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Kinder und Jugendliche sollten möglichst mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule kommen, meinen viele Experten und auch die Stadt. SYMBOLFOTO: DPA

Gegen "Pop-up"-Radwege

Gießen: Erste "Elterntaxi"-Fläche kommt

Die Stadt will gegen das "Elterntaxi"-Chaos vor Schulen angehen und richtet die erste "Elterntaxi"-Fläche ein. Und dennoch gilt: Kinder sollten lieber mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß zur Schule kommen.

Gießen(kw). Die Stadt will verstärkt gegen das "Elterntaxi"-Chaos vor Schulen vorgehen. "In Kürze wird der erste extra ausgewiesene Hol- und Bring-Platz bei der Brüder-Grimm-Schule in Kleinlinden vorgestellt." Das kündigt Bürgermeister Peter Neidel an. Auf GAZ-Anfrage nimmt der CDU-Politiker Stellung zu einer Reihe von Forderungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) anlässlich der Wiedereröffnung der Schulen am kommenden Montag (18. Mai). Der Kreisverband mahnt ein umfassendes Konzept der Stadt an. Die erklärt, etliche Maßnahmen befänden sich "in Vorbereitung".

Einig sind sich Stadt und VCD im Appell an die Eltern, die Kinder möglichst nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen und abzuholen. Die Schülerinnen und Schüler sollten möglichst zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, für längere Wege könnten sie Bus und Bahn nutzen.

Stadt will keine "Pop-up"-Radwege

Der VCD-Kreisvorsitzende Patrik Jacob meint, es sei "höchste Zeit" für eine eigene Initiative der Stadt für eine umweltbewusste Mobilität auch in Corona-Zeiten, wie sie der Landkreis bereits gestartet habe. Damit verbunden sein müsse eine aktive Werbung. Dazu müssten allerdings auch die Voraussetzungen geschaffen werden.

So könne man fehlende Fahrradwege durch zeitweise Sperrungen von Spuren oder Parkstreifen kurzfristig zu "Pop-Up-Bike-Lanes" umwandeln, etwa in der Grünberger Straße zwischen Licher Gabel und Ludwigsplatz, im Wiesecker Weg oder im steilen Teil der Ludwigstraße. Der Radweg in der Frankfurter Straße stadteinwärts solle gemäß städtischer Ankündigung gerade rechtzeitig fertig werden.

Nötig ist für den VCD außerdem Tempo 30 an allen Schulen und an "neuralgischen Stellen" etwa am Christoph-Rübsamen-Steg, das Eindämmen des Parkens auf Schulhöfen sowie Halteverbote für Elterntaxis. All dies müsse streng kontrolliert werden. Die Stadt solle endlich Schulwegpläne im Internet zur Verfügung stellen und die Organisation von Gruppen für das gemeinsame Radeln zur Schule anbieten, so der VCD-Vorsitzende. Die meisten dieser Punkte einschließlich "Bannmeilen" für Elterntaxis hatten kürzlich auch die Grünen angemahnt.

Verkehrsdezernent Neidel unterstreicht, die ersten ausgewiesenen Plätze in Kleinlinden sollten von "intensiver Überwachung durch die Ordnungspolizei" flankiert werden. "Sollte sich das Konzept bewähren, können in Abstimmung mit den Schulen kurzfristig weitere Plätze eingerichtet werden."

Tempo 30 sei bereits in fast allen in Betracht kommenden Bereichen vor Schulen angeordnet. Wenige Abschnitte seien noch in Prüfung und würden gegebenenfalls ebenfalls kurzfristig umgesetzt, so der Bürgermeister.

Hol- und Bringdienste vermeiden

In Arbeit seien auch einige neue Radverkehrsmarkierungen. "Temporäre Maßnahmen ohne fachlich fundierte Planung und Prüfung sind nicht beabsichtigt", erklärt Neidel. Die Stadt setze auf langfristig wirkungsvolle Verbesserungen und beziehe selbstverständlich die erweiterten Handlungsmöglichkeiten durch die kürzlich in Kraft getretenen Änderungen in der Straßenverkehrsordnung ein.

Die Stadt verweist im Übrigen auf die Äußerungen von Stadträtin Astrid Eibelshäuser (SPD) kürzlich in einer Pressekonferenz. Sie appellierte an Kinder und Jugendliche, mit dem Rad zur Schule zu kommen, um die Hol- und Bringdienste zu vermeiden. Alle Schulleitungen wurden informiert, dass Gruppen, die gemeinsam zur Schule radeln wollen, sich an die Stadt wenden können, wenn sie eine Sicherheitsberatung wünschen. "Wir unterbreiten dann ein passendes Angebot."

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