Inhaberin Isabel Bojunga ist sehr dankbar für die Unterstützung. 
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Inhaberin Isabel Bojunga ist sehr dankbar für die Unterstützung. 

Kultkneipe

Gießen: Fans retten Lieblings-Gastronomie - Krachender Erfolg bei Rettungsaktion

Ob Techno, Punk oder Metal, der Studentenkeller im Riegelpfad bietet seit über 50 Jahren ein breites Musikangebot. Nachdem ihr die Corona-Hilfen ausgegangen sind, hat sich Inhaberin Isabel Bojunga an ihre Gäste gewandt - mit krachendem Erfolg.

Seit 1962 befindet sich im Riegelpfad 8 die Tanzbar Scarabée. Wie viele Menschen in all den Jahren dort getanzt und gelacht, wie viele Paare sich dort gefunden und wieder verloren haben, kann man sich gar nicht vorstellen. Der Studentenkeller ist auf jeden Fall eine Institution in der Stadt - mit vielen Fans. Das hat Inhaberin Isabel Bojunga jetzt ganz konkret erfahren. Denn innerhalb von nur drei Tagen wurden 8 000 Euro zum Erhalt des Scarabée gespendet.

"Das ist der absolute Wahnsinn", erzählt Bojunga. Es mache sie immer noch sprachlos, wie hilfsbereit die Menschen seien. 280 Einzelspenden kamen bis jetzt auf www.betterplace.me/das-scarabee-kaempft-ums-ueberleben zusammen, um das Scarabée zu retten. "Dabei habe ich nie Spenden sammeln wollen", erklärt sie, aber Corona habe alles verändert. Am 14. März habe sie den Laden geschlossen, weil es ihr zu gefährlich wurde. Bojunga: "Ich will ja niemanden gefährden." Dadurch habe sie keine Einnahmen mehr gehabt und war auf die staatlichen Corona-Hilfen angewiesen. Das habe nicht nur sie getroffen: "Wir haben 20 Aushilfen, deren Einnahmen weggefallen sind."

Jetzt seien die Hilfsgelder aber aufgebraucht gewesen, und die Zukunft des Tanzkellers habe auf dem Spiel gestanden. Deswegen habe sie sich dafür entschieden, ein Crowdfunding zu starten. "Ich dachte es kommen vielleicht 1 000 Euro zusammen", sagt sie.

Dass es so schnell so viel wird, habe sie nicht gedacht. Sie vermute, dass das Alter des Scarabée dabei eine Rolle spiele. "Es spenden Leute, die waren vor 20 Jahren bei uns und stehen uns jetzt bei", freut sie sich. Sie haben eine feste Fangemeinde und die lassen sie nicht hängen. Ewig wird aber auch das gespendete Geld nicht reichen.

Sie schätze, dass der Laden zwei Monate damit auskommt. Dann müsse eine andere Lösung her. "Es gibt ja gerade günstige Kredite, aber die Beantragung dauert Zeit", schildert Bojunge einen ihrer Pläne. Zum anderen hoffe sie, dass vielleicht doch noch einmal Geld von der Politik bereitgestellt werde. "Ich bin wirklich froh, Mitglied im Deutsche Hotel- und Gaststättenverband zu sein." Die würden sich dafür einsetzen, dass es für Diskotheken weitere Hilfen geben werde.

Scarabee Gießen: "Ich bin so unglaublich dankbar"

Ob das gelingen wird, sei aber ungewiss - wie die ganze Zukunft der Diskotheken in Deutschland. "Wir stehen auf jeden Fall am Ende der Öffnungskette", glaubt sie. Beim Tanzen kommen sich die Menschen nahe und atmen auch stärker. Noch dazu komme, dass das Scarabée ein Keller sei, den man nicht so gut lüften könne. Sie habe sich auch Gedanken gemacht, zwischenzeitlich einen Kneipenbetrieb zu eröffnen, aber sie könne sich nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. "Das Publikum hier ist so familiär, das wird einfach sehr schwierig mit den Abstandsregeln." Außerdem würde das bauliche Änderungen erfordern, was man planen und umsetzen müsse. Im Moment hoffe sie, dass es ab September wieder funktionieren könnte, das Scarabée zu öffnen. "Das wird darauf ankommen, wie sich die Infektionen jetzt entwickeln."

Wenn sie zur Zeit in ihrem leeren Studentenkeller stehe, mache sie das traurig. "Ich versuche die Situation aber auch zu nutzen und renoviere ein bisschen und bringe neue Farbe an die Wände." Hoffnungsvoll plane sie auch das Programm für die Monate, wenn man wieder das Tanzbein schwingen kann.

Dass es das Scarabée dann noch gibt, hat es auch seinen Fans zu verdanken. Das weiß Bojunga zu schätzen: "Ich bin so unglaublich dankbar für die Unterstützung."

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