwas weniger als im Vorjahr (76,9 Mio.).

Insgesamt hat die JLU eigene Einnahmen in Höhe von 110 Mio Euro erzielt. Dazu zählen 8,8 Millionen aus dem Landesexzellenzprogramm Loewe. Weitere Zuweisungen gab es zur Qualitätssicherung in der Lehre, für den Aufbau zusätzlicher Studienplätze sowie Mittel aus dem Innovations- und Strukturentwicklungsbudget im Gesamtumfang von 37,7 Mio. Euro. Weitere Einnahmen erzielen zum Beispiel die Tierkliniken.

Zahnklinik geplant

Der Sanierungsstau ihrer Altbauten macht der Universität weiterhin zu schaffen. Sie sei "nicht in der Lage, den gesamten Gebäudebestand angemessen zu unterhalten", heißt es im Rechenschaftsbericht des Präsidiums für 2019. Vielerorts sei nur Flickwerk möglich wie Sanierungen bei Stromversorgung, Aufzügen oder Lüftung. Eine Reihe größere Bauvorhaben seien bis 2031 geplant. Auf der Liste steht unter anderem ein Neubau der Zahnmedizin, über deren Erhalt seit Jahren debattiert wird.

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