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Joybrato Mukherjee vor der Professorengalerie im Senatssaal der Justus-Liebig-Universität, die er seit über zehn Jahren als Präsident steuert.

Entscheidung gefallen

Uni Gießen: Ende der Amtszeit naht - Präsident Mukherjee äußert sich zu Zukunft

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Am Mittwoch hat Joybrato Mukherjee bekanntgeben, ob er noch einmal als JLU-Präsident kandidiert. 

Update, 5.2.2020: Seit rund zehn Jahren ist Joybrato Mukherjee Präsident der Uni Gießen. Damals, beim Amtsantritt im Dezember 2009, war er der jüngste Uni-Präsident in Deutschland. Nun ist er 46 Jahre alt, seine Amtszeit endet 2021. Doch eine weitere könnte folgen. Denn erstmals kündigte Joybrato Mukherjee am Mittwoch an: Er steht für eine dritte Amtszeit zur Verfügung. 

Hintergrund, 2.2.2020: Eigentlich wollte er Lehrer für Englisch und Biologie werden. Stattdessen machte Joybrato Mukherjee vor zehn Jahren Furore als Deutschlands jüngster Universitätspräsident. Am Mittwoch will Mukherjee im Senat der Justus-Liebig-Universität bekanntgeben, ob er für eine dritte Amtszeit kandidiert - und die meisten Zuhörer hoffen wohl, dass er für weitere sechs Jahre zur Verfügung steht.

In einer Serie hat die GAZ Mukherjee als "Kapitän an der Lahn" porträtiert. Tatsächlich passt das Bild vom Schiff - ein ungewöhnlich großes mit 5500 Mitarbeitern und 28 000 Studierenden -, dessen Kurs er bestimmt. Formal hält sich die Macht eines Universitätspräsidenten in Grenzen. Mukherjee vertritt die Hochschule nach außen, ist intern Manager und Dienstvorgesetzter, muss bei Fehlentscheidungen gegensteuern und hat die Richtlinienkompetenz im fünfköpfigen Präsidium inne. Dieses Gremium entscheidet unter anderem über die Entwicklungsplanung der Universität und weist den Fachbereichen die Budgets zu. Viel Verantwortung liegt beim Senat; das Parlament der Hochschule überwacht auch das Präsidium.

Uni Gießen: DAAD oder Politik als Alternativen?

Zieht Mukherjee Bilanz, so spricht er folgerichtig von "wir" und von Entwicklungen, die "in meine Amtszeit" fielen. Die sind fast durchgehend erfreulich. Die Situation der Uni hat sich weiter stabilisiert. Dass der Spruch "Gießen musst du schließen" in Wiesbaden verstummt ist, ist auch Mukherjee zu verdanken. Beharrlich hat er eine Benachteiligung von Seiten der Landesregierung angeprangert.

Die JLU hat das Kunststück fertiggebracht, bei wachsenden Studierendenzahlen stetig bessere Zufriedenheits-Noten zu erhalten. Zugleich fahren die Forscher beachtliche Erfolge ein, die Internationalisierung schreitet voran, ebenso wichtige Neubauvorhaben.

Mukherjee holte die ersten Frauen ins Präsidium. 2012 erntete er Kritik, als er keine geeignete Kandidatin fand und das Präsidium wieder zum Männergremium wurde, bis Kanzlerin Susanne Kraus 2014 ihr Amt antrat. Sein Führungsstil gefällt nicht jedem. Er selbst sagt, er habe hohe Ansprüche an Mitarbeiter und lerne ständig dazu, was Kommunikation angeht.

Die schwerste Krise der Uni unter Mukherjees Ägide löste der Hackerangriff vor acht Wochen aus. Das beherzte umgehende Herunterfahren der Server verhinderte mutmaßlich eine Erpressung, rettete sämtliche Daten und sorgte für ein Wir-Gefühl. Auch Mukherjee opferte seine Weihnachtsferien und zudem die öffentliche Würdigung zum zehnten Jahrestag seines Amtsantritts am 16. Dezember.

Außerhalb Gießens verschaffte sich der eher leise, aber geschliffen argumentierende Sprachwissenschaftler ebenfalls Respekt. Seit Beginn dieses Jahres ist der Sohn indischer Einwanderer Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.

Uni Gießen: Bleibt Joybrato Mukherjee Präsident?

Wird diese Funktion zum Sprungbrett weg aus Gießen? Bisher hat Mukherjee stets betont, die Leitung des DAAD wie seine Vorgänger nebenberuflich wahrnehmen zu wollen. Eine weitere Perspektive: Ein politisches Amt. Gerüchte über derartige Ambitionen des SPD-Mitglieds hört man allerdings kaum noch. Augenscheinlich fühlt sich Mukherjee wohl als Gestalter im unabhängigeren Wissenschaftsbetrieb; ebenso wie in seiner Zufalls-Wahlheimat, in die es ihn 2003 als Professor für englische Sprachwissenschaft verschlug. "Gießen ist cool, ohne es zu wissen", lautet eine seiner Liebeserklärungen.

Dass der ehrgeizige 46-Jährige sein ganzes Berufsleben in Mittelhessen verbringen oder gar in aller Stille auf seine Professur zurückkehren wird, kann man sich zwar kaum vorstellen. Doch momentan spricht einiges für weitere sechs Jahre an der Spitze der Justus-Liebig-Universität. Zumal Mukherjee hoffen kann, sich keinem harten Wahlkampf stellen zu müssen. Bei seiner Wiederwahl 2014 glänzte er als einziger verbliebener Kandidat mit einer deutlichen Mehrheit von 27 zu 4 Stimmen bei einer Enthaltung.

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