Der Regen erschwert es den Geschäftsleuten im Seltersweg zusätzlich.
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Der Regen erschwert es den Geschäftsleuten im Seltersweg zusätzlich. 

Ladenöffnung

Durchwachsene Premiere am Faschingsdienstag

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Karneval und wechselhaftes Wetter: Der "verkaufsoffene Nachmittag" am Faschingsdienstag ist für die Geschäftsleute im Seltersweg durchwachsen verlaufen. Das BID sieht die Aktion positiv.

Gießen - Wie es läuft? Dennis Eberl breitet die Arme aus: "Wir werden von Kunden überrannt." Der Geschäftsführer von Köhler Männermode hat offenbar Humor. Um 14.35 Uhr am Faschingsdienstag befindet sich lediglich ein Kunde im Geschäft. Ein Szenario, das am Dienstagnachmittag in vielen Läden der Innenstadt zu erleben war.

Es war ein Bruch mit der Tradition: Zum ersten Mal seit über 50 Jahren hatte sich ein Großteil der innerstädtischen Geschäftsleute entschlossen, ihre Läden am Faschingsdienstag nachmittags zu öffnen. Man wolle damit den Entwicklungen der letzten Jahre Rechnung tragen, schließlich hätten viele Kunden nicht nachvollziehen können, dass der Einzelhandel in schwierigen Zeiten an möglichen Verkaufstagen schließe, hieß es vom BID Seltersweg.

Einige Geschäfte hatten sich thematisch auf Fasching eingestellt und versucht, auch den ein oder anderen Narren an die Kasse zu locken. Beim Blick in die Schaufenster konnte man verkleidete Verkäufer und Sektgläser sehen, auf einem Tresen lagen sogar Kamelle aus. Kunden blieben trotzdem häufig Mangelware.

Gießen: Knapp 5000 Passanten weniger

Ein Vergleich mithilfe der vom Unternehmen "hystreet" im Seltersweg erhobenen Zahlen zeigt: Zwischen 15 und 16 Uhr wurden 1574 Passanten gezählt. Am Dienstag vor einer Woche waren es zu dieser Zeit 1989. Insgesamt wurden gestern knapp 5000 Passanten weniger von dem Laser erfasst als vergangene Woche.

Der Eindruck stimmt also: Schon ab der Mittagszeit war nicht viel los. Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass ein Dienstag ohnehin nicht unbedingt zu den stärksten Tagen gehört. Als am Nachmittag ein kurzer kräftiger Schauer über die Innenstadt zog, wirkte die Einkaufsmeile fast verwaist. Gleichzeitig dürfte der zwischenzeitliche Sonnenschein zuvor dafür gesorgt haben, dass einige Unentschlossene sich doch zu einem der vielen Karnevalsumzüge aufrafften.

Gießen: Belegschaft nicht glücklich

Wie auch immer: "Heute ist deutlich weniger los als sonst", bestätigte eine Kraft hinter der Karstadt-Kasse und machte deutlich, dass die Öffnung bei der Belegschaft nicht gut angekommen war. "Dafür haben wir einen halben freien Tag geopfert. Ob der Umsatz das rechtfertigt, bezweifle ich."

Offenbar haben auch einige Geschäftsleute nicht mit einem lukrativen Tag gerechnet. Denn nicht nur in den Seitenstraßen, auch im Seltersweg selbst blieben hier und da Geschäfte geschlossen, die Filiale der Volksbank zum Beispiel, einige Bäcker, ein Frisör, ein Kiosk und ein Modegeschäft. Das kam bei einigen Kollegen nicht gut an. "Es ist schade, dass nicht alle mitgezogen haben", sagte Köhler-Chef Eberl, der sich aber auch ein wenig mehr Werbung für den Endverbraucher gewünscht hätte.

Dabei hatte das BID durchaus auf den "verkaufsoffenen Nachmittag" hingewiesen. Zum Beispiel mit ganzseitigen Anzeigen in den Zeitungen oder großen Schildern an den Eingangstüren der Läden.

Die Konkurrenz durch die vielen Umzüge war jedoch groß. Zumal außerhalb der Innenstadt viele Arbeitgeber ihren Angestellten freigegeben hatten und so dafür sorgten, dass auch in den Mittagspausen weniger Kaufkraft in die Innenstadt zog.

Gießen: Darré-Chef zufrieden

Trotzdem ist BID-Geschäftsführer Markus Pfeffer zufrieden. Er hätte bereits mit Geschäftsinhabern gesprochen, der Umsatz sei nicht überragend, aber zufriedenstellend. "Solch eine Änderung muss sich einspielen." Man könne nicht erwarten, dass am Faschingsdienst der Umsatz generiert wird, wie sonst an normalen Dienstagen. Pfeffer betonte: "Wir dürfen keine Möglichkeit auslassen, den stationären Einzelhandel zu stärken. Sonst gibt es den Seltersweg bald nicht mehr."

Hans-Jörg Ebert von Darré zog ein positives Fazit. "Wir haben bis 17 Uhr mehr Kunden beglückt, als am gesamten Montag", sagte er. Auch der Umsatz sei vergleichbar mit dem vom Montag gewesen. Und mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Es ist der beste Umsatz an einem Faschingsdienstag seit Jahren." 2017, 2018 und 2019 hatte Darré komplett geschlossen.

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