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Abrissbereit: In dem Haus an der Eichgärtenallee waren seit 1957 verschiedene Gastronomiebetriebe beheimatet.

Wohnungen statt Käsesalat

Ehemaliges Traditions-Lokal in Gießen wird abgerissen - Pläne für Nutzung stehen

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Seit Juli ist die "Teichstube" in Gießen geschlossen. Eine Fortsetzung der Gastronomie an der Eichgärtenallee wird es nicht geben. Das Gebäude wird abgerissen.

Gießen - Von solchen Erfolgen können die Fans der Gießen 46ers derzeit nur träumen. 1978 war es, als der Titel Deutscher Meister im Basketball zuletzt an die Männerturner aus Gießen ging. Nach einem Auswärtscoup in Wolfenbüttel war der MTV 1846 Meister. "Ging es auf dem Spielfeld heiß her, endeten die Begegnungen meist in der Gießener ›Käsekiste‹ bei einem kühlen Schoppen. Wie nach dem vorzeitigen Meistercoup in Wolfenbüttel, als die damaligen Basketball-Helden nach ihrer Rückkehr mit Hunderten von Fans in der Gaststätte an der Eichgärtenallee ausgiebig den Titel feierten", hieß es im vergangenen Dezember in der Gießener Allgemeinen, als sich die Meisterspieler von 1968 und 1978 zur Jubiläumsfeier in Gießen trafen.

1957 Gießens erste Pizzeria

Mit kürzeren Unterbrechungen gehörte das am Schwanenteich gelegene Wirtshaus zu den Traditionsadressen der Gießener Kneipenszene. Nach mehreren Pächterwechseln in den letzten zehn Jahren ist nun aber endgültig Schluss. Am Mittwoch wurde das Grundstück von einem Bagger freigeräumt, der Abriss des zweieinhalbgeschossigen Gebäudes soll folgen.

Auf der Parzelle wird eine reine Wohnbebauung entstehen. Das bestätigte Unternehmer Kai Laumann, der das Areal vor einigen Monaten erworben hatte. "Die Abrissgenehmigung der Stadt liegt vor", bestätigte Laumann, der in Gießen vor allem durch die Sanierung und Umnutzung der Alten Post bekannt geworden ist. Errichtet werden sollen auf dem Eckgrundstück zwei moderne Gebäude in sogenannter CLT-Holzbauweise. Bis auf die Bodenplatte werden die Häuser nur aus Holz bestehen. "Sie werden sich in Höhe und Optik in die Umgebung einfügen", sagte Laumann. Ein markanter Baum, der auf dem Grundstück steht, bleibe erhalten.

Gießen: In Käsekiste-Haus wurde Gastronomie- und Migrationsgeschichte geschrieben

In dem Lokal am Schwanenteich wurden nicht nur Meistertitel im Basketball gefeiert, es wurde auch Gastronomie- und Migrationsgeschichte geschrieben. Hier lernten die Gießener, was eine Pizza ist und dass man zu Nudeln nicht immer nur Gulasch essen muss. Luca und Mariaangela Bortoli hatten an der Eichgärtenallee ab 1957 das erste italienische Lokal in der Stadt betrieben, sechs Jahre später eröffneten sie das bis heute über Gießen hinaus bekannte Restaurant "Pizza Pie" in der Licher Straße.

Am bekanntesten wurde die Adresse an der Ecke Eichgärtenallee/Jahnstraße unter dem Namen "Käsekiste". 30 Jahre war die rustikale und gemütliche Gaststätte unter der Leitung von Wolfgang Hofmann ein Anlaufpunkt für Jung und Alt. Legendär war der Käsesalat mit der herzhaften orangefarbenen Soße. Als das Haus 2008 verkauft wurde, war für diesen Pächter Schluss, sein wirtschaftlich mäßig erfolgreicher Nachfolger warf nach nur gut einem Jahr das Handtuch. Aus der "Käsekiste" wurde dann 2009 das "Park-Haus am Teich", vier Jahre später folgte die "Teichstube". Unter der Portugiesin Arlet Lage Petermann erlebte das Wirthaus mit der schönen Terrasse einen Aufschwung. Im Sommer musste Petermann aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

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