Am Mittwoch geriet ein Graureiher in den grünen Algenteppisch. Die Feuerwehr rettete das Tier. 
+
Am Mittwoch geriet ein Graureiher in den grünen Algenteppisch. Die Feuerwehr rettete das Tier. 

Algenplage

Gießen: Feuerwehr rettet Graureiher - Große Gefahr für Wasservögel

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Der Algenteppich auf dem Schwanenteich bedroht die Wasservögel. Am Mittwoch zog die Feuerwehr einen völlig entkräfteten Reiher aus dem grünen Morast. Abhilfe gegen das Problem ist nicht in Sicht.

Gießen (mö). Es waren Szenen am Mittwoch am Schwanenteich, wie man sie von Fernsehberichten über Tankerunfälle vor einer Meeresküste kennt. Der Vogel hatte sich in der zähflüssigen Masse verfangen, schlug mit den Flügeln und drohte zu ertrinken. Die herbeigerufene Feuerwehr zog den entkräfteten Graureiher aus dem Wasser und lieferte ihn in der Tierklinik ab.

Glücklicherweise geht es in diesem Fall nicht um Schweröl, sondern um ein biologisches Problem. Im Schwanenteich sind vor einigen Wochen erstmals Fadenalgen aufgetreten. Seit dem ersten GAZ-Bericht vor einer Woche hat sich die Lage weiter verschärft. Je nachdem, wie der Wind steht, werden die grünen Algenklumpen zusammengetrieben und bedecken den Teich in einigen Bereichen vollständig. Auf diesem Teppich im nördlichen Bereich war auch der Reiher gelandet und in Not geraten, berichtet Augenzeuge Christoph Seyfert, der die Feuerwehr rief. Rund ein Dutzend Leute hätten die Rettungsaktion verfolgt.

Gießen: Algenproblem ohne "schnelle Lösung"

Eine "schnelle Lösung" für das Algenproblem gibt es laut Stadt indes nicht. "Bei Entnahme der Algen sind sie kurze Zeit später wieder da", erklärt Pressesprecherin Claudia Boje unter Verweis auf eine Stellungnahme des Umweltamts. Das Problem scheine nun häufiger aufzutauchen, verweist Boje auf das Beispiel Bad Karlshafen in Nordhessen, wo das Hafenbecken von den Fadenalgen befallen ist. Dort wurden Schilf und Rohrkolben gepflanzt, die wie eine biologische Kläranlage wirken und dem Wasser Nährstoffe entziehen sollen, die das Algenwachstum begünstigen. Dazu die Stadt: "Wir werden diese Pilotversuche beobachten, im Austausch bleiben, intern beraten - auch mit dem Naturschutzbeirat."

Allerdings hat das Umweltamt bislang offenbar nicht auf dem Schirm. dass von den Algen sozusagen eine mechanische Bedrohung für Wasservögel ausgehen kann, die in den grünen Morast geraten.

Untersuchen lassen hat das Umweltamt in den letzten Tagen die Wasserqualität. Im Vergleich zu letztem Jahr gebe es keine Auffälligkeiten. Der Phosphatgehalt bewege sich in den gleichen Größenordnungen. Im Vergleich zum Neuen Teich seien die Phosphat-Gehalte sogar niedriger und das Wasser sei wesentlich klarer, erläutert Boje. Eine Antwort auf die Frage, warum der Schwanenteich vermehrt Faden- anstelle von Schwebealgen entwickele, die am Neuen Teich immer mal zu beobachten seien, gebe es noch nicht.

Grundsätzlich führt das Umweltamt aus, dass der Phoshatgehalt als Pflanzennährstoff die Algenbildung fördert. Phosphat sei bereits in geringen Mengen ein effektiver Algendünger. Damit Algen das Wachstum einstellen, müsse der Phosphatgehalt des Wassers fast Null betragen. Dies sei schwierig, da bereits das zugeleitete Wieseck- und Oberflächenwasser Phosphate enthalte. Damit die Teiche ihren Wasserstand halten, werde Wasser bei Bedarf zugeführt, beim Schwanenteich abhängig vom Wasserstand über die Zulaufschwelle. Im Sommer reiche der Wasserstand der Gewässer aber nur für einen minimalen Zulauf, es sei denn, es hat stark geregnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare